20.09.2010, 11:55 Uhr | t-online.de, Verivox
Verbraucher entscheiden sich immer häufiger für so genannte Ökotarife bei Gas und Strom. Doch nicht immer ist auch Öko drin, wo Öko drauf steht. Wir erklären, worauf die Kunden bei diesen Tarifen achten müssen.
Der Bezug von Ökostrom ändert zunächst nichts am Strom, der aus der Steckdose kommt. Der ökologische Beitrag von Ökostromkunden besteht aber darin, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamtmenge des produzierten Stroms beständig wächst und weiter ausgebaut wird. Wie sich der Energiemix beeinflussen lässt, zeigt eine interaktive Grafik von Nordstrom: Der gesamte erzeugte Strom fließt in einen virtuellen See, aus dem der Verbraucher seine Energie abzapft. Je höher der Anteil der regenerativen Energien - der sich über einen Schieberegler unterhalb verändern lässt - desto sauberer wird der Stromsee und desto mehr "schmutzige" Kraftwerke verschwinden von seinen Ufern.
Gütesiegel und Zertifikate für Ökostrom sollen dem Verbraucher helfen, Qualität, Zusammensetzung und Herkunft der Elektrizität zu überprüfen, die er bezieht. Zertifikate bescheinigen beispielsweise, dass es sich um Strom aus Wasserkraftwerken in Norwegen handelt. Gütesiegel können etwas darüber aussagen, ob der Produzent in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investiert oder nicht.
Der größte Teil von Ökostromprodukten mit Gütesiegeln wurde von einem Technischen Überwachungsverein (TÜV) zertifiziert. Nach den Basiskriterien des TÜV muss der Strom dabei zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Ein Anteil von maximal 50 Prozent des Stromes darf aus umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) stammen. Der TÜV Nord zertifiziert nach den genannten Kriterien. Der TÜV Süd bietet hingegen Gütesiegel an, die von diesen Vorgaben zum Teil abweichen.
Das Gütesiegel "ok power" wird vom Öko-Institut e.V. in Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vergeben. Im Mittelpunkt der Vergabekriterien des Gütesiegels steht die Garantie, dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu einem zusätzlichen Umweltnutzen führen. Das ist dann gegeben, wenn die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien unabhängig von der staatlichen Förderung steigt. Das Gütesiegel wird für zwei verschiedene Modelle vergeben: Beim Händlermodell wird der Kunde mit Strom aus Erneuerbaren Energien und aus gasbefeuerten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen beliefert. Bei dem Fondsmodell wird der Kunde sogar zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien beliefert.
Der Grüner Strom Label e.V. wurde von verschiedenen Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder sind u.a. der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund der Energieverbraucher sowie EUROSOLAR. Das Gütesiegel "Grüner Strom Label" gilt als das strengste Ökostromgütesiegel. Die Kennzeichnung gibt es laut Verivox derzeit in den Ausführungen Silber und Gold. Das am weitesten verbreitete Gold-Label erlaubt ausschließlich erneuerbare Energiequellen oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen ohne fossile Brennstoffe als Energiequellen.
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Die Landesgewerbeanstalt Bayern hat ein eigenes Gütesiegel für grünen Strom geschaffen. Zwei Ausführungen des Gütesiegels werden vergeben. Für die Vergabe des Gütesiegels "Öko-Strom regenerativ" muss die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Wasserkraft, Biogas, Sonnenenergie und Geothermie erfolgen. Das Gütesiegel "Öko-Strom effektiv" kann vergeben werden, wenn mindestens 25 Prozent der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien stammen, die restliche Strommenge muss mittels Kraft-Wärme-Koppelung erzeugt werden. Die zertifizierten Versorger müssen zudem erkennen lassen, dass sie entsprechend der Nachfrage in den Ausbau von erneuerbaren Energien investieren.
Zu den gängigen Zertifikaten zählt auch das RECS-Zertifikat (Renewable Energy Certificate System). Das ist allerdings nicht ganz unumstritten. Laut Christof Timpe, der beim Öko-Institut die Regeln für das deutsche RECS-System überwacht, stellen diese Zertifikate einen zuverlässige Nachweise für die Herkunft von Strom aus Erneuerbaren Energien dar. Verbraucherschützer werfen laut Verivox RECS vor, Atom- oder Kohlestrom als Ökostrom auf legalem Wege umzuetikettieren und so eine Täuschung der Verbraucher in Kauf zu nehmen.
Auch beim Erdgas werden Tarife als "Ökogas" oder "Biogas" bezeichnet, um umweltbewusste Verbraucher anzulocken. Hierbei sorgen die Gasanbieter für CO2-Neutralität, indem sie Emissionszertifikate kaufen, die die entstandene CO2-Belastung ausgleichen sollen. Gelegentlich werden auch Klimaprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziert.
Biogas stammt dagegen aus der Vergärung regenerativer Materialen wie Abfall, Dünger oder Energiepflanzen. Biogas besitzt ebenso wie klassisches Erdgas, das meistens gemeinsam mit Erdöl gefördert wird, einen hohen Anteil Methan, das entweder zur Stromerzeugung oder direkt zum Heizen genutzt werden kann. Kritiker monieren, dass auch Dünger und Gülle aus der Massentierhaltung für die Erzeugung von Biogas eingesetzt werden, was dem ökologischen Grundgedanken regenerativer Energien widerspreche.
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Quelle: Verivox , t-online.de
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