Die Zukunft von Quelle ist ungewiss (Foto: dpa)Das Überleben von Quelle wird einem Pressebericht zufolge zunehmend unwahrscheinlicher. Da Kaufinteressenten vor dem defizitären Versandhändler zurückschrecken, habe Insolvenzverwalter Jörg Nerlich vor wenigen Tagen auch Angebote für die anderen Geschäftsbereiche von Primondo zugelassen, erfuhr die "Financial Times Deutschland" (FTD) von mehreren Verhandlungsteilnehmern. "Wir glauben nicht mehr an einen Gesamtverkauf", hieß es unisono. Ein Sprecher Nerlichs dementierte hingegen, dass der Insolvenzverwalter die Einzelverwertung gestartet habe: "Wir haben weiter vier Interessenten im Prozess für den Gesamtverkauf."
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Versandhandel hoch defizitär
Hinter der Zukunft des Universalversenders Quelle stehen schon seit dem Insolvenzantrag von Primondo und dessen Mutter Arcandor im Juni große Fragezeichen. Im September einigte sich Nerlich in mühevollen Verhandlungen mit den Banken, Quelle zumindest bis zum Jahresende weiter zu finanzieren. Quelle machte 2007/08 zwei Drittel des Primondo-Umsatzes von 4,3 Milliarden Euro, gilt jedoch als hoch defizitär. Für andere Primondo-Töchter, wie die Spezialversender oder den Shopping-TV-Kanal HSE 24, hatten sich dagegen sofort Interessenten gemeldet.
Entscheidung noch im Oktober
Die Verhandlungen sind Kompliziert, dennoch soll sich das Schicksal von Quelle noch diesen Monat entscheiden. "Eine Entscheidung über die Zukunft von Quelle wird noch im Oktober 2009 fallen", kündigte der Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft Arcandor, Klaus Hubert Görg, als Reaktion auf den Bericht der FTD an. Dies gelte sowohl für die besonders in Bedrängnis geratene Quelle Deutschland als auch für die Gesellschaften in Mittel- und Osteuropa.
Investoren erwarten Zugeständnisse
Nach wie vor gebe es vier Bieter, "die für die Wirtschaftlichkeitsprüfung des Primondo-Verbunds viel Geld in die Hand genommen haben", ergänzte Insolvenzspezialist Nerlich. Kein einziger ernsthafter Interessent sei abgesprungen. Allerdings erwarten die potenziellen Käufer auch Zugeständnisse. So soll etwa der angekündigte Abbau von etwa einem Drittel der 10.500 Stellen schneller als angekündigt abgewickelt werden. Auch die Frage des Factoring wollen die Interessenten geklärt haben. Der Vertrag mit der Haubank Valovis, die die Vorfinanzierung im Versand übernimmt, läuft nur bis Jahresende.
Hoffen auf TPG
Laut "FTD"-Informationen aus Finanzkreisen setzte Nerlich große Hoffnung auf die US-Beteiligungsgesellschaft TPG, die einen Kauf des gesamten Primondo-Konzerns geprüft hatte. TPG hat in der Vergangenheit bereits mehrfach in Einzelhändler investiert und den Kreisen zufolge eng mit Primondo-Chef Marc Sommer zusammengearbeitet. Die Amerikaner kamen jedoch zu dem Schluss, dass sich ein Gesamtkauf nicht rechne und schieden zwischenzeitlich sogar aus dem Prozess aus. Nun sollen sie sich nur noch für Teile interessieren. Auch der US-Investor Golden Gate prüfte einen Gesamterwerb, kapriziert sich nun aber vor allem auf die Spezialversender. Die US-Firma Cerberus will nach "FTD"-Informationen ganz aussteigen.