Zittern bei Quelle geht weiter (Quelle: imago)Das insolvente Versandhaus Quelle hat seinen Antrag auf einen 50-Millionen-Euro-Massekredit von Bund und Ländern nachgebessert. Der Sprecher des Insolvenzverwalters Thomas Schulz sagte, die vom Bürgschaftsausschuss geforderten schriftlichen Ergänzungen seien inzwischen abgegeben worden. Man habe damit aus Sicht des Unternehmens alles Mögliche für eine positive Entscheidung der Bundesregierung getan. Jetzt müsse Berlin entscheiden. Ohne den dringend benötigten Kredit müsste Quelle möglicherweise schon in Kürze das Geschäft einstellen. Vorläufig geht der Betrieb aber weiter: Die Prinovis-Druckerei in Nürnberg erklärte, am Freitagabend vorläufig mit der Auslieferung des Quelle-Katalogs zu beginnen.
Der Geschäftsführer der Druckerei, Winfried Marquardt, sagte, die Auslieferung geschehe im Vertrauen darauf, dass der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik "alles daran zu setzen, den avisierten Massekredit für Quelle kurzfristig zu genehmigen". Produktion und Auslieferung des Kataloges würden termingerecht ausgeführt. Prinovis behalte sich jedoch vor, diesen Prozess kurzfristig auszusetzen, falls sich die Lage verschlechtere "oder es Signale gibt, die darauf hindeuten, dass Quelle den Massekredit nicht erhält", sagte Marquart.
Frage nach Sicherheiten noch offen
Die Bundesregierung sieht vor einer Entscheidung über einen Kredit für das insolvente Versandunternehmen Quelle weiter Klärungsbedarf. Staatliche Hilfe könne es nur geben, wenn das Ausfallrisiko überschaubar bleibe und es Sicherheiten gebe, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Unterdessen streiten Finanz- und Wirtschaftsministerium über die primäre Zuständigkeit: Während Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nun das Finanzministerium am Zug sieht, erklärte ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), es handele sich um eine "gemeinsame" Aufgabe.
Prüfungen laufen noch
Am Ende entscheide ein interministerieller Ausschuss über den Kredit, sagte der Sprecher des Finanzministeriums. Der Ausschuss sei in seiner letzten Sitzung zu dem Ergebnis gekommen, dass noch nicht alle nötigen Informationen vorlägen. Geklärt werden müsse die Frage der Sicherheiten. Zudem müsse die staatliche Kfw-Bank - wenn sie sich an dem Kredit beteilige - einen erstrangigen Zugriff auf die Sicherheiten haben. Steg ergänzte, über dieses Thema müsse man sich auch noch mit der bayerischen Staatsregierung einigen. Momentan liefen die Prüfungen. "Wenn die Bedingungen erfüllt sind, kann die Entscheidung sehr schnell fallen", sagte Steg.
Betriebsrat fordert Machtwort von Merkel
Quelle-Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel forderte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Hier muss jetzt eine Entscheidung her, und was mich wundert: Die Kanzlerin lässt sich überhaupt nicht hören und sehen", sagte Sindel. Er kritisierte im Deutschlandradio Kultur, dass Quelle zunehmend in die "Mühlen des Wahlkampfes" gerate.
Bayern und Sachsen erklären Bereitschaft
Das insolvente Versandunternehmen Quelle wartet auf einen Massekredit von 50 Millionen Euro. Bayern und Sachsen wollen bislang 25 Millionen Euro übernehmen, der Rest soll vom Bund kommen. Ein Massekredit ist eine spezielle Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können.