Wolken über dem Hamburger Hafen - Immer mehr düstere Konjunkturprognosen (Quelle: dpa)Die Bundesregierung will ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr offenbar deutlich zurücknehmen. Das schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Demnach geht das Bundeswirtschaftsministerium intern davon aus, dass die Wirtschaftsentwicklung sich deutlich verschlechtert und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um vier bis 4,5 Prozent sinkt.
Damit würde der Einbruch fast doppelt so stark ausfallen wie bisher angenommen. Im Januar hatte das Wirtschaftsministerium für 2009 noch einen BIP-Rückgang um 2,25 Prozent vorausgesagt. Bei der Prognose sei aber ein leichtes Wachstum im vierten Quartal unterstellt worden. Eine solche Entwicklung sei aber nun sehr unwahrscheinlich, hieß es laut Zeitung. Die Bundesregierung legt ihre neue Konjunkturprognose Ende April vor.
Einschwenken auf Prognosen der Experten
Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) Wirtschaftsexperten noch für ihre düsteren Prognosen gerügt. So hatte Steinbrück namentlich den Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, dafür kritisiert, dass dieser ein Minus von fünf Prozent vorhersagte. Mit ihrer eigenen internen Prognose ist die Regierung von diesem Wert aber anscheinend nur noch einen Wimpernschlag entfernt. Außerdem hatte Steinbrück am gleichen Tag zugeben müssen, dass auch die Regierung ihre alte Prognose von 2,25 Prozent Minus vermutlich nicht werde halten können.
Commerzbank rechnet mit bis zu sieben Prozent Minus
Angesichts dramatisch schlechter Daten haben weitere Konjunkturexperten düstere Prognosen bekanntgegeben. So erwartet die Commerzbank einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um bis zu sieben Prozent. Wirtschaftsforschungsinstitute revidierten ebenfalls ihre Prognosen nach unten. Die Experten rechnen mit der schärfsten Rezession in der Nachkriegszeit und bis Jahresende mehr als vier Millionen Arbeitslosen. Das Gros der Schätzungen von Wirtschaftsforschungsinstituten liegt derzeit bei minus vier bis fünf Prozent für das laufende Jahr.
Schrumpfende Wirtschaft sorgt für Steuerausfälle
Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Otto Fricke, warnte derweil vor zusätzlichen Milliardenlöchern im Bundeshaushalt. "Sollte ein absolutes Negativszenario von minus sieben Prozent Wachstum eintreten, drohen allein dem Bund weitere Steuer- und Abgabenausfälle von mehr als 21 Milliarden Euro", sagte der FDP-Politiker der "Passauer Neuen Presse".