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Promi-Apartmenthaus: Rassismus-Streit im legendären "Dakota"

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Rassismus-Streit im legendären "Dakota"

08.02.2011, 12:36 Uhr | Spiegel Online

Das berüchtigte "Dakota" am Central Park in New York (Foto: Reuters)

Das berüchtigte "Dakota" am Central Park in New York (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Geld ist nicht alles. Das spürt auch der schwarze New Yorker Investmentmanager Buddy Fletcher, der im berühmten Apartmenthaus Dakota am Central Park wohnt. Er fühlt sich von seinen Nachbarn diskriminiert - und schlägt zurück. Manhattan ist gebannt vom pikanten VIP-Zank.

Es ist das sagenumwobenste Apartmenthaus Manhattans. Täglich stauen sich die Touristen am Central Park West, um das steile Kupferdach und die Backsteingiebel zu knipsen, die Roman Polanski 1968 in seinem Horrorschocker "Rosemaries Baby" zu feinstem Gruseleffekt eingesetzt hatte. Andere posieren vor dem Torbogen, in dem 1980 der wohl bekannteste Bewohner erschossen wurde, der Ex-Beatle John Lennon.

Bis heute ist das Dakota ein diskretes VIP-Refugium. Zwar stellen manche Stars der Wall Street und des Entertainments ihren Reichtum lieber zehn Fußminuten südlich zur Schau, in der modernen Luxuswohnburg 15 Central Park West, darunter Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein. Wer's jedoch gediegen mag, zieht das Dakota vor: Hollywood-Legende Lauren Bacall, Morgan-Stanley-Finanzchefin Ruth Porat und natürlich Lennons Witwe Yoko Ono.

"Dakota ist ein Mysterium"

Denn was sich wirklich hinter der denkmalgeschützten Festungsfassade auf der Upper West Side zuträgt, ist bis heute ein sorgsam gewahrtes Mysterium: Livrierte Wärter beschützen die Eingänge - und die Privatsphäre der Promis. Jetzt hat jemand den Schleier gelüftet - und es ist kein schmeichelhaftes Bild, das sich offenbart. Die traditionell geheimniskrämerischen Dakota-Bewohner sind außer sich. Zumal der Verräter erstens aus ihren eigenen Reihen stammt und zweitens aus einer Welt, die vielen immer schon suspekt war - der Wall Street.

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Gleich mehrere Schlachten toben da: Altes Geld gegen neues Geld, Kunst gegen Kommerz - und, so behauptet zumindest ein Protagonist, Weiß gegen Schwarz. "Ist das 'Dakota' das rassistischste Gebäude in NYC?", fragt der Blog "Gothamist".

Auf der einen Seite: Alphonse Fletcher, 45, genannt "Buddy", ein prominenter schwarzer Wall-Street-Manager, der früher mal bei Bear Stearns war und heute seine eigene Investmentfirma hat. Auf der anderen Seite: das gesamte Co-Op Board (die Eigentümerversammlung) des Dakota, namentlich dessen Präsident Bruce Barnes, ein Kunst- und Antiquitätensammler, sowie der Investmentbanker John Rydzewski und Peter Nitze, ein Kapitalinvestor - alle weit älter als Fletcher.

Politisch unkorrekte Eiseskälte

Fletcher, der seit 1992 im Dakota wohnt, hat seine Nachbarn vor dem Obersten Gericht des Bundesstaats New York verklagt - wegen "Diffamierung", "sittenwidriger und gesetzwidriger Misshandlung" und "gesetzwidriger Diskriminierung". Es ist vor allem der letzte Vorwurf, der nun so viel Aufregung auslöst - ist er doch die Verklausulierung eines viel schlimmeren Wortes: Rassismus.

Die 57-seitige Klageschrift mit dem Aktenzeichen 11-101298 strotzt vor pikanten Details aus dem offenbar recht feindseligen Dasein im Dakota. Selbst die Wohnungsnummern einiger Beteiligten sind erwähnt, ein geradezu blasphemischer Tabubruch. Der Großteil des Theaters scheint sich demnach im fünften Stock abzuspielen - vier Etagen unter Yoko Onos Dach-Apartment.

