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Quelle schafft Comeback im Internet

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Quelles virtuelle Wiederauferstehung

25.12.2011, 16:23 Uhr | Financial Times Deutschland

Comeback von Quelle im Internet (Quelle: dapd)

Quelle ist wieder da (Quelle: dapd)

Quelle war für Generationen der Versandhändler Nummer eins und ging dann pleite. Ein paar junge Leute haben die Marke als virtuelles Unternehmen wiederbelebt - und werden von den treuesten Kunden freudig begrüßt.

Vom Giganten zum kleinen Startup

Kurz bevor die alte Quelle ihr Leben aushauchte, zeigte sie noch einmal all ihre Gigantomanie. In einer riesigen Halle in einem riesigen Gebäude in Nürnberg stand ein alter Mann und listete Zahlen auf: 250.000 Quadratmeter Fläche allein am Stammsitz, sechs Millionen Kunden, um die 10.000 Angestellte. Es werde "schmerzhaft" werden, sagte der Mann, Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Bald danach kam das Ende des Kolosses, der für die Versorgung von halb Nachkriegsdeutschland mit Sonntagskleidern, Waschmaschinen, Nierentischen und Schrankwänden verantwortlich war.

Als die neue Quelle im Spätsommer dieses Jahres ihre Arbeit aufnahm, war da eine halbe Hamburger Büroetage mit einer Kaffeeküche, in der mittags eine Handvoll Mitarbeiter und Praktikanten ihre Brotdosen auspacken. Nichts, absolut gar nichts ist übrig. Der Standort nicht, die Angestellten nicht, das Geschäftsmodell nicht, Kataloge sowieso nicht mehr.

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Testlabor für den Internet-Handel

"Eigener Standort, eigenes Team, eigener Spirit, das war mir wichtig", sagt Tim von Törne. Er führt unter dem Namen des einstigen Traditionsunternehmens ein Internet-Startup, bei dem Welten aufeinanderprallen wie sonst selten: Von Törnes Quelle ist ein Testlabor für eine relativ neue Idee. Und gleichzeitig eine Projektionsfläche für treue Quelle-Kunden.

Seit sich hinter dem Namen Quelle wieder irgendwelches Leben verbirgt, kommt es deshalb zu Begegnungen wie der zwischen von Törnes junger Truppe und Herrn T.: Der schickte kürzlich eine handgefertigte Skizze seiner angejahrten Nähmaschine und bestellte auf einem zweiten Blatt feinsäuberlich mit Füllfederhalter das auf der Skizze markierte Teil, das wahrscheinlich beim Umzug abhanden gekommen sei. Es gibt auch Briefe aus Namibia und dem Irak. Kunden basteln liebevolle Dekoration für das karg eingerichtete Callcenter. Von Törne glaubt: "Wir sind in der Situation, dass wir Vertrauen verspielen können, aber wir müssen es uns nicht erarbeiten."

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Waschmaschinen verkaufen sich am besten

Dass daraus ein Geschäft wird, dagegen schon. Zwei Jahre nachdem die alte Quelle ihre letzten Päckchen verschickt hat, ist vom Milliardengeschäft nichts geblieben. Die neuen Leute verschweigen die Zahlen, aber die Menge der täglich eingehenden Bestellungen ist so klein, dass sie bisher noch von Monat zu Monat um 100 Prozent gesteigert werden. Die tägliche Besucherzahl immerhin ist fünfstellig, eine Million Artikel werden angeboten; am besten verkaufen sich Waschmaschinen, wie überhaupt 60 Prozent des Umsatzes auf Elektrogeräte entfallen und 40 Prozent auf Möbel.

"Die Kunden kaufen bei uns klassische Quelle-Sortimente", sagt von Törne. Was noch fehlt: Kleidung. Ob sie je wieder angeboten wird, weiß nicht einmal von Törne selbst. Denn in nächster Zeit steht erst mal Feinarbeit am Sortiment an. Die Einbindung von Dienstleistungen. Und etwas Werbung.

