Opel sieht eigene Situation unverändert (Foto: Reuters)Mit dem vorläufigen Scheitern des Milliarden-Rettungspakets für die US-Autoindustrie ist der deutsche Traditionshersteller Opel wieder ein Stück näher an den Abgrund gerollt. Die Rüsselsheimer bemühen sich unterdessen weiter um einen Rettungsschirm der Regierung von bis zu 1,8 Milliarden Euro. Sollte der deutsche Autobauer keine Hilfen erhalten, droht das Unternehmen mit seinen 25.700 Beschäftigten von der schwerkranken Mutter General Motors mit in die Pleite gerissen zu werden. Während Betriebsrat und IG Metall nun Mitarbeiterbeteiligungen als Gegenleistung für Lohnverzicht in den europäischen Werken verlangen, sehen Experten die Zukunft der Marke mit dem Blitz irgendwo zwischen ungewiss und rabenschwarz.
Für die pessimistische Sicht steht Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, der ohne staatliche Milliardenhilfen eine Insolvenz von General Motors "vor oder kurz nach Weihnachten" erwartet. Ein halbes Jahr später werde Opel folgen, die Bürgschaft sei wirkungslos, urteilt der Fachmann. Gegen einen Abfluss der Steuergelder in die USA könne man sich nicht schützen, warnt der Leiter des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.
Analyst: "Es entstünde ein sehr negativer Strudel"
Auch der Auto-Analyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg hält ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz bei GM bis zum Jahresende für wahrscheinlich. Neben den weitreichenden Konsequenzen für die Zulieferer, die ihre Forderungen abschreiben müssten, wäre ein Verfahren nach Chapter 11 ein verheerendes Signal an die Autokäufer, sagt Biller. Das Verfahren führe zwar nicht zwangsläufig zum Aus von GM, bedrohe aber seine Marktposition außerordentlich. "Es entstünde ein sehr negativer Strudel".
Opel will gegen Dudenhöffer juristisch vorgehen
Opel will unterdessen juristisch gegen den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vorgehen. Es sei nicht mehr tragbar, was Dudenhöffer über das Unternehmen verbreite, ohne die internen Zahlen zu kennen, sagte ein Unternehmenssprecher Deutschen Presse-Agentur. Die Hausjuristen sollten nun prüfen, wie gegen den Professor aus dem Ruhrgebiet vorgegangen werden könne.
Verhandlungen auf Hochtouren
Die Bundesregierung beeilte sich, ihr Hilfsangebot für den Rüsselsheimer Autobauer zu bekräftigen. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) weist auf den erweiterten Bürgschaftsrahmen seines Landes hin: "Das macht uns jederzeit handlungsfähig." Die Gespräche zwischen Bund, Ländern und der Adam Opel GmbH über eine Bürgschaft kämen zügig voran, erklärte Koch. "Es gibt alle Möglichkeiten, je nach Entwicklung der Lage rasch das Notwendige zu tun."
Etliche Zulieferer bedroht
Auf die verheerenden Folgen einer GM-Insolvenz für die gesamte deutsche Autoindustrie mit ihren rund 760.000 Beschäftigten wies der Analyst Andreas Scheuerle von der Deka-Bank hin. Die Zahlungsausfälle bei GM könnten etliche Zulieferer zu Fall bringen, die auch für andere Hersteller arbeiteten und vor allem für diese Entwicklungsaufgaben übernommen haben. "Der Industrie droht der Verlust von hochtechnologischem Know-how."
GM: Opel Verkauf steht nicht zur Debatte
GM hat bislang immer klar gemacht, dass ein Verkauf von Opel nicht zur Debatte stehe. Die engen Verflechtungen in Finanzen und Technologie sprechen nach wie vor gegen eine Trennung. Der Opel- Betriebsratschef Klaus Franz und mit ihm die IG Metall steuern daher offen einen Kurs auf mehr Unabhängigkeit. Einen einseitigen Lohnverzicht ohne nachprüfbare Gegenleistungen wollen sie nicht mehr gewähren. Einsparungen von 750 Millionen Dollar (580 Millionen Euro) hatte GM-Europe-Chef Claus-Peter Forster verlangt und sich zunächst eine klare Absage eingehandelt. "Solange GM in der Krise nur die Mitarbeiter zur Kasse bittet, ohne etwas zu bieten, werden wir das nicht akzeptieren", kommentierte Franz das Ansinnen. Nach einem Bericht des Fachmagazins "auto motor sport" bietet die Gewerkschaft nun Lohnsenkungen als Gegenleistung für eine Beteiligung am Unternehmen an.
Renault-Gruppe heißer Kandidat
Die Adam Opel GmbH gilt im GM-Verbund als Perle. Biller hält Opel für einen attraktiven Übernahmekandidaten, der kurz- und mittelfristig positive Ergebnisbeiträge liefern könne, wenn es gelinge, mehr Fahrzeuge auf gemeinsamen Plattformen zu bauen. "Ein Verkauf ist wie immer eine Frage des Preises", meint Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler. Für ein bis zwei Milliarden würde GM für Opel wohl schnell einen Käufer finden, der nicht zwangsläufig aus Europa kommen müsse. Ein heißer Kandidat sei die expansiv agierende Renault-Gruppe. Er halte es im Moment aber für die wahrscheinlichste Variante, dass es doch noch zu einem Rettungspaket für GM, Ford und Chrysler kommen werde.