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Regierung kippt Atomsteuer

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Regierung kippt Atomsteuer

25.05.2011, 09:26 Uhr | Financial Times Deutschland

Qualmende Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld in Unterfranken  (Foto: imago) (Quelle: imago)

Qualmende Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld in Unterfranken (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Koalition will die Atomkonzerne mit einer Streichung der Brennelementesteuer besänftigen. "Es läuft alles auf eine Abschaffung hinaus", hieß es in Koalitionskreisen. Ähnlich äußerten sich hochrangige Regierungsvertreter. Zur Begründung sagten sie, die Konzerne könnten sonst nicht mehr in alternative Energiequellen investieren. Das Finanzministerium, das im April sogar eine Erhöhung der Steuer geprüft hatte, verwies nur auf "noch laufende Gespräche". Bislang hatte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stets gegen größere Einnahmeausfälle im Zuge der Energiewende gesperrt.

Verzicht auf Klagen für Steuererleichterung

Der Erlass ist Teil eines möglichen informellen Geschäfts: Die Regierung verzichtet auf die Steuereinnahmen, die Konzerne akzeptieren die Verkürzung der Atomlaufzeiten und sehen von Klagen ab. Zudem könnten sie in die Energiewende investieren. So müssen in Deutschland zahlreiche moderne Gaskraftwerke entstehen, damit die Atommeiler schnell abgeschaltet werden können.

Koalition riskiert Glaubwürdigkeit

Durch den Steuererlass riskiert die Koalition allerdings ihre Glaubwürdigkeit. Begründen will sie ihn Regierungskreisen zufolge damit, dass die Steuer nur die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke abschöpfen sollte, nun aber kürzere Laufzeiten angestrebt werden. Allerdings hatte die Regierung noch im Herbst 2010 großen Wert auf die Feststellung gelegt, beides habe nichts miteinander zu tun.

Steuereinahmen für Sanierung des Atommülllagers gedacht

In der Gesetzesbegründung heißt es, die Steuereinnahmen sollten zur Sanierung des maroden Atommülllagers Asse verwendet werden. An den Kosten, die auf mehrere Milliarden Euro geschätzt werden, hat sich durch die Energiewende nichts geändert.

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1,5 Milliarden an Steuereinahmen

Die Kernbrennstoffsteuer, wie sie offiziell heißt, sollte ursprünglich 2,3 Milliarden Euro für den Bundeshaushalt einbringen. Ohne die acht Meiler, die wegen des Atom-Moratoriums für vorerst drei Monate abgeschaltet sind, kämen noch bis zu 1,5 Milliarden Euro zusammen.

Steuer belastet Verbraucher nicht

Da die Steuer direkt auf die Brennelemente erhoben wird, belastet sie nur den Gewinn der Betreiber. Auswirkungen auf den Strompreis sind laut Gesetzesbegründung "kaum zu erwarten", weil die Kosten für Atomstrom immer noch deutlich geringer sind als der Börsenpreis.

Atomenergie: Atomkraftwerke in Deutschland und ihre Laufzeiten
6 Bilder von 12

Energiekonzerne beklagen sich über die neue Steuer

Die Energiekonzerne klagen seit Monaten über die neue Steuer. Die Regierung hat das offenbar beeindruckt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) deutete bereits vor zwei Wochen eine Entlastung an: Die wirtschaftliche Lage der Energieversorger sei "nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten", sagte sie der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Regierung habe Interesse an "erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern".

Noch kein Cent an Steuern entrichtet

Tatsächlich entrichtet haben die Kraftwerksbetreiber noch keinen Cent: Das Steuergesetz trat zwar zu Jahresbeginn in Kraft, Zahlungen werden aber erst mit dem ersten Wechsel der Brennelemente fällig. Dieser findet derzeit im E.ON-Kraftwerk Grafenrheinfeld statt. E.ON hält sich eine Klage gegen die Steuer ausdrücklich offen. Das Unternehmen wollte sich nicht zum Thema äußern.

SPD geißelt "Kuhhandel"

Politisch könnte der Steuererlass zum Bumerang für die Koalition werden, die einen Energiekonsens mit der Opposition anstrebt. Die SPD machte deutlich, dass sie das Vorhaben als Anlass für Attacken nutzen würde. "Da machen wir nicht mit", sagte der Chef der SPD-Energiekommission und hessische Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel  der "Financial Times Deutschland". "Nach dem Deal vom letzten Herbst, in dem es Laufzeitverlängerung gegen Geld gab, wäre das der zweite inakzeptable Kuhhandel dieser Bundesregierung."


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Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (98)

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Thema: "Regierung kippt Atomsteuer"

Irmii schrieb: am 25. Mai 2011 um 10:23:23
(0) (0) Lobby-Regierung
Wofür ist unsere Regierung noch zuständig wenn Profitgier der Grosskonzerne und Brüssel das Geschehen der Politik
bestimmen und unsere zu allem ja und amen sagen???
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ich schrieb: am 25. Mai 2011 um 10:16:22
(0) (0) Schon immer gesagt
Ich habe schon immer gesagt, dass nicht mehr in Regenerative investiert wird, wenn man Gewinne unverschämt
"abschöpft". Wenn man der Hysterie der Presse glaubt, dann kommt eben später das böse Erwachen.
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kein Biwäkler schrieb: am 25. Mai 2011 um 10:15:08
(0) (0) Regierung kippt Atomsteuer
Wieso gibt Schäuble vor, daß er Einnahmeausfälle hätte? Die Spritsteuer ist hoch und das Theater des
Kartellamtes nicht minder. Die nächste Erhöhung der Mehrwertssteuer steht mit allerlei faulen Begründungen vor der Haustüre. Wer den Geburtstag eines Bankier im Kanzleramt feiert, vespert ganz unbewegt auch mit der Energiewirtschaft beim Wandern. Und ob sich die Gewerkschaft abends auf der Hütte nicht dazu gesellt, so überrascht wäre ich da nicht!
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