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Marktforschung für Otto

Von Törne sagt: "Wir sind die Forschungsgruppe Marktplatz für unseren Gesellschafter Otto." Ausgerechnet der größte Quelle-Konkurrent, der Hamburger Versender Otto, hatte die Reste von Quelle übernommen: einen Teil der Ware aus dem Lager, der längst weiterverkauft ist, Quelle-Haushaltsgerätemarke Privileg und den Markennamen Quelle an sich.

Unter dem Namen testen sie nun ein Geschäftsmodell irgendwo zwischen Amazon und Ebay , an das sich Otto auf seiner eigenen Plattform bisher nur in Ansätzen traut: Quelle tritt dabei nicht mehr als Händler auf, sondern wie Ebay als reine Plattform, auf der andere ihre Waren anbieten können. Der Unterschied zu Ebay: Bei Quelle gibt es keine Auktionen, sondern Festpreise wie bei Amazon.

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Nur Neuware bei Quelle

Der Unterschied zu Amazon: Quelle verkauft im Gegensatz zum weltweit größten Onlinehändler gar nichts mehr selbst. Was Quelle von beiden unterscheidet: Es gibt nur Neuware von professionellen Händlern, nichts Gebrauchtes von Gelegenheitsverkäufern. Einnahmequelle ist die Vermittlungsprovision. Die Erfahrungen interessieren die Otto-Konzernvorstände Rainer Hillebrand und Michael Heller.

Lange alimentieren wollen sie ihre Forschungsstation aber nicht. "Jeder, der langfristig im Markt bleiben will, braucht eine gewisse Größe", sagt von Törne. Spätestens übernächstes Jahr soll ein dreistelliger Millionen-Euro-Betrag umgesetzt werden. An alte Quelle-Tage wird die Firma dennoch nie mehr anknüpfen: "Viel größer als diese Etage hier wird die Firma nicht werden." Denn eins ist klar: Quelle ist ein virtuelles Unternehmen. Und das soll so bleiben.


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Kommentare (26)

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Thema: "Quelle schafft Comeback im Internet"

FontaneBay schrieb: am 25. Dezember 2011 um 19:31:13
(121) (26) Otto, der größte Lügner in der Versandhausgeschichte.
EIn paar junge Leute ?????????????? Seit wann ist das Imperium des Otto-Konzerns
"Ein paar junge Leute" ??? In diesem Zusammenhang ist das genauso kriminell verlogen wie die Quelle Liquidirung durch den Quelle-Insolvenz-Verwalter Görg. Man munkelt er hätte doppelt abkassiert, denn er soll auch extra von Otto bezahlt worden sein, da er Quelle an Otto verschachert haben soll. Schon lange können Händler bei ebay virtuell verkaufen und Mediamarkt kommt auch. Otto verschwindet nach Russland!!
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Henriette schrieb: am 25. Dezember 2011 um 19:23:27
(73) (19) Quelle
Ich vermisse das schöne Quelle-Kaufhaus in Berlin in der Wilmersdorfer Straße heute noch. Was habe ich da alles gekauft und war
immer sehr zufrieden.Ich wünsche für einen Neustart, wie immer auch geartet, ganz viel Erfolg.
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Amira schrieb: am 25. Dezember 2011 um 19:21:33
(63) (22) Quelle
Auf diese Weise kann die Otto Gruppe neue Kunden an Land ziehen und gegebenenfalls gut laufende Produkte den kleinen Händlern abjagen
weil sie ja anhand der Umsatzzahlen sehen können, was gut läuft! @Ich: Hermes ist ein guter Paketdienst. Er hat meinen Kunden im letzten Vierteljahr sämtliche Pakete innerhalb von 3 Tagen zugestellt ohne einen einzigen Fehler. Ich wünschte, dass wäre auch bei der Deutschen Post so. Aber nein, ich bekomme die Briefe von Nachbarn eingeworfen und umgekehrt.
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