Reallöhne sinken wegen Kurzarbeit und fehlender Boni
22.09.2009, 10:06 Uhr | AP, AFP
Bei einigen ist weniger in der Lohntüte drin (Foto: imago)Die drastische Ausweitung der Kurzarbeit und ausbleibende Bonuszahlungen in der Finanzbranche haben im zweiten Quartal für einen Rückgang der Reallöhne in Deutschland gesorgt. Der Durchschnittslohn sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Metallbranche schmiert ab
Allerdings gab es nur in wenigen, dafür aber bedeutenden Branchen einen Rückgang der Löhne. Die Bruttomonatsverdienste ohne Sonderzahlungen stiegen insgesamt sogar um 0,9 Prozent. Ein deutliches Minus von fünf Prozent gab es im verarbeitenden Gewerbe. In der Metallbranche rutschten die Verdienste um 12 und in der Autoindustrie um 8,8 Prozent ab.
Bankangestellte bekommen fast ein Viertel weniger
Weniger Gehalt, nämlich 4,1 Prozent, bekamen auch Angestellte von Banken und Versicherungen. In dieser Branche gingen die Sonderzahlungen wegen der Finanzkrise um 21 Prozent zurück. Im zweiten Quartal machten die Boni noch 20 Prozent der Gesamtvergütung aus, im Vorjahresquartal waren es 24,4 Prozent.
Kurzarbeitergeld nicht eingerechnet
Allerdings bedeuten die Zahlen nicht automatisch derart hohe Verluste für Arbeitnehmer, weil die Verdienstausfälle teilweise vom staatlichen Kurzarbeitergeld ausgeglichen werden, das in der Statistik nicht berücksichtigt wird. Diese Lohnsubvention wird bis zu zwei Jahre gezahlt.
Meiste Branchen mit Lohnplus
In den meisten Branchen erhöhten sich die Verdienste. So konnten sich Beschäftigte im Bereich Erziehung und Unterricht über fünf Prozent höhere Löhne freuen. Auch im Bereich öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung gab es ein Plus, und zwar von 3,2 Prozent. Zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede in der Bezahlung. Mit 4171 Euro fällt sie im Energiesektor am höchsten aus, in der Informations- und Kommunikationsbranche sind es 4162 Euro. Dagegen bekommen Arbeitnehmer im Gastgewerbe 1885 Euro.
Rentengarantie könnte greifen
Sollten sich die Nominallöhne auch im Gesamtjahr unter dem Strich negativ entwickeln, müsste die Rentengarantie der Bundesregierung greifen. Diese soll das Sinken des Rentenniveaus verhindern, die an die Lohnentwicklung gekoppelt ist. Die Bundesregierung hatte die Rentengarantie zwar beschlossen, ging aber bisher davon aus, dass die Löhne unter dem Strich nicht sinken werden.
Fallende Preise sorgen für Dämpfung der Lohnabschläge
Das Lohnminus im zweiten Quartal wäre noch stärker ausgefallen, wenn die Inflationsrate nicht mit 0,3 Prozent relativ niedrig gelegen hätte. Bei der Lohnentwicklung werden die Reallöhne gemessen. Es wird also eingerechnet, was sich ein Beschäftigter angesichts des Preisniveaus von seinem Lohn tatsächlich leisten kann.