Quelle steht endgültig vor dem Aus. (Foto: ddp)Das katastrophale Aus von Quelle ist nicht nur für die rund 10.500 Beschäftigten des Fürther Unternehmens eine persönliche Tragödie. Mit Quelle sind auch weitere Jobs bei der Post-Tochter DHL in Gefahr. Zudem denken die KarstadtQuelle Versicherungen über eine Namensänderung nach.
Das Aus für das Versandhaus Quelle hat auch bei der Post-Tochter DHL personelle Konsequenzen. Es sei davon auszugehen, dass "wenige Hundert" Stellen in der DHL-Lagerhaltung betroffen seien, sagte ein Post-Sprecher in Bonn. Es sei derzeit noch zu früh, konkrete Zahlen zu einem möglichen Stellenabbau zu nennen. Damit stellte der Sprecher frühere Angaben klar, dass rund 200 bis 300 Stellen direkt betroffen seien.
Arcandor-Insolvenz kostete bereits DHL-Stellen
Von der Insolvenz des Handelsunternehmens Arcandor waren zuvor bereits 240 DHL-Stellen bei der Karstadt-Logistik in Unna und Holzwickede betroffen. DHL ist größter Logistikpartner von Arcandor und wickelte einen Großteil der Lagerhaltung und des Warentransports für Karstadt und Quelle ab. Rund 3000 DHL-Beschäftigte arbeiten in der Logistik direkt für Arcandor, davon 200 bis 300 für Quelle. Rund 1000 Post-Mitarbeiter aus dem Brief- und Paketbereich erledigen daneben auch Aufträge für Arcandor und etwa beim Versand von Katalogen und Paketen von Quelle.
Unterdessen denken auch die zur Ergo-Versicherungsgruppe gehörenden KarstadtQuelle Versicherungen (KQV) über eine Namensänderung nach. "Wir überprüfen, welche Auswirkungen die Insolvenz von Quelle auf unser Neugeschäft hat", sagte ein Sprecher. In diesem Zusammenhang stelle das Unternehmen auch seinen Namen "verstärkt auf den Prüfstand". Wann eine Entscheidung fallen soll, konnte der Sprecher noch nicht sagen.
Trotz intensiver Verhandlungen konnte bis zuletzt kein Investor für den insolventen Versandhändler Quelle gefunden werden, teilte das Mutterhaus Arcandor mit. Die Zukunft der tausenden Quelle-Mitarbeiter blieb zunächst ungewiss. Das Geld reiche, um die Oktoberlöhne zu bezahlen, sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in Fürth. Es werde dann eine "überschaubare Zahl" von Menschen geben, die bereits zum 1. November entlassen werden müssten. Genauere Angaben machte Görg aber nicht. Die Räumung der Lager wird dem Insolvenzverwalter zufolge etwa vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen. Er werde sich um einen geordneten Ausverkauf bemühen, bei dem es auch ordentliche Rabatte geben werde. Ein so großes Geschäft könne nicht wie eine "heiße Kartoffel" fallengelassen werden.
3500 Beschäftigte nicht betroffen
Er hätte sogar einen "negativen Kaufpreis akzeptiert" und den Investoren noch etwas draufgelegt, sagte Görg. Aber auch das habe die Investoren nicht mehr gelockt. Deshalb gebe es keine Alternative zur Abwicklung. Jetzt gehe es nur noch darum, mit ordentlichen Rabatten die Lager zu räumen. Das werde noch vier bis sechs Wochen dauern. Von den 10.500 Beschäftigten der Versandsparte sind lediglich 3.500 nicht betroffen, die bei dem Verkaufssender HSE24, bei den Spezialversendern wie Baby Walz oder dem Kundendienst Profectis arbeiten, wie Görgs Mitarbeiter Jörg Nerlich sagte.
Filetstücke sollen getrennt verkauft werden
Görg will die Filetstücke wie HSE24 jetzt getrennt verkaufen. Der Konkurrent Otto signalisierte bereits Interesse an den Spezialversendern und am Osteuropageschäft von Quelle. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, die Politik habe "das Menschenmögliche getan". "Aber wir können als Staat nicht an die Stelle eines Unternehmens treten."