Viagra - gibt's in echt oder gefälscht (Foto: imago)Nirgendwo müssen mehr Firmen gegen Produktpiraterie kämpfen als in München mit seinen zahlreichen Luxus- und Sportartikelherstellern: In einer Umfrage der Vereinigung zur Bekämpfung von Produktpiraterie (VPB) klagten 17 Münchner Markenhersteller über Probleme mit Fälschungen von Taschen, Parfums oder anderen Artikeln. Auch in Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und Stuttgart gaben mehrere Unternehmen an, stark von diesem Delikt betroffen zu sein.
Adidas, Nivea & Co. - Plagiarius 2008 -
eBay-Nutzerbeschwerden liefern Hinweise
Die VPB befragte die Unternehmen im Rahmen einer Untersuchung, die den ersten Überblick zur Dimension der Produktpiraterie in Deutschland liefere, sagt VBP-Pressesprecher Terry Swartzberg im Gespräch mit t-online.de/wirtschaft. "Für unsere Erhebung zu haben wir Unternehmen befragt, Pressemeldungen über Fahndungserfolge dokumentiert und Nutzer-Beschwerden zu eBay-Angeboten verfolgt", erklärt Swartzberg.
Hunderte Plagiate an nur einem eBay-Handelstag
Den Ergebnissen zufolge zieht der Online-Marktplatz Ebay Produktfälscher geradezu magisch an: "Wir haben an einem einzigen Tag - dem 31.7.2008 - zu 832 eBay-Angeboten im eBay-Forum den Hinweis von Usern gefunden, das Produkt sei eine Fälschung.", sagt Swartzberg. Wenn man davon ausgeht, dass diese Hinweise stimmen, haben eBayer an jenem Tag Fälschungen von 210 Marken angeboten.
Eine Million falsche Sportschuhe
In der Regel gelangen die gefälschten Produkte auf dem gleichen Weg nach Deutschland wie die Originale: In Containern versteckt passieren sie meist unerkannt die Kontrollen in den großen europäischen Häfen. Selten sind Erfolge wie im Jahr 2006, als der Hamburger Zoll 117 Container beschlagnahmte. Sie enthielten die größte Zahl an Plagiaten, die jemals eine Behörde aufgespürt hat: Waren mit einem Handelswert von mindestens 383 Millionen Euro. Die Fahnder drehten unter anderem eine Million falsche Nike-Sportschuhe durch den Reißwolf. Ebenfalls vernichtet wurden zigtausende Uhren und 8.460 Stück Softair-Spielwaffen mit verbotenen optischen Zieleinrichtungen.
Jedes zehnte Medikament ein Plagiat?
Noch weitaus gefährlicher als Spielwaffen mit Laser-Zielfernrohr sind jedoch gefälschte Medikamente. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Fälscher ungefähr zehn Prozent der weltweit verkauften Medikamente in Umlauf bringen. Deshalb, erklärt Rolf Hömke vom Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA), sei es sehr wichtig, Medikamente nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen.
Fälscher finden ihre Kunden per eMail-Spam
"Wer sein Medikament beim lokalen Apotheker oder bei einer seriösen Versandapotheke bezieht, ist fast völlig sicher vor Fälschungen", versichert Hömke. Das Bundeskriminalamt (BKA) teilt diese Einschätzung und geht von einem Fälschungs-Risiko von weniger als einem Prozent aus. Dagegen warnen BKA und VFA eindringlich vor Spammer-Apotheken, die durch Massen-Emails auf sich aufmerksam machen.
"Die verkaufen dagegen fast 50 Prozent Plagiate", warnt Hömke. Dies sei die wichtigste Form des Vertriebs; außerdem spielten einige Bodybuilding-Studios eine nennenswerte Rolle bei der Verbreitung gefährlicher Medikamente. Dabei geht es keineswegs nur um Potenzmittel wie Cyalis, Levitra und Viagra, sagt Hömke: "Krebs-, Aids-, Herzmittel – die fälschen einfach alles." Rezepte verlangen die illegalen Internet-Apotheken natürlich nicht.
"Mehlklumpen als Viagra"
2009 wollen Industrie und Apotheken eine neue Methode zur Identifikation von Medikamentenpackungen erproben, die den Fälschungen Einhalt gebieten könnte: Jede Packung bekommt eine eindeutige Identifikationsnummer, die helfen soll, die Echtheit des Inhalts zu prüfen. "Beinahe machtlos sind die legalen Hersteller jedoch gegen den Schwarzhandel", sagt Rolf Hömke. "Wenn die Fälscher irgendwelche Mehlklumpen als Viagra pressen und die Leute es dann auch noch kaufen, kann man nur warnen, aber nicht viel unternehmen."