30.01.2012, 17:12 Uhr | Goldman Sachs/FinanzBuch Verlag
Der älteste Rohstoffindex, der auch heute noch weit verbreitet ist, ist der CRB Index. Dabei steht CRB für Commodity Research Bureau. Der Index wurde 1957 erstmals berechnet und wurde im Laufe der Jahre mehrfach umgestaltet. Anfänglich enthielt der Index insgesamt 28 Rohstoffe, darunter auch Zwiebeln, Eier, Kartoffeln oder Schweinefett.
Index nicht durch Handelsstrategie nachbildbar
In die Indexberechnung ging für jeden Rohstoff jeweils der Durchschnitt der Futureskontraktpreise von mehreren Fälligkeiten ein, zu Beginn beispielsweise wurden alle Futureskontrakte herangezogen, die binnen eines Jahres fällig wurden. Da in je nach Rohstoff unterschiedlichen Abständen der nahe Future aus dem Index ausschied und ein Future mit Fälligkeit in einem Jahr hinzukam, änderte sich die Zusammensetzung der im Index enthaltenen Futures. Weil die daraus resultierenden Preisunterschiede nicht durch eine Anpassung der Gewichte der Kontrakte im Index ausgeglichen wurden, ließ sich der Index nicht durch eine Handelsstrategie nachbilden.
Grundproblem hatte weiter Bestand
Auch die neun Revisionen des Index in den Jahren 1961 bis 1995 haben dieses Grundproblem des Index nicht lösen können. Man beschränkte sich darauf, die Zusammensetzung oder die Anzahl der in die Berechnung einbezogenen Futureskontrakte zu verändern, sodass der Index weiterhin nicht als Benchmark für Finanzprodukte genutzt werden konnte und sich aus dem Indexstand des CRB allenfalls eine Aussage über die allgemeine Inflation der Rohstoffmärkte ablesen ließ.
Die zehnte Revision brachte die nötige Veränderung
Erst mit der zehnten Revision des Index im Mai 2005, die mit einer Umbenennung in Reuters/Jeffries CRB Index einherging, wurde das Indexkonzept grundlegend geändert. Seither bezieht sich der Index nicht mehr auf eine Reihe von Futureskontrakten der nächsten sechs Monate, die zueinander geometrisch gewichtet werden, sondern nur auf genau einen nahen Kontrakt, der zudem regelmäßig gerollt wird. Derzeit umfasst der Index 19 Rohstoff-Futureskontrakte. (Bis 1973 waren auch Spotrohstoffe im Index vertreten.)
Rohstoffe werden in Kategorien unterteilt
Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe ist nicht ganz so einfach zu beschreiben: Zunächst werden die Rohstoffe in vier Kategorien eingeteilt: Die Kategorie I heißt Petroleum und enthält die Energierohstoffe außer Erdgas. Dieser Gruppe wird im Index das konstante Gewicht von 33 Prozent zugewiesen, das von den Indexsponsoren für ideal gehalten wird, um die Bedeutung von Energiepreisen für die Ökonomie widerzuspiegeln. Zueinander werden die drei Rohstoffe in Kategorie I in Relation zu ihrem Handelsvolumen gewichtet, was bedeutet, dass Rohöl mit 23 Prozent den Löwenanteil im Energiebereich ausmacht, während Heizöl und Benzin je fünf Prozent Gewicht erhalten.
Hochliquide-, Liquide- und Diversifikations-Rohstoffe
Die Kategorie II enthält weitere sieben Rohstoffe und wird als Gruppe der hochliquiden Rohstoffe beschrieben. Jedem Rohstoff in dieser Gruppe, darunter Kupfer und Gold, wird das feste Gewicht von 6 Prozent zugewiesen. Der Gruppe III, bezeichnet als "liquide Rohstoffe", gehören weitere vier Rohstoffe an, deren Gewicht jeweils 5 Prozent beträgt, darunter Baumwolle und Kaffee. In Gruppe IV schließlich finden sich die sogenannten "Diversifikations-Rohstoffe" wieder, die jeweils mit nur 1 Prozent in die Indexberechnung eingehen. Hierzu gehören unter anderem Nickel und, eher überraschend, Chicago-Weizen. Um die Gewichte im Index konstant zu halten, wird monatlich eine Umschichtung vorgenommen, d.h., es müssen Rohstoffe, die nun ein Übergewicht im Index haben, verkauft und Rohstoffe, die nun im Index untergewichtet sind, in einem entsprechenden Verhältnis gekauft werden.
Index schlägt andere Indizes im Vergleich
In der 10-Jahres-Rückrechnung, die Reuters/Jeffries zu ihrem Index-Relaunch gleich mitgeliefert haben, schlägt der neue RJ/CRB Index die wesentlichen anderen Indizes, was nun weniger überraschend ist, da eine tatsächliche Indexhistorie noch nicht vorliegt. Da der Index jedoch sehr transparent ist und wegen der nunmehr leichten Nachbildbarkeit vermutlich auch bald Finanzprodukte auf ihn angeboten werden, dürfte es leicht sein, nach drei, fünf oder zehn Jahren zu ermessen, wie sich der Index in der wirklichen Welt schlägt.
Quelle: FinanzBuch Verlag
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