Fletcher lebt mit Frau und zweijähriger Tochter in Wohnung Nr. 51: drei Schlafzimmer, vier Bäder, zwei Dienstmädchenzimmer. Als seine Nachbarin Ruth Proskauer Smith, eine Aktivistin und Mitbegründerin der US-Abtreibungsbewegung, im Januar 2010 im Alter von 102 Jahren starb, kaufte Fletcher ihre Dreizimmersuite für 5,7 Millionen Dollar, um die beiden Liegenschaften, die ursprünglich eine gewesen waren, in ihren Urzustand zurückzuführen.

Doch das Dakota-Board, das jede Transaktion abzeichnen muss, verweigerte die Zustimmung. Knappe Begründung: Fletcher sei aus finanziellen Erwägungen unqualifiziert. Stattdessen ließ das Board die Wohnung Nr. 50 im Paket mit der Bleibe einer anderen Nachbarin erneut zum Verkauf feilbieten. Solche Tricksereien sind in New York durchaus üblich. Co-Op Boards - die über die meisten Apartmenthäuser mit Eigentumswohnungen regieren - sind berüchtigt für ihre gelegentlich auch politisch unkorrekte Eiseskälte.

Roberta Flack "erniedrigt"

Auch Fletcher, der sein Privatvermögen auf 80 Millionen Dollar beziffert und den Kaufpreis für Nr. 50 in bar gezahlt hatte, war nicht völlig überrascht: Er habe schon lange das Gefühl, dass im Dakota latenter Rassismus herrsche. "Obwohl solches Gebaren eines Co-Op Boards auf der Upper West Side von Manhattan zu Beginn des 21. Jahrhundert erstaunlich erscheinen mag", klagt Fletcher, "stand dieses Verhalten im Einklang mit der ausgiebigen Feindseligkeit gegenüber nicht-weißen Bewohnern des Gebäudes, welche die Angeklagten an den Tag legten."

Das 1884 direkt an Central Park errichtete Dakota war immer ein Symbol für Eleganz und Wohlstand - trotz seines späteren Gruselruhms. Zu den berühmtesten "residents" zählten Leonard Bernstein, Judy Garland, Judy Holliday und Rudolf Nureyev. Sollte tatsächlich etwas dran sein an Fletchers Anschuldigungen? Die Eigentümerversammlung des Dakota weist die Vorwürfe energisch zurück. "Jede Anschuldigung rassistischer Diskriminierung ist unwahr und unerhört", erklärte Board-Präsident Barnes.

Fletcher hingegen behauptet, er selbst sei nicht der alleinige Leidtragende. Auch die "einzige andere schwarze Wohnungseigentümerin" im Dakota sei erniedrigt worden. Dabei handelt es sich um die 73-jährige Soulsängerin Roberta Flack ("Killing Me Softly with His Song"), die seit Jahrzehnten neben Yoko Ono wohnt. Ihr habe das Board mehrfach verweigert, ihre Badewanne zu reparieren oder eine neue einzubauen, und John Rydzewski habe sich dann "darüber lustiggemacht".

Antonio Banderas als Junkie beschimpft

Auch müsse die legendäre Afroamerikanerin mit ihrem Hund stets im Dienstbotenaufzug fahren, während andere - weiße - Bewohner mit ihren Haustieren die regulären Lifte benutzen dürften. "Mehrere von uns sind empört darüber, wie Buddy misshandelt wird", sagte Roberta Flack jetzt selbst der "New York Times", ohne jedoch auf ihre eigenen Erlebnisse einzugehen. "Ich weiß nicht, ob es Diskriminierung ist, aber auf jeden Fall ist es unangemessen."

