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Rohöl: Lagerbestände in USA machen Ölmarkt nervös

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Dorf Cushing macht Ölmarkt nervös

18.02.2010, 12:40 Uhr | Financial Times Deutschland

Ein kleiner Teil der Öl-Tanks in Cushing, Oklahoma (Foto: Archiv) Ein kleiner Teil der Öl-Tanks in Cushing, Oklahoma (Foto: Archiv) Es ist ein Kaff in Oklahoma: Cushing. Doch für den Ölmarkt ist es der wichtigste Ort der Welt. Denn hier lagert das Öl, das den globalen Preis bestimmt. Und derzeit lagert hier besonders viel Öl. Die Internationale Energieagentur (IEA) schlägt Alarm. Preisverzerrungen auf dem Ölmarkt stehen voraus.

US-Öl mit großen Preisabschlägen

Wegen großer Lagerbestände im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten notiere das US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI) gegenüber anderen Sorten mit abnormen Abschlägen. Das werde mittelfristig auch so bleiben. Zudem sei es wahrscheinlich, dass WTI zur sofortigen Lieferung gegenüber späteren Erfüllungen wieder an Wert verlieren werde. "Unsicherheit über physische Flüsse und Lagerkapazität könnte dazu führen, dass die Terminpreise über- und unterschießen", schreibt die IEA in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht.

WTI bald nicht mehr Referenzsorte?

Die Energieagentur greift ein Thema auf, das seit Monaten Marktteilnehmer nicht zur Ruhe kommen lässt: Die Verlässlichkeit von WTI als Referenzgröße für den Ölmarkt. Der Terminkontrakt auf das US-Rohöl wird an der New Yorker Börse Nymex gehandelt und ist der liquideste Energie-Future der Welt.

Lagerbestände auf historischem Hoch

Lieferort für WTI ist Cushing in Oklahoma. Die Lagerbestände in dem kleinen Dorf befinden sich derzeit mit 33,32 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf einem historischen Hoch. Das führt dazu, dass das amerikanische Rohöl billiger ist als üblich. Momentan notiert WTI gegenüber dem Nordseeöl Brent mit einem Abschlag von 2,80 Dollar. Normalerweise ist WTI rund 2,00 bis 2,50 Dollar teurer. Am Mittwochmittag kostete das Fass WTI-Öl 69,70 Dollar, Brent-Öl wurde gleichzeitig zu 72,35 Dollar gehandelt.

Wieviel Öl lagert in Cushing?

Über die Lagerkapazität in Cushing gibt es keine verlässlichen Angaben. Die Nymex behauptet, sie liege bei 50 Millionen Barrel. Beratungsgesellschaften gehen stattdessen von 40 Millionen Barrel auf. Immer wieder ist die Rede von neuen Installationen durch Unternehmen wie Plains All American und Teppco, eine Gesamtübersicht fehlt aber. Für die IEA ist das schwer nachvollziehbar. "Die Aufsichtsbehörden in den USA denken darüber nach, wie sich über verschärfte Offenlegungspflichten und Positionsgrenzen die Transparenz verbessern und der Einfluss von Finanzinvestoren eindämmen lässt. Es wirkt vor diesem Hintergrund ironisch, dass ein Mangel an Transparenz über die Lagerkapazität in Cushing Verzerrungen beim weltweit wichtigsten Benchmark-Öl auslöst", schreiben die IEA-Experten in ihrem Bericht.

Öltanks von oben - Cushing in Google Maps

Aufsicht geht nur gegen Spekulanten vor

Bisher spielt Cushing bei den Behörden keine Rolle. Die US-Terminaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) verschärft einzig die Gangart gegenüber Spekulanten. CFTC-Chairman Gary Gensler denkt erwägt Positionslimits im Energiehandel. Außerdem sollen die Positionen von Index-Investoren offengelegt werden. Erste Fortschritte gibt es bereits: So werden in den wöchentlichen Berichten der Behörde zu den Positionen an den Terminmärkten erstmals auch Daten des Londoner Handelsplatzes ICE Futures berücksichtigt. An der ICE wird auch WTI gehandelt.

Schwache Nachfrage...

Die fundamentale Situation auf dem Ölmarkt ist laut IEA nach wie vor schwach. Im Juni ging die Nachfrage der Industriestaaten nach Öl und Produkten wie Benzin sowie Destillaten bereits den 14. Monat in Folge zurück, das Minus lag im Vorjahresvergleich bei 5,5 Prozent. Die Lagerbestände sind unverändert historisch hoch. Gegen den Trend kletterten die Vorräte in den OECD-Staaten im Juni um 8,5 auf 2749 Millionen Barrel. Damit reichen sie für knapp 62 Tage. "Der Lagerüberhang bei Destillaten, geringe Raffineriemargen legen nahe, dass die industrielle Aktivität und der Transportsektor gedrückt sind", heißt es in dem Bericht.

... aber Prognose angehoben

Wegen einer stärker als erwarteten Nachfrage aus Asien, insbesondere China, hob die IEA ihre Nachfrage-Prognose für 2009 und 2010 dennoch um 190.000 und 70.000 Barrel täglich an. Das verdeckt aber nicht, dass der Rückgang im Vergleich zu 2008 beträchtlich ist: Mit 83,9 Millionen Barrel täglich liegt der Verbrauch dieses Jahr 2,7 Prozent unter dem Niveau von 2008. Auch 2010 wird mit einem Minus von 1,2 Prozent hinter 2008 zurückbleiben.

Widersprüche in den chinesischen Daten

Hinter der starken Nachfrage in China setzt die IEA ein Fragezeichen. Sie verweist auf die schwache Entwicklung bei Gasöl, das ein Vorprodukt zur Gewinnung von Diesel und Heizöl ist. Im Juni lag der Verbrauch der Volksrepublik knapp acht Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Bis Dezember 2008 hätten sich Industrieproduktion und Gasölnachfrage parallel entwickelt, seit 2009 sei die Beziehung jedoch entgegengesetzt, schreibt die IEA. Die Organisation vermutet, dass die chinesischen Statistiken Lücken aufweisen und die Zahlen durch das Horten von Unternehmen im vergangenen Jahr verzerrt waren. "Solange chinesische Wirtschaftsdaten mit Unsicherheiten behaftet sind, ist es für Außerstehende wie die IEA schwierig, mit Vertrauen Nachfragetrends und Prognosen für die Volksrepublik abzugeben", heißt es in dem Monatsbericht.


Quelle: Financial Times Deutschland

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