28.10.2009, 09:46 Uhr | dpa
Kritik an Vergütung: Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg (Foto: dpa)Das Millionengehalt des Quelle-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg wird zum Politikum. CDU-Wirtschaftsfachmann Laurenz Meyer fordert in der "Bild"-Zeitung eine grundsätzliche Änderung des Insolvenzrechts: "Der Gesetzgeber ist gefordert, die Anreizsysteme im Bereich der Konkursverwalter neu zu ordnen. Der Erhalt von Arbeitsplätzen muss bei der Festsetzung der Vergütung eine entscheidende Rolle spielen." Andernfalls droht laut Meyer "der Berufsstand des Insolvenzverwalters endgültig in Misskredit zu geraten".
Nach bisheriger Rechtslage errechnet sich die Vergütung des Verwalters aus der Masse, die er für die Gläubiger durch Verkäufe und Sanierung noch aus dem Konkurs-Unternehmen herausbekommt. Allein durch den Verkauf des Touristik-Konzerns Thomas Cook, der zur Arcandor-Gruppe (ehemals Karstadt/Quelle) gehörte, dürfte Görg mit einer Vergütung von bis zu 15 Millionen Euro rechnen. In der vergangenen Woche hatte Görg das Ende des Versandhändlers Quelle und das voraussichtliche Wegfallen von 7000 Arbeitsplätzen verkündet.
Der Insolvenzrechts-Experte Prof. Hans Haarmeyer hat nach dem Quelle-Aus scharfe Kritik an den Insolvenzverwaltern in Deutschland geübt. Dem Anspruch, ein Unternehmen zu sanieren, werde nur ein kleiner Teil der Verwalter gerecht, sagte Haarmeyer der "Nürnberger Zeitung". Viele gingen den Weg, mit wenig Aufwand und wenig Risiko schnell viel Geld zu verdienen. "Sie wickeln einfach ab."
In Deutschland gebe es 2000 Insolvenzverwalter. "Doch niemand geht der Frage nach, was die mit dem Geld anderer Leute machen." Es gebe weder ein Auswahlverfahren noch eine Kontrolle, monierte der Professor für Insolvenz-, Wirtschafts- und Privatrecht am RheinAhrCampus in Remagen. "70 Prozent der Insolvenzmasse also des Firmenvermögens geht hierzulande für die Vergütung des Insolvenzverwalters und für die Gerichtskosten drauf. Das ist ein Systemfehler."
Die Zulassung für Insolvenzverwalter müsse strenger reglementiert werden. Auch die Gläubiger müssten Einfluss auf die Auswahl bekommen. "Wir haben von vornherein zu 95 Prozent die falschen Leute, nämlich Juristen. Stattdessen brauchen wir Unternehmensexperten", forderte Haarmeyer. Quelle-Insolvenzverwalter Görg nahm er jedoch in Schutz. Dieser habe einen extrem engen Zeitrahmen gehabt. "Ich glaube, dass die Insolvenz von Quelle eine Konsequenz aus jahrelangem Missmanagement war", sagte Haarmeyer. "Der Insolvenzverwalter konnte nicht mehr viel ausrichten."
Die Gewerkschaft Ver.di und der Insolvenzverwalter von Karstadt beginnen unterdessen am heutigen Mittwoch ihre Verhandlungen über einen Arbeitnehmerbeitrag zur Sanierung der Warenhauskette. Insolvenzverwalter Görg verlangt von den 28.000 Beschäftigten insgesamt 150 Millionen Euro über drei Jahre verteilt. Ver.di will allerdings keine Gehaltsabstriche zulassen. Infrage kommen Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Mehrarbeit oder andere Einschnitte. Vor den Verhandlungen hatten Gewerkschaft und die Betriebsräte am Dienstag ihre Marschroute besprochen. Sie wollen sichergehen, dass Zugeständnisse im Falle einer Liquidierung von Karstadt für die Beschäftigten nicht verloren sind. Ort und Beginn der Gespräche sind geheim.
Quelle: dpa , t-online.de
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