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Prinz Charles' Immobilien-Desaster: "Wir hatten ein bisschen Pech"

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Prinz Charles' Millionendesaster: "Wir hatten ein bisschen Pech"

20.09.2010, 11:22 Uhr | Spiegel Online

Die britische Presse verhöhnt Prinz Charles wegen eines blauäugigen Immobilien-Investments (Foto: Reuters)

Die britische Presse verhöhnt Prinz Charles wegen eines blauäugigen Immobilien-Investments (Foto: Reuters)

Schlechte Presse für Englands Thronfolger: Mit einer massiven Fehlinvestition beim Immobilienkauf soll Prinz Charles seiner wohltätigen Stiftung Schulden in Millionenhöhe beschert haben. Das könne schließlich jedem mal passieren, verteidigt sich seine königliche Hoheit.

Dem britischen Thronfolger Charles haftet von jeher der Ruf an, ein unglücklicher Tropf zu sein, der mit untrüglichem und tragischem Instinkt jeden seiner seltenen PR-Erfolge ins Gegenteil zu verkehren imstande ist. Genau das ist nun auch in der Dumfries-Affäre der Fall.

Gefeierter Deal erweist sich als Fehlinvestition

Wie die britische "Times" berichtet, hat sich der Kauf eines 43 Millionen Pfund teuren Anwesens, an dem Charles maßgeblich beteiligt war - ein Deal, den man vor drei Jahren als "Rettung des Jahrhunderts" von historischer Bausubstanz gefeiert hatte - als Fehlinvestition herausgestellt. Schlimmer noch: Der Prinz hatte, um den Kaufpreis aufbringen zu können, Projekte seiner Wohltätigkeitsorganisation mit 20 Millionen Pfund beliehen, eine Summe, die nach dem Wertverfall für Bauland seit der Finanzkrise nun nicht mehr gedeckt ist.

Als der Prince of Wales den Kauf von Dumfries House im Juni 2007 unter Dach und Fach brachte, schien dem chronisch unter mangelnder Wertschätzung der Untertanen leidenden Blaublüter ein guter, ja ein phantastischer Deal gelungen zu sein. Das schottische Dumfries House, erbaut zwischen 1752 und 1760, gilt als eines der wertvollsten Anwesen Großbritanniens. Entworfen haben es die Meister der georgianischen Architektur, Robert und James Adam, bis zum Dachfirst ist es gefüllt mit kostbarsten Rokoko-Möbeln, die zum Teil von Chippendale persönlich für dieses Haus gedrechselt worden waren. Dieses Schmuckstück britischen Kulturerbes drohte damals auf schmähliche Weise veräußert zu werden.

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In wenigen Tagen viel Geld aufgetrieben

Der Besitzer, der Marquess of Bute, wollte den Besitz loswerden, die kostbaren Antiquitäten, die das Haus seit seiner Fertigstellung im 18. Jahrhundert nie verlassen hatten, warteten bereits verpackt und verladen auf Lieferwagen darauf, beim Londoner Auktionshaus Christie's verscherbelt und in alle Winde verstreut zu werden.

Dann kam die Sache Prinz Charles zu Ohren. Getrieben von einem raschen Entschluss, den der Thronfolger rückblickend als "eher kühn denn klug" beschrieb, machten sich Charles und seine Berater daran, binnen Tagen das Geld aufzutreiben, das nötig war, um Dumfries House vom Marquess zu erwerben und es als Kulturgut für die britische Bevölkerung zu erhalten, ja mehr noch: es der Öffentlichkeit erstmals zugänglich zu machen.

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Der Prinz reiht sich in das Heer verschuldeter Eigenheimbesitzer ein

Wie die "Times" schreibt, scheint der Prinz beim Kauf jedoch nicht nur von philantropischen Beweggründen motiviert gewesen zu sein: Er sah in dem zu Dumfries gehörenden Land demnach ein ideales Areal, um dort eine weitere seiner Musterfarmen zu errichten. Der bekannteste dieser prinzlichen Ökobauernhöfe, die Home Farm im Herzogtum Cornwall, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Pfund, aus dem Charles auch den Lebensunterhalt seiner Familie bestreitet.

Ein Sockelbetrag für die Rettung von Dumfries war im Juni 2007 bereits von einer Initiative zum Erhalt des Anwesens zusammengebracht worden, diese Summe von 12 Millionen Pfund konnte laut "Times" durch die druckvolle Lobbyarbeit des Prinzen bei Unternehmen und staatlichen Stiftungen schnell fast verdoppelt werden.

