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Privatrechner muss für den Job herhalten

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Privatrechner muss für den Job herhalten

07.02.2012, 13:48 Uhr | Financial Times Deutschland

Der eigene PC ist oft besser als der im Job (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der eigene PC ist oft besser als der im Job (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zwei Drittel aller Angestellten nutzen für berufliche Aufgaben auch private Rechner und Smartphones. Der Grund: Die eigenen Geräte sind häufig besser als der PC im Job. Doch den Unternehmen bringt das einen Haufen Probleme.

Höherer Standard bei privaten Geräten

"Demnächst bring ich noch meinen eigenen Computer mit!" - Was früher humorvoll auf ausufernde Sparrunden in der Firma hinweisen sollte, ist heute eher ein Frustspruch über die mangelnde Ausstattung technischer Geräte. Denn eine Umfrage des Beratungsunternehmens Accenture zeigt: Die Privatgeräte der Mitarbeiter haben häufig einen höheren Standard als die Technik am Arbeitsplatz. Daran haben sich viele so gewöhnt, dass sie nicht mehr verzichten wollen. Zwei von drei Angestellten erledigen deshalb zumindest gelegentlich Berufliches auf Privat-Geräten. Und es mache schlicht mehr Spaß, gesteht die Mehrheit ein.

Besonders häufig kommt dabei der eigene PC oder das Laptop zum Einsatz (56 beziehungsweise 53 Prozent). Ein privates Smartphone nutzen immerhin 36 Prozent der Umfrageteilnehmer hier und da für den Job. Fast jeder Dritte versendet berufliche E-Mails schon mal vom privaten Account. Jeder Fünfte tauscht sich mit Kollegen oder Geschäftspartnern durchaus über Instant-Massaging-Dienste oder soziale Netzwerke aus.

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Ausstattung genügt jungen Mitarbeitern nicht

"Mit so genannten Collaboration Tools aus dem Netz zu arbeiten ist für viele Menschen bereits Job-Alltag. Mitarbeiter wollen im Beruf nicht auf das verzichten, was sie als private Verbraucher als praktisch und innovativ erleben. Gerade junge Mitarbeiter erleben die Ausstattung am Arbeitsplatz oft so, als führen sie privat Ferrari, in der Firma dagegen Pferdekutsche", sagt Johannes Michel, Consultant bei Accenture.

Und: Der Einsatz privater Geräte, der sich für die Firmen zunächst nach einem Vorteil anhört, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eklatantes Sicherheitsrisiko. Denn auf den Privatgeräten der Mitarbeiter sind häufig nur einfache Virenscanner oder Sicherheitsprogramme installiert. Bei manchem fehlen solche Vorsichtsmaßnahmen völlig.

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Unternehmen fehlt Übersicht und Kontrolle

Experten sehen darin geradezu ein übergroßes Einfallstor für Schadsoftware und ebenso für Wirtschaftsspionage. Denn über die Sicherheit auf privaten Geräten hat das Unternehmen keinerlei Übersicht und schon gar keine Kontrolle.

Deutsche Arbeitgeber sind von Hacker-Attacken oder Sicherheitslöchern zwar bisher wenig betroffen. Doch: Geschieht die "Invasion privater Technologie" am Arbeitsplatz ungesteuert, ist die Sicherheit von Daten und IT-Systemen in Gefahr, warnt Accenture.

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IT-Abteilungen mit Anpassung überfordert

Lassen sich die Unternehmen indes darauf ein, auch die für den Job genutzten privaten Geräte technisch zu unterstützen, erhöht sich der Aufwand immens. Die Vielzahl heutiger Geräte und Programme ist für eine IT-Abteilung kaum noch zu beherrschen. Arbeitsabläufe werden so behindert, die Zusammenarbeit mit Kollegen und Kunden erschwert.

Verbote bringen nichts

Dennoch empfehlen die Experten, Verbote zu vermeiden. Das sorge erfahrungsgemäß dafür, dass die Mitarbeitermotivation sinkt. Und jeder Fünfte würde solche Verbote auch ignorieren. Der Studie zufolge ist jeder zweite Befragte sogar der Meinung, dass die Mitarbeiterzufriedenheit steigen würde, wenn die Angestellten mehr Freiheit bei der Auswahl der technischen Geräte für den Beruf hätten. Immerhin jeder Fünfte in Deutschland schätzt neueste Technik am Arbeitsplatz sehr. Mit rigiden Verboten würde somit auch das Arbeitgeberimage beschädigt.

Zusammenarbeit mit Anwendern empfohlen

Die Experten empfehlen deshalb, mit den Anwendern im Unternehmen zusammenzuarbeiten, um zu erkennen, wo eine Öffnung und Erweiterung der Ausstattung die größten Vorteile bringt, und dabei konkrete Risiken zu identifizieren. Manche Arbeitgeber gewährten Mitarbeitern sogar Budget, mit dem sie ihre Ausstattung - im Rahmen einer Vorauswahl - selbst anschaffen können, so die Experten.

"Bring-your-own-device für bestimmte Gruppen von Mitarbeitern einzuführen, kann in allen Unternehmen Vorteile bringen", sagt Michel. Allerdings gebe es keine pauschale Antwort - jedes Unternehmen müsse für sich bewerten und entscheiden, wie und in welchem Umfang man private Geräte und Programme zulassen könne.

Für die Studie "The Genie Is Out of the Bottle: Managing the Infiltration of Consumer IT Into the Workforce" wurden 4000 Angestellte von Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in 19 Ländern befragt, 250 davon in Deutschland.


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Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (12)

zum Forum

Thema: "Privatrechner muss für den Job herhalten"

Brannys schrieb: am 10. Februar 2012 um 10:35:00
(2) (0) Sicherheit gleich Null
Was zunächst für die Mitarbeiter Motivation erzeugt, der Arbeitgeber Geld spart, in Sachen Sicherheit geht es hier
in Richtung Null. Was aus dem Unternehmen an Daten auf die privaten Geräte gespeichert und aus dem Unternehmen getragen wird, es ist nicht mehr kontrollierbar. Der Wirtschaftskriminalität wird hier ein neuer und noch simpler Weg geschaffen. Im Strafprozess bekommt dann der Täter noch Milderungsgründe, man hatte es ihm ja ermöglicht. Prävention kaum noch möglich.
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Alois schrieb: am 9. Februar 2012 um 13:58:03
(1) (0) Privatrechner
Was denken sich Arbeitgeber denn, wenn sie so etwas zulassen? Das ist doch wie ein allgemein zugängliches Magazin, in dem
sich jeder nach Wunsch bedienen kann. Auf diesem Weg ist der Firmenspionage Tür und Tor geöffnet - darüber hinaus kann man Malware ins Firmennetz einschleußen.
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Arbeit"nehmer" schrieb: am 9. Februar 2012 um 11:51:33
(2) (0) PC
Die AG sparen auf Kosten der AN. Sie erwarten, dass diese ihr eigenes "Werkzeug" mitbringen, so, als wären sie selbständige
Handwerker. Der AN kann diese Anschaffung jedoch nicht wie ein Selbständiger bei der Steuer als Werbungskosten geltend machen, weil er vom AG keine Bescheinigung erhält, dass er das Gerät beruflich benötigt. Der AG müsste anderenfalls selber das Gerät zur Verfügung stellen. Der AN ist so immer der Gekniffene. Ich habe es so oft erlebt. Es fehlt ein Gesetz.
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