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Private Krankenkassen: Warum der Erste-Klasse-Schutz unbezahlbar wird (2)

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Warum der Erste-Klasse-Schutz unbezahlbar wird

21.12.2009, 12:01 Uhr | Sven Böll, Spiegel Online

In der PKV steigen die Beiträge kräftig (Foto:  imago) In der PKV steigen die Beiträge kräftig (Foto: imago)Dass es im bisher üblichen Tempo nicht weitergehen kann, wissen auch die Anbieter. "Es ist ja nicht so, dass wir die Augen davor verschließen", sagt der Manager einer großen Versicherung. Deshalb versuchen Debeka, DKV, Allianz, Signal, Central und die vielen kleineren privaten Versicherungen immer massiver, ihr größtes Problem anzugehen: das umfangreiche Leistungsversprechen an den Kunden, auf ewig alles medizinisch Notwendige zu erstatten.

Unkalkulierbares Risiko

Das ist vor allem deshalb ein unkalkulierbares Risiko, weil im Gesundheitswesen das Phänomen vorherrscht, das Experten gerne wohlklingend mit "angebotsinduzierte Nachfrage" beschreiben. Dahinter steckt folgendes System: Weil Ärzte einen Informationsvorsprung gegenüber dem Patienten haben, bestimmen sie in der Regel, welche Kosten verursacht werden.

Ausgaben der Privaten steigen an

Und die Weißkittel, die sich von den zehn Prozent Privatversicherten das Geld mehr holen, was sie ihrer Meinung von den 90 Prozent gesetzlich Versicherten zu wenig bekommen, gibt es durchaus. "Etwa ein Jahr nach einer Gesundheitsreform, die die Leistungen bei gesetzlich Versicherten begrenzt, steigen unsere Ausgaben deutlich an", heißt es bei einem der führenden Privatversicherer.

Staat streicht Leistungen

Der Staat versucht das Problem ständig steigender Kosten in der Krankenversicherung vor allem dadurch zu lösen, dass er bei fast jeder Gesundheitsreform Leistungen aus dem Erstattungskatalog der gesetzlichen Kassen herausnimmt und die Selbstbeteiligung der Patienten erhöht. Siehe Praxisgebühr.

Private können keine Leistungen streichen

Die privaten Anbieter können aber keine Leistungen ausschließen, sondern nur versuchen, den Kostenanstieg durch eine halbwegs funktionierende Steuerung der Patienten in den Griff zu bekommen. Deshalb kontrollieren sie inzwischen jede Rechnung nicht nur darauf, ob es den Rechnungssteller auch wirklich gibt, sondern auch, ob bestimmte Ziffern der Gebührenordnung unerlaubterweise parallel abgerechnet werden. Zugleich bauen viele Anbieter medizinische Versorgungszentren auf und versuchen, ihre Kunden dorthin zu lotsen. Auch erste Rabattverträge etwa mit Arzneimittelherstellern gibt es.

Eher kosmetische Maßnahmen denn chirurgische Eingriffe

All das sind aber eher kosmetische Maßnahmen als chirurgische Eingriffe. Wohl auch deshalb fordern die Privatversicherer seit längerem vehement eine Novellierung der Gebührenordnungen. Die Regelung, nach der Ärzte abrechnen können, wurde zuletzt Anfang der achtziger Jahre grundlegend überarbeitet. Ziel der privaten Anbieter ist es nicht, die Ärzte mit einer Novellierung besserzustellen. Im Gegenteil. Erste Branchenvertreter stellen bereits das ganze Modell in Frage. "Es kann nicht dauerhaft so weitergehen, dass wir in der ambulanten Versorgung mehr als das Doppelte bezahlen müssen wie die gesetzlichen Kassen", sagte kürzlich DKV-Chef Günter Dibbern.




Grenzen bei Sparbemühungen

Allerdings sind den Anbietern bei ihren Sparbemühungen auch Grenzen gesetzt. Schließlich haben sie ihre Kunden mit dem Versprechen eines vollumfänglichen Schutzes gelockt - und da ist es nicht eben imagefördernd, wenn die Patienten den Eindruck gewinnen, die Zusage werde nicht eingehalten.


Jeder Versicherte trägt selbst Verantwortung

Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch: Jeder Versicherte trägt selbst eine beachtliche Verantwortung für den Kostenanstieg im Gesundheitswesen. Denn theoretisch kann er auf überflüssige Besuche beim Doktor verzichten und kritischer nachhaken, was der Arzt gerade anstellt und ob das denn nötig ist. Die meisten Privatpatienten werden aber wohl aus Sorge, dass sich die anderen Versicherten egoistisch verhalten und die Beiträge somit trotz eigener Vorsicht weiter rasch steigen, lieber auf ein solches Verhalten verzichten.

Privatversicherte sind Gefangene des Systems

Auch ein Wechsel zurück ins gesetzliche System ist zumeist verschlossen und im Falle einer noch so kleinen Vorerkrankung zu einem anderen privaten Anbieter - von einem Konkurrenten zu sprechen, wäre irreführend - ebenfalls kaum möglich. Somit sind die meisten Privatversicherten Gefangene des Systems und oft sogar ihres Anbieters.

Langfristige Kosten einer Privatversicherung beachten

Die beste Möglichkeit, die Prämie in den Griff zu bekommen, besteht deshalb darin, den eigenen Vertrag zu ändern - sei es, indem der Versicherte eine höhere Selbstbeteiligung vereinbart oder die Leistungen reduziert. Sinnvoll kann es auch sein, die Differenz, die in jungen Jahren im Vergleich zum Beitrag bei einer gesetzlichen Kasse besteht, als eine Art private Altersrückstellung anzusparen.

Gesetzliche Krankenversicherung könnte attraktiver werden

Und alle, die mit dem Gedanken spielen, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu wechseln, sollten sich bewusst sein, dass die gesetzlichen Kassen für Gutverdiener deutlich attraktiver werden, wenn die schwarz-gelbe Koalition wie vereinbart eine Gesundheitsprämie einführt.

Auf die Beitragshistorie achten

Wer trotzdem auf die unbestrittenen Vorzüge einer privaten Versicherung nicht verzichten möchte, sollte allerdings nicht auf die optisch niedrigen Einstiegstarife gucken, mit denen er angelockt werden soll, sondern sich lieber an der Beitragshistorie des Allianz-Versicherten Diefenbach orientieren. Wenn die Prämienanpassungen später dann geringer ausfallen als sechs bis sieben Prozent pro Jahr - umso besser.



Quelle: Spiegel Online , t-online.de

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