Offen blieb eine Summe von 20 Millionen Pfund - mit diesem Betrag wurde nun ausgerechnet die Dachorganisation beliehen, die sich unter Charles' Schirmherrschaft sozialen Projekten widmen soll, die "Prince's Charity Foundation". Da Dumfries House unveräußerlich ist, stellt das zum Anwesen gehörende Acker- und Bauland die einzige Sicherheit für den Deal dar. Der Wert wurde ursprünglich mit knapp 15 Millionen Pfund bemessen, schrumpfte seit der Finanzkrise jedoch auf 8,7 Millionen Pfund. Der Prince of Wales reiht sich - schlimmer, seine Stiftung - damit nunmehr in das Heer verschuldeter Eigenheim-Besitzer ein.

"Kauf nie ein Haus für 43 Millionen, ohne es dir vorher anzugucken"

Erneut muss sich Charles nun also verhöhnen lassen, diesmal wegen eines allzu blauäugigen Investments, zumal bekannt wurde, dass der Prinz Dumfries vor dem Kauf nicht einmal in Augenschein genommen hatte. Viel Geld, so spottet man im Königreich, sei ausgegeben worden "für einen Haufen brauner Möbel".

"Wir hatten ein bisschen Pech", musste am Mittwochabend auch sein Sprecher Sir Michael Peat eingestehen. "Wir haben den Crash bei Baulandpreisen nicht vorhersehen können, aber da sind wir ja auch nicht die einzigen." Im Beraterkreis des Prinzen wird laut "Times" bereits geflachst, "Kauf nie ein Haus für 43 Millionen, ohne es dir vorher anzugucken." Ob sich der erneute Imageschaden für Charles so einfach wegwitzeln lässt?

Von der linksliberalen Presse muss sich der Thronfolger mit schöner Regelmäßigkeit die Schattenseiten seines Gutmenschentums aufzählen lassen. So trat Charles samt Gefolge am Montag eine fünftägige Zugtour durchs Land an. Die sogenannte Start-Kampagne soll das ökologische Bewusstsein der Briten fördern. "Der Zug ist mit einem Arbeitszimmer, einem opulenten Speisezimmer, einer Schlafzimmer-Suite komplett mit Bädern für 'sie' und 'ihn' ausgestattet, der Trip wird den britischen Steuerzahler mindestens 50.000 Pfund kosten", giftete der "Guardian".

"Verdammt für den Preis einer guten Schlagzeile"

Der "Independent" bezichtigte den selbsternannten Ökoritter Charles unlängst gar der "grünen Geldwäsche" und rechnete vor, wie sich der 61-Jährige trotz verbesserter Einnahmesituation seiner Mustergüter Steuervergünstigungen verschaffe, in dem er in großem Umfang Ökoinvestitionen abschreibe - wozu auch die Umrüstung seines Limousinen-Fuhrparks auf organischen Treibstoff gehöre.

Nun reiht sich also selbst die königstreue "Times" mit der Enthüllung der Dumfries-House-Affäre in den Chor der Kritiker ein. Zwar beeilt man sich zu betonen, dass die "persönliche Integrität" des Thronfolgers außer Frage stehe, dennoch stehe nun einmal fest, dass die Stiftung, die eigentlich Geld an soziale Einrichtungen verteilen soll, nun mit einer Millionen-Schuldenlast dastehe.

So viel ungestümes republikanisches Rebellentum goutiert nicht jeder "Times"-Leser. "Vor einem Jahr habt ihr ihn wegen seines humanitären Engagements noch in den Himmel gehoben", beschwert sich ein Abonnent, "jetzt verdammt ihr ihn für den Preis einer guten Schlagzeile."


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Kommentare (67)

zum Forum

Thema: "Prinz Charles' Immobilien-Desaster: "Wir hatten ein bisschen Pech""

Fuffi schrieb: am 10. September 2010 um 19:45:13
(0) (0) Prince Charles
Charlie ist trotz seiner Fehler ein liebenswerter Mensch geblieben und was haben wir - Fau Merkel könnten wirdoch tauschen ich würde Charlie nehmen

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marga schrieb: am 10. September 2010 um 19:42:54
(0) (0) prince charles
Er hat vielleicht i.S. Geld oder Anlage diesmal kein glückliches Händchen gehabt - er wird es verschmerzen können. Wollte
vielleicht Kulturgut vor fremden Investitionen schützen. Doch was er in GB i.S. ÖKO geleistet hat und m.E. weiterhin leisten wird - hat keiner vor ihm auch nur in Ansätzen auf die Beine gestellt. Vielleicht überlebt ihn ja seine Frau MAMA, aber er hat sich auf diesem Gebiet schon jetzt ein Denkmal gesetzt. Seine Art und sein Wesen ist mir sehr sehr symatisch!!!!!!!!!!!!
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Blümojos schrieb: am 10. September 2010 um 19:29:29
(0) (0) Millionendesaster
ach welch Mitleid kommt in mir hoch . Hat er die Millionen erarbeitet? Nein , von wem ist wohl der Zazster . VOM VOLK . Der
und das Königshaus haben im Leben noch keine Hand bewegt um Geld zu verdienen . Laß den Engländern den veraltete Luxus.Er bezaht den Verlust mit Spielgeld.
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