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Public Eye Award: Schmähpreis für die Skrupellosen

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Schmähpreis für die Skrupellosen

18.01.2012, 08:31 Uhr | "Spiegel Online"

Barclays Bank: World Development Movement zufolge Millionen mit Agrarspekulationen verdient (Quelle: imago)

Barclays Bank: World Development Movement zufolge Millionen mit Agrarspekulationen verdient (Quelle: imago)

Der japanische Fukushima-Betreiber Tepco, die Barclays Bank und Samsung sind nominiert  für die Negativauszeichnung als "übelstes Unternehmen des Jahres". Der Antipreis wird Ende Januar verliehen. Noch kann jeder online abstimmen.

"Das meiste Geld geben wir für Nahrungsmittel aus", sagt der lateinamerikanische Bauer in dem kurzen Video. Und fügt hinzu: "Es gibt aber auch Familien, die haben nicht genug Geld." Die Sequenz stammt aus dem Film "Wie Barclays den Hunger verschärft". Entwicklungsaktivistin Amy Norton und ihre Mitstreiter werfen der viertgrößten Bank der Welt vor, skrupellose Geschäfte auf Kosten von Millionen Menschen zu betreiben. Deswegen haben sie das Finanzinstitut für den Schmähpreis Public Eye Award 2012 vorgeschlagen, über den man jetzt im Internet abstimmen kann.

Der Antipreis Public Eye Award

Am letzten Freitag im Januar dann verleihen die Schweizer Nicht-Regierungsorganisation "Erklärung von Bern" und Greenpeace den Public Eye Award an das "sozial und ökologisch unverantwortlichste Unternehmen". Die Zeremonie findet zeitgleich mit dem Weltwirtschaftsforum statt, zu dem sich Tausende Spitzenmanager und Politiker im Schweizer Skiort Davos treffen.

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"Barclays Capital ist verantwortlich für Hunger und Hungertod in Entwicklungsländern", so Amy Horton vom World Development Movement in London. Barclays gehöre zu den Pionieren der Spekulation mit Agrarrohstoffen. Die funktioniert - einfach gesagt - so: Mit Barclays Hilfe kaufen Pensionsfonds und andere Investoren Wertpapiere, die auf dem Preis von Weizen, Mais, Reis oder weiteren Lebensmitteln basieren. Dass solche Geschäfte dazu beitragen können, die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben, haben Organisationen wie Foodwatch, Oxfam, aber auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, in mehreren Untersuchungen dargelegt.

Barclays sieht das anders. "Eine beträchtliche Anzahl von Studien zeigt, dass Finanzgeschäfte wenig oder keinen Einfluss auf die Preise von Agrarrohstoffen haben", sagte eine Sprecherin der Bank gegenüber "Spiegel Online". Viel wichtiger seien Wetter, Exportbeschränkungen oder die steigende Nachfrage aus Schwellenländern wie China.

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400 Millionen Euro mit Agrarspekulation verdient

Recherchen der Weltbank zufolge wurden allein im Jahr 2010 etwa 44 Millionen Menschen weltweit durch steigende Lebensmittelkosten in die extreme Armut getrieben. Das sind vor allem Einwohner asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Staaten, die aufgrund ihrer geringen Einkommen einen großen Teil des Geldes für Grundnahrungsmittel ausgeben. Die Bürger der reichen Industriestaaten trifft die Preissteigerung bei Nahrungsmitteln nicht so stark, weil diese hier nur einen kleinen Teil der Haushaltsbudgets beanspruchen.

Weil Barclays nach Recherchen des World Development Movement 2010 über 400 Millionen Euro mit Agrarspekulation verdient hat, empfiehlt Amy Horton nun: "Wählt Barclays zum übelsten Unternehmen". Einige tausend Teilnehmer der Internetabstimmung haben das schon getan. Barclays steht derzeit auf dem Vierten Platz der Abstimmung.

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Den Spitzenplatz belegt, wenig überraschend, der japanische Atomkonzern Tepco, der die havarierten Kraftwerke von Fukushima betreibt. Nahezu stimmengleich auf den Plätzen zwei und drei: Der brasilianische Bergbaukonzern Vale und das südkoreanische Elektronikunternehmen Samsung.

Die Arbeitsrechtlerin Jeong-ok Kong hat mit ihrem Team aus Seoul Samsung für die Nominiertenliste vorgeschlagen. Sie arbeitet beim Koreanischen Institut für Arbeitssicherheit und Gesundheit. Besonders berührt hat sie der Selbstmord des Samsung-Ingenieurs Kim Ju Hyun im Januar 2011. Der 26-Jährige sprang aus dem 13. Stockwerk eines Firmenwohnheims in den Tod. Kong versuchte, die Hintergründe aufzuklären. Gegenüber "Spiegel Online" sagte sie: "Durch Chemikalien am Arbeitsplatz litt Kim an einer Hautkrankheit." Angeblich keine Seltenheit bei Samsung: Wegen teils verbotener, hochgiftiger Stoffe seien bereits 140 Arbeiter an Krebs erkrankt und mindestens 50 gestorben. Außerdem "arbeitete Kim vor seinem Suizid mehr als 12 Stunden täglich, ohne Pause am Wochenende." Deshalb habe der Ingenieur über längere Zeit seine Familie nicht besuchen können.

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Die Verantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen lastet Jeong-ok Kong dem Unternehmen an. Außerdem habe der firmeneigene Sicherheitsdienst von der Selbstmordabsicht gewusst, sich aber nicht ausreichend um den Beschäftigten gekümmert. Gegenüber "Spiegel Online" wollte Samsung keine Stellung zu den Anschuldigungen nehmen.

Was bringt der Schmähpreis überhaupt?

Der Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta dagegen beantwortete die Fragen von "Spiegel Online" ausführlich. Dem ebenfalls nominierten Schweizer Unternehmen werfen die Kritiker vor, "hochtoxische Produkte wie das Herbizid Paraquat und das Pestizid Atrazin herzustellen, die Menschen und Umwelt vergiften". Eine Sprecherin des Konzerns entgegnete: "Bestehende Risiken sind vermeidbar und stehen in keinem Verhältnis zum erreichten Beitrag zur Ernährungssicherheit."

Was bringt die Preisverleihung, die seit Jahren stattfindet, überhaupt? Beispiele dafür, dass Unternehmen Missstände als Reaktion auf die Nominierung abstellten, kann Public Eye nicht nennen. Manchmal allerdings führen öffentlichkeitswirksame Kampagnen gegen Unternehmen doch zu gewissen Erfolgen. So erhöhte der taiwanesische Foxconn-Konzern 2010 die Löhne vieler Beschäftigter in China, nachdem Kritiker die Selbstmorde mehrerer Arbeiter veröffentlicht hatten.


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