05.06.2008, 14:54 Uhr | dpa / AFP / T-Online
Ölpreis sinkt - Spritpreise bleiben hoch (Foto: ddp) Die Rohölpreise haben zuletzt trotz überraschend schwacher Daten zu den Rohöl-Lagerbeständen in den USA weiter nachgegeben. Bis zum späten Mittwochnachmittag sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der maßgeblichen US-Rohöl-Sorte WTI zur Juli-Auslieferung auf etwa 122,50 Dollar. Am Abend rutschte der Preis sogar unter die 122-Dollar-Marke. Zum Vergleich: Seinen historischen Höchststand hatte der Ölpreis am 22. Mai bei 135 Dollar. Vor Bekanntgabe der Daten notierten die Ölpreise noch bei 124 Dollar. An den Tankstellen tut sich allerdings kaum etwas.
Hintergrund -Warum Öl und Benzin immer teurer werden
10 Tipps-So sparen Sie Benzin
Verbraucher - Auswirkungen der hohen Ölpreise
Überblick - Woher Deutschland sein Öl bezieht
Spritpreise - Diskutieren Sie dieses Thema im Forum
ADAC fordert unverzügliche Spritpreis-Senkung
Angesichts der in den vergangenen Tagen kräftig gesunkenen Ölpreise hat der ADAC die Mineralöl-Konzerne zur "unverzüglichen" Senkung der Kraftstoffpreise aufgefordert. Sie müssten den Rückgang des Ölpreises an die Autofahrer weitergeben, erklärte der Verein. Zwar hat auch der Euro zum Dollar etwas nachgegeben (vgl. EUR/USD-Chart), doch nicht so stark wie die