Produktpiraterie kostet Milliarden. (Foto: imago)Sie fälschen Bremsscheiben von Autos, Messer für Mähdrescher oder ganze Kettensägen: Kaum ein Produkt ist vor Produktpiraten sicher. Doch während nachgemachte T-Shirts meist nach der ersten Wäsche als solche erkennbar sind, können Plagiate von Ersatzteilen in Autos oder Maschinen zu einer großen Gefahr für die Verbraucher werden.
Maschinen und Ersatzteile "Made in Germany" erfreuen sich bei Produktpiraten besonderer Beliebtheit, weil sich die Fälschungen wegen ihrer bekannten Markennamen überall auf der Welt gut verkaufen lassen. "Ein Serviceteil zu fälschen macht besonders viel Freude, wenn es sich in großen Mengen absetzen lässt", sagt Unternehmensberater Holger Clasing von der Beratung Barkawi.
Milliardenschaden durch Produktpiraten
Einer Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge sind zwei Drittel aller Hersteller für Investitionsgüter in Deutschland von Produktpiraterie betroffen, der geschätzte Schaden liegt bei mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr. Den Firmen entgeht nicht nur der Umsatz mit ihren Originalen, sie müssen auch viel Geld in die Hand nehmen, um sich vor Fälschungen zu schützen.
Nachahmer-Waren unterscheiden sich kaum vom Original
Mit bloßem Auge lassen sich gefälschte Kugellager, Bremsscheiben oder Schrauben aber meistens kaum vom Original unterscheiden. Der ADAC warnt Autofahrer daher seit langem vor dem Kauf billiger Ersatzteile aus dem Internet oder anderen Quellen, bei denen sich die Qualität nicht überprüfen lässt. Kommt es durch ein gefälschtes Ersatzteil zu einem Unfall, sind die Hersteller der Originale in der Defensive. "Sie müssen nachweisen, dass das Ersatzteil nicht von ihnen war"-, sagt VDMA-Rechtsspezialist Wiesner.
Unfälle kommen nicht an die Öffentlichkeit
An die Öffentlichkeit gelangen Unfälle durch gefälschte Ersatzteile aber so gut wie nie. "Viele Firmen sprechen nicht gerne darüber, dass sie Opfer von Produktpiraten wurden", sagte Wiesner.
Maßnahmen gegen Nachbauten
Firmen wie der Mähdrescherhersteller Claas aus dem westfälischen Harsewinkel haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Maßnahmen entwickelt, um sich gegen Nachbauten ihrer Produkte zu schützen. Neuartige Fertigungsverfahren, Hologramme und eine fließende Farbgebung der Verpackungen sollen Produktpiraten das Handwerk legen. Trotzdem entdeckt das Unternehmen immer wieder gefährliche Fälschungen: Selbst die Messer für die Mähdrescher werden in minderwertiger Qualität kopiert. "Wenn so ein Messer fliegen geht, dann ist das ein Problem", sagt der Vertriebsleiter für Serviceteile, Hanno Schmidt-Román.
Detektive auf die Produktpiraten
Auf die großen Messen nimmt Claas inzwischen gleich einen eigenen Patentanwalt mit, um Plagiate an den Nachbarständen aufzuspüren. Allein auf der Messe Agritechnika ließ er im vergangenen Jahr sieben Messestände schließen, an denen die Fälschungen, zum Teil verpackt in gebrauchten Originaltüten von Claas, angeboten wurden. Auch der Motorsägenhersteller Stihl geht seit Jahren offensiv gegen Fälschungen vor und setzt in China sogar Detektive auf die Produktpiraten an.