15.02.2011, 08:06 Uhr | dpa, bab
In Deutschland gehen immer mehr Menschen Pleite (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die Wirtschaft brummt, Firmen stellen ein, der Aufschwung ist da. Doch viele Menschen in Deutschland spüren davon nichts. Durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder andere Ereignisse schlittern sie erst in finanzielle Engpässe, dann in den Bankrott. Anders ausgedrückt: die Zahl der Privatinsolvenzen ist auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Die Unternehmen dagegen erholen sich - wenn auch langsam.
Erhoben hat die Daten die Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Rahmen ihrer Studie Insolvenzen in Europa, die konkrete Zahlen nennt. Im Jahr 2010 konnten 139.800 Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Das ist ein Anstieg von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Für 2011 rechnet Creditreform mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 142.000. Eine Trendwende sei nicht in Sicht.
Höher war die Zahl der Pleiten nur in Großbritannien, wo 2010 mehr als 162.000 Verbraucherinsolvenzen gezählt wurden. Brisant hier: England hat 30 Millionen weniger Einwohner als Deutschland. In den neun untersuchten Ländern haben insgesamt rund 385.000 Menschen ihren Bankrott erklärt. Der Verlust der Beschäftigung und die damit einhergehenden erheblichen Einkommenseinbußen gelten laut Creditreform hier als Auslöser Nummer eins. Steigende Zinslasten könnten zudem weitere Privatpleiten verursachen.
Auch wenn sich die Arbeitslosigkeit deutlich verringert habe, arbeiteten viele Menschen weiterhin im Niedriglohnsektor und gerieten so oft zwangsläufig in finanzielle Schwierigkeiten. Die größten Zuwächse bei den Privatinsolvenzen gibt es nach weiteren Angaben der Creditreform bei den 18- bis 28-Jährigen. "Das Problem ist, dass viele junge Menschen in überschuldeten Familien aufwachsen und nichts anderes lernen", sagte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Röd. Allein in Deutschland seien mehr als sechs Millionen Haushalte überschuldet. Tendenz weiter steigend.
Eine leichte Entspannung registrierte die Creditreform dagegen bei den Unternehmen. So traten 2010 rund 32.100 Betriebe den Gang zum Insolvenzgericht an - 2,5 Prozent weniger als im Krisenjahr 2009. Europaweit gingen die Firmenkonkurse ebenfalls leicht zurück auf zuletzt 175.677. Als eine der größten Volkswirtschaften in Europa trug die Entwicklung in Deutschland wesentlich dazu bei, dass auch die Firmenpleiten in Westeuropa in einem etwas positiveren Licht erscheinen.
Bei den deutschen Unternehmen zeigt sich in den Branchen eine positive Entwicklung, die vom Wirtschaftsaufschwung stark profitieren: Besonders in der Industrie wie im Maschinenbau oder in der Autobranche waren die Insolvenzzahlen rückläufig. Aber auch im Handel und der Bauindustrie gingen weniger Betriebe Pleite als ein Jahr zuvor.
Nur das Dienstleistungsgewerbe verzeichnete nach den Zahlen der Creditreform einen leichten Anstieg von 0,7 Prozent. Insgesamt rechnet der Wirtschaftsinformationsdienst, der auch einer der größten Inkassounternehmen in Deutschland ist, in diesem Jahr mit einem weiteren Absinken der Firmenpleiten auf unter 30.000 Fälle.
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Quelle: bab , dpa
Wilhelm II schrieb:
am 8. Februar 2011 um 19:23:45
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Privatinsolvenz
Die Privatinsolvenz ist die Möglichkeit, gerade nicht Pleite zu gehen! Sie behalten immerhin den Mindestbehalt, können also
leben. Und nach 6 Jahren ist Schicht!
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Franky schrieb:
am 8. Februar 2011 um 19:17:52
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Privatinsolvenz: Trotz Aufschwung gehen immer mehr Bürger Pleite
Unter dieser Bundesregierung gerät das soziale Gleichgewicht aus den
Fugen. Die merken es anscheinend erst, wenn ihnen der soziale Sprengstoff um die Ohren fliegt. Traurig, wenn man von solch verantwortungslosen Leuten regiert wird.
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old chatterhand schrieb:
am 8. Februar 2011 um 19:12:07
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Privatinsolvenz
Tja, komisch. Scheinbar sind Schweizer, Luxemburger, Holländer, Belgier und alle Skandnavier bessere Rechner als die
Deutschen. oder was ist da los? Na ja, bei denen sind auch die Medis viel billiger als bei uns.
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