07.05.2009, 11:04 Uhr | Financial Times Deutschland, Sarah Sommer
Chefs sollten ihre Mitarbeiter über die Lage der Firma nicht im Unklaren lassen. (Foto: Imago)
Sanierung, Entlassung, Auslagerung: Schlechte Nachrichten verkaufen sich schlecht. Damit Mitarbeiter und Geschäftspartner den neuen Kurs unterstützen, sollten Firmenchefs offen über ihre Pläne sprechen.
Wenn Manager bei der Kommunikationsexpertin Katja Nagel anrufen, stehen die Zeichen meist schon auf Sturm: Dem Unternehmen droht die Pleite. Pläne für die Sanierung sind bereits ausgearbeitet - doch außer der Geschäftsführung weiß noch niemand davon.
Nagel, Inhaberin der Agentur Cetacea, berät Firmenchefs dabei, wie sie ihren Mitarbeitern, Investoren und Kunden solche schlechten Nachrichten geschickt vermitteln, damit sie das Vertrauen nicht verlieren. "Ein Unternehmen in der Restrukturierung gleicht einem Boot in Seenot. Sie müssen erreichen, dass die Mannschaft rudert, nicht betet", sagt Nagel.
Seit der Finanzkrise stehen immer mehr Unternehmer vor dieser Aufgabe. Wer überleben will, muss schlanker und produktiver werden - das Unternehmen also ganz neu aufstellen. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, lässt sich kurz zusammenfassen: Entlassungen.
Vor den Folgen haben viele Manager Angst: Streiks, negative Schlagzeilen, nervöse Kapitalgeber und Geschäftspartner. "Viele Manager kommunizieren daher viel zu spät, dass ihr Unternehmen in Schieflage geraten ist", sagt Michael Baur, Deutschlandchef der Beratungsunternehmens Alix Partners.
Baur warnt vor den Folgen der Schweigepolitik: "Wer nicht frühzeitig kommuniziert, dass schwierige Zeiten kommen, riskiert einen Vertrauensverlust bei Mitarbeitern, Investoren und Lieferanten, der kaum wiedergutzumachen ist." Beispiel Nokia: Anfang 2008 gingen Bilder von Mitarbeitern des Nokia-Werks in Bochum durch die Presse, die fassungslos vor geschlossenen Werkstoren standen.
Auch die lokalen Manager, Gewerkschafter und Politiker fühlten sich von der Werkschließung überrumpelt. Konsequenz: Ansehen und Verkaufszahlen haben erheblich darunter gelitten. Noch Monate nach der Werkschließung wurde Nokia in der öffentlichen Diskussion als Beispiel für ein "unsoziales" Unternehmen geführt
"Nicht zu kommunizieren ist keine Option", sagt Kommunikations-Expertin Nagel. "Manager müssen klar und deutlich sagen, warum eine schmerzhafte Maßnahme notwendig ist und was sie damit erreichen wollen. Sonst geben sie die Deutungshoheit über die Restrukturierung ab und riskieren eine gefährliche Eigendynamik."
Eine erfolgreiche Restrukturierung braucht nämlich seine Zeit. Wenn Mitarbeiter und Geschäftspartner kontinuierlich von negativen Nachrichten überrascht werden, verlieren sie das Vertrauen. "Manager sind auf die Unterstützung aller Beteiligten angewiesen, wenn sie das Ruder herumreißen wollen", sagt Baur.
Seine Regel für Manager, die unbequeme Maßnahmen durchsetzen müssen, klingt simpel - erfordert aber Mut: "Nicht verstecken, von Anfang an mit allen Beteiligten kommunizieren - und keine Versprechen machen, die man später nicht halten kann."
Financial Times Deutschland, Sarah Sommer
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