Druckereien stoppen Auslieferung des Quelle-Katalogs
03.07.2009, 14:27 Uhr | lgs / bab
Weitere Turbulenzen um den Quelle-Katalog (Foto: dpa)Die Lage des insolventen Versandhauses Quelle spitzt sich zu: Die Druckereien haben Produktion und Auslieferung des für das Überleben von Quelle entscheidenden Hauptkatalogs komplett gestoppt. Hintergrund sind die Befürchtungen zweier Druckereien, dass die Arbeiten nicht bezahlt werden und sie auf ihren Kosten sitzenbleiben.
"Unsere Maschinen stehen seit Mittwoch still", sagte Bernd Rose, Vorstandschef der Druckerei Schlott, die nach eigenen Angaben etwa ein Drittel der Gesamtauflage druckt, gegenüber "Focus Online". Quelle habe den Druck noch nicht bezahlt. Spätestens am Donnerstag hätte Geld da sein müssen, sagte Rose. Solange die Überweisung ausbleibe, werde der Katalog zurückgehalten. "Wir machen uns Sorgen, dass wir am Schluss doch auf unseren Rechnungen sitzen bleiben", sagte Rose.
Quelle noch nicht liquide
Quelle-Sprecher Manfred Gawlas bestätigte am Freitag, dass die Arcandor-Tochter trotz des von der Politik bewilligten Massekredits über 50 Millionen Euro noch nicht über Liquidität verfüge. Man hoffe, dass die Zahlungsfähigkeit Mitte nächster Woche wieder hergestellt sei. "Sobald wir Zugriff auf die Konten haben, werden wir in unserem eigenen Interesse die drängendsten Rechnungen bezahlen."
Lage spitzt sich zu
Der Katalog wird etwa zu einem Drittel von der Schlott-Gruppe (Freudenstadt) und zu zwei Dritteln von Prinovis (Itzehoe) produziert. Auch die mittelständische Unternehmen Print.Forum (Sinsheim) ist beteiligt. Bei Schlott stehen die Maschinen bereits seit Mittwoch still. Prinovis teilte am Freitag mit, Schlott und Print.Forum hätten einen Eigentumsvorbehalt auf von ihnen vorproduzierte Bögen geltend gemacht, die von Prinovis in Nürnberg weiterverarbeitet werden sollten. Deshalb sei Prinovis verpflichtet gewesen, Produktion und Auslieferung des Katalogs auszusetzen.
Mehrheit der Deutschen gegen Kredit
Unterdessen sprach sich eine klare Mehrheit der Bürger laut ZDF- Politbarometer gegen den 50-Millionen-Euro-Kredit von Bund und Ländern für das Versandhaus Quelle aus. 64 Prozent lehnen ihn ab und 31 Prozent finden ihn richtig, ergab die Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen bei 1206 Wahlberechtigten. Keine Angabe machten fünf Prozent. Dabei gab es laut der Forschungsgruppe wenig Unterschiede unter den Anhängern der verschiedenen politischen Parteien.