
05.10.2011, 16:50 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Bonität von Emittenten steht wieder im Fokus der Investoren. Das wirkt sich auf Zertifikate mit fixem Laufzeitende aus. Eine Analyse.
Die Verunsicherung der Anleger ist so groß wie lange nicht mehr. Kommt mit der Pleite Griechenlands ein neuer Schneeball ins Rollen, der Banken und einzelne europäische Staaten in die Knie zwingt, oder greifen die Rettungspakete und stabilisiert sich die Lage?
Spätestens seit dem Kollaps von Lehman Brothers sollten Anleger auch das Unvorstellbare nicht ausschließen und sich der Risiken bewusst sein. Betrachtet man die Folgen der Pleite der Bank, ist es derzeit kaum vorstellbar, dass die führenden Industrienationen in dieser Phase eines der großen Institute in die Insolvenz laufen lassen. Der Markt spricht allerdings eine andere Sprache.
Die Prämien für Kreditausfallversicherungen, Credit Default Swaps (CDS), bewegen sich seit Wochen auf einem extrem hohen Niveau. Spitzenreiter unter den Derivateemittenten sind die Bank of America, Morgan Stanley (Garantin des Emittenten Morgan Stanley & Co. International) und die WestLB. Hier liegen die CDS für fünfjährige Laufzeiten jeweils bei mehr als vier Prozentpunkten. Das bedeutet, dass für die Versicherung einer Forderung in Höhe von 100.000 Euro jährlich mehr als 4000 Euro gezahlt werden müssen. Auf fünf Jahre hochgerechnet ergibt das eine Prämie von mehr als 20 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Ausfallwahrscheinlichkeit liegt bei über 20 Prozent.
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Eine von Scope Analysis erstellte Übersicht über die aktuellen CDS-Preise für die Derivateemittenten findet sich auf der Website des Deutschen Derivate Verbands in der Rubrik Transparenz. Für Derivateanleger sind diese Informationen wichtig: Hinter jedem Derivat steckt - sofern es sich nicht um eines der wenigen extra besicherten Produkte handelt - eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten, bei der die Rückzahlung vom Stand des Basiswerts bei Fälligkeit abhängt. Im Falle einer Insolvenz werden Anleger wie Gläubiger des Emittenten behandelt.
Die Bonität eines Emittenten und Veränderungen der Kreditwürdigkeit beeinflussen die Kurse der Zertifikate. Allerdings hängt es von der Art des Produkts ab, wie sich die Bonität bei der Preisfindung auswirkt. Grundsätzlich sollten Anleger dabei zwischen Produkten mit unbegrenzter Laufzeit und solchen mit einem fixen Laufzeitende unterscheiden. In beiden Fällen tragen Anleger das Bonitätsrisiko. Geht der Emittent von einem auf den anderen Tag Pleite, werden Anleger wie alle anderen Gläubiger behandelt.
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Veränderungen in der Bonität wirken sich allerdings unterschiedlich auf die Kurse aus. Papiere ohne Laufzeitbegrenzung werden davon in der Regel nicht beeinflusst. Denn ihr Kurs hängt nur vom Stand des Basiswerts ab. So spiegeln viele DAX-Indexzertifikate beispielsweise immer ein Hundertstel des Indexstandes wider. Bonitätsveränderungen spielen hier nur eine geringe bis keine Rolle, da die Papiere zwar endlos laufen, der Anleger aber in der Regel ein sehr kurzfristiges Kündigungsrecht hat. Daher orientiert sich der Kurs des Zertifikats auch bei abnehmender Bonität immer noch an seinem rechnerischen Rückzahlungswert.
Anders bei Zertifikaten mit einem festen Laufzeitende. Hier kann der Anleger erst am Laufzeitende die Rückzahlung gemäß der im Prospekt hinterlegten Formel verlangen. Bei diesen Produkten geben die Emittenten daher oftmals einen Teil des Credit Spreads weiter. Nimmt die Bonität eines Emittenten ab, und steigen die Preise für CDS, führt das - unter sonst gleichen Umständen - zu fallenden Derivatekursen. Umgedreht ergeben sich dadurch auch Chancen. Beruhigt sich die Lage, und fallen die CDS-Preise wieder, führt dies unter Umständen zu zusätzlichen Kursgewinnen beim Zertifikat.
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Das Weitergeben eines Teils des Bonitätsrisikos führt dazu, dass Produkte verschiedener Emittenten schwieriger vergleichbar sind. Gerade bei Discount- und Bonuszertifikaten sowie Aktienanleihen sollten Anleger sich nicht von den vermeintlich attraktiveren Angeboten bonitätsschwacher Emittenten blenden lassen. Unter Einbeziehung des Risikos sind oftmals Produkte mit einer geringeren Renditechance attraktiver, da sie von einem solideren Emittenten stammen.
Kritiker bemängeln, dass CDS das Risiko überzeichneten, die Preisfindung intransparent sei und nicht auf alle Emittenten Kreditderivate gehandelt würden. Allerdings zeigen die CDS-Preise deutlich schneller an, wo "die Hütte brennt", als dies die Bonitätseinstufungen der großen Ratingagenturen tun.
Anleger, die das Emittentenrisiko reduzieren wollen, sollten die Möglichkeit ins Auge fassen, Produktstrukturen selbst zu konstruieren. So können Anleger beispielsweise eine Discountstruktur bauen, indem sie in den Basiswert investieren und via Terminbörse Eurex Call-Optionen auf den Basiswert verkaufen. Ist ein Bonusstruktur gewünscht, so lässt sich diese aus einem Investment in den Basiswert und einem Put-down-and-out-Optionsschein konstruieren.
Quelle: Financial Times Deutschland
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