08.12.2010, 12:01 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Tokio ist die teuerste Stadt für ausländische Mitarbeiter. (Foto: imago)
Ein attraktiver Standort kann den Job in einem fremden Land versüßen. Doch wo lebt es sich für ausländische Arbeitnehmer am besten? Und was kostet das die Firma? Eine Studie listet die Lebenshaltungskosten weltweit auf.
Die teuerste Stadt der Welt ist Tokio - wenn man die Lebenshaltungskosten für ausländische Beschäftigte auswertet. Das zeigt die aktuelle Studie des Personalberaters ECA International. Demnach ist Japan insgesamt ein kostspieliger Standort: Unter den fünf teuersten Städten weltweit finden sich weitere drei japanische Arbeitsorte: Nagoya, Yokohama und Kobe. Der bisher teuerste Standort Luanda (Angola) rutschte in diesem Jahr auf Platz zwei.
Interessanter für hiesige Unternehmen ist häufig jedoch die Preisentwicklung in Europa. Derzeit macht der Euro die Lebenshaltung in vielen Städten für ausländische Manager günstiger. Dennoch reiht sich Oslo auf Platz sechs im weltweiten Ranking ganz vorn ein. Kostspielig bleiben auch Zürich und Genf. In Kopenhagen - in Europa im vergangenen Jahr noch die Nummer zwei unter den teuersten Städten - verbilligten sich die Lebenshaltungskosten.
"Der geschwächte Euro führt dazu, dass es für Unternehmen billiger wird, Mitarbeiter in die Eurozone zu entsenden", sagt Susanne Grimm von ECA International. "Geringere Zuschläge reichen hier aus, um dem entsendeten Mitarbeiter - dem Expatriate - einen guten Lebensstandard zu ermöglichen. Auf der anderen Seite muss dadurch beispielsweise ein Unternehmen aus München, das einen Mitarbeiter nach Hongkong entsendet, höhere Zuschläge bezahlen als noch im vergangenen Jahr. Damals war die bayerische Landeshauptstadt noch acht Prozent teuerer als Hongkong, heutzutage hat sich dieses Verhältnis nahezu umgedreht."
Der vergleichsweise starke Rubel sorgt in diesem Jahr dafür, dass auch Moskau und die russischen Städte wieder teurer werden. Die Schweiz bleibt ein exklusiver Standort. Paris und London liegen innerhalb Europas an Platz zehn beziehungsweise Platz 20, weltweit an 24. beziehungsweise 50. Stelle. Die billigsten europäischen Standorte sind Belgrad, Minsk in Weißrussland und das moldawische Kischinau.
Berlin als teuerstes deutsches Pflaster fiel von Platz 19 im Vorjahr auf den 40. Rang. Auch München, Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Bonn präsentieren sich nun attraktiver für Expatriates, da man hier nicht mehr ganz so teuer einkauft. So sind beispielsweise Elektrogeräte wie Flachbildfernseher 2010 im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel billiger zu haben. Auch Fleisch und Rotwein kosten weniger, während Pasta und Gemüse in Deutschland preislich zugelegt hat, zeigt der Warenkorb. Beim Bier zum Steak kann man ebenfalls sparen: minus vier Prozent pro Flasche. Und weibliche Expatriates können hierzulande für weniger Geld als im vergangenen Jahr Kleidung kaufen.
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Quelle: FTD
Asiatische Standorte offerieren den Unternehmen weiter lukratives Exportpotenzial, bleiben der Studie zufolge aber auch außerhalb Japans teuer. Das südkoreanische Seoul macht einen Sprung in der Rangliste nach vorn - von Platz 56 auf Platz 22. Auch Singapur kletterte innerhalb der vergangenen zwölf Monate kräftig - vom 79. auf den 42. Rang. Ähnlich sieht die Situation in Bangkok und Jakarta aus, die sich in der Reihenfolge Teuer-Reihenfolge nach oben katapultierten.
Auch Australien scheint nicht mehr günstig. Sydney - 2009 noch auf Platz 157 - rangiert nun an 25. Stelle. Der starke australische Dollar und der steigende Kupferpreis lassen die Lebenshaltungskosten hier deutlich ungünstiger als im Vorjahr erscheinen. Auch in der Hauptstadt Canberra lebt es sich nicht mehr besonders preisgünstig.
Wer die Expansion nach Südamerika plant, sollte für seine Mitarbeiter nicht den Standort Caracas wählen. Die Hauptstadt Venezuelas ist für Entsendete der hochpreisigste Standort weit und breit. Schuld daran sind die hohe Inflation und die Währungspolitik von Präsident Hugo Chavez. Auch brasilianische Großstädte bieten sich wegen der hohen Kriminalität und ungünstiger Lebenshaltung nicht als Lebensmittelpunkt für Mitarbeiter an: Rio de Janeiro und Sao Paolo sind unter den teuersten Städten weltweit an Platz 19 und 26 vertreten. Erst dahinter rangieren die nordamerikanischen Standorte Manhattan (28) und Ottawa (53).
Auf dem afrikanischen Kontinent können außer Luanda auch die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa, und die Hauptstadt von Gabun, Libreville, nicht als attraktive Standorte punkten. Sie sind wegen der meistenteils importierten Waren und Dienstleistungen sehr teuer. Zudem fehlt es vielerorts an Infrastruktur. Besonders günstig lässt es sich hingegen in Maseru, der Hauptstadt von Lesotho, leben. Maseru ist rund zwei Drittel günstiger als beispielsweise der Teuer-Standort Luanda und damit die günstigste Stadt des weltweiten Rankings.
Im Nahen Osten sind die Lebenshaltungskosten in Tel Aviv in Israel (18.) am höchsten; Dschidda in Saudi Arabien belegt in der Region den letzten Platz (223.).
Die Experten von ECA International raten Unternehmern dazu, neben der Sicherheitslage und Produktionsbedingungen bei der Entsendung von Mitarbeitern vor allem Inflationsraten im Blick zu haben: "Da Inflation ein Dauerthema ist, sollten Unternehmen klären, ob die Zuschläge, die sie zahlen, ausreichend sind", so Expertin Grimm. "Allerdings unterscheiden sich die Konsummuster von Expatriates und Einheimischen natürlich, und die Inflationsraten basieren auf den Konsumgewohnheiten der Einheimischen. In Entwicklungsländern trifft damit eine Teuerung von Basisgütern die - eher gut verdienenden - Expatriates weniger als Angestellte mit einem niedrigen Einkommen."
ECA International ermittelt zweimal jährlich die Lebenshaltungskosten für Manager an 400 Standorten in der ganzen Welt. Verglichen werden Lebensmittel und Waren des Grundbedarfs sowie Kosten für Kleidung, Elektrogeräte oder die Autonutzung. Angenommen wird ein internationaler Lebensstil. Nicht eingeflossen sind Fixkosten wie Gas, Wasser, Strom, Miete und Schulgelder, die häufig separat vergütet werden. Die Resultate der Studie werden häufig von multinationalen Unternehmen verwendet, um Gehälter für ihre ins Ausland entsendeten Mitarbeiter adäquat anzupassen.
Quelle: Financial Times Deutschland
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