Fletcher schreibt außerdem, das Board habe einem reichen hispanischen Bewerber, der eine Wohnung im Erdgeschoss habe kaufen wollen, 2005 nicht mal ein Vorstellungsgespräch bewilligt. Die Begründung: Der Mann habe das Apartment nur gewählt, weil er dort "Drogen von Leuten auf der Straße kaufen" könnte. Fletcher identifiziert den Abgewiesenen nicht, enthüllt aber, dass er "mit einer prominenten, gut qualifizierten weißen Frau" verheiratet sei. Die Rede ist offensichtlich vom Hollywood-Paar Antonio Banderas und Melanie Griffith. Deren Dakota-Bewerbung wurde 2005 tatsächlich abgelehnt.

Banderas und Griffith gehören zu einer langen Liste von Dakota-Pariahs. Das Board verwehrte auch anderen Megastars den Einzug, darunter Billy Joel und Cher. Filmproduzentin Jane Rosenthal - die Partnerin von Robert De Niro - durfte dagegen rein, ebenso Morgan-Stanley-Finanzchefin Porat, eine der mächtigsten Frauen an der Wall Street, mit ihrem Mann, dem Wall-Street-Anwalt Anthony Paduano.

"Falsche Gerüchte gestreut"

Auch bei anderen war das Board offenbar nicht so wählerisch. Der Investor Jan-Dirk Paarlberg kaufte 2001 für 4,5 Millionen Dollar ein Apartment im Dakota. Bevor er einziehen konnte, wurde er in den Niederlanden wegen Betrugs und Geldwäsche zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Fletcher mit Rassismusvorwürfen Schlagzeilen macht. Er begann seine Karriere bei Bear Stearns, der alten Investmentbank, die zu Beginn der Finanzkrise untergehen sollte. Später wechselte er als Trader zum Brokerhaus Kidder Peabody. Das verklagte er 1993 wegen Diskriminierung, weil ihm die Hälfte seines Salärs versagt worden sei, und erstritt sich 1,3 Millionen Dollar, bevor er seine eigene, erfolgreiche Investmentfirma gründete. Mit der Ablehnung seines Kaufvertrags und "falschen Gerüchten", die das Dakota-Board "böswillig" über ihn streue, sieht Fletcher nun seinen Ruf an der Wall Street geschädigt. Er fordert nicht nur die Absegnung seiner Wohnungspläne, sondern auch Schmerzensgeld in Höhe von "nicht weniger als" 15 Millionen Dollar.

Ausziehen will er jedoch nicht.



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Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (5)

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Thema: "Promi-Apartmenthaus: Rassismus-Streit im legendären "Dakota""

Lene schrieb: am 8. Februar 2011 um 00:47:15
(0) (0) Promi
Es ist ein beeindruckendes Gebäude. Das es dort Rassismus geben soll, wird unter vorgehaltener Hand schon länger gemunkelt. Es ist
Zeit, dass einmal jemand ausspricht. Die obere, und die sich dafür halten, Schicht, hält wie eine Kaste zusammen. Ein Amerikaner sagte mir einmal: Wer hier nicht mindestens 7 Vorfahren auf dem Friedhof liegen hat, der gehört nicht zu uns.
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Bücherfreund schrieb: am 7. Februar 2011 um 22:27:49
(0) (0) Dakota
Als ich den Roman "One Fifth Avenue" von Candace Bushnell über ein solches Apartmenthaus gelesen habe, dachte ich, sie übertreibt.
Nun denke ich, dass das "Dakota" die Romanvorlage war. Ist wirklich seeehr lesenswert. Irgendwie ist es doch auch lustig, zu sehen, wie diese enorm reichen Leute Unsummen für ihre Luxusapartments ausgeben und dann nicht mal eine neue Badewanne einbauen können und sich über Knallerbsensträucher fetzen, die durch Maschendrahtzäune wachsen. Die Menschen sind alle gleich
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indianer schrieb: am 7. Februar 2011 um 21:35:05
(0) (0) dakota haus
bin mit der grayline am dakota haus vorbeigefahren, später auf den bildern, die ich vom building gemacht habe, bekam ich mit was
für ein berühmtes building es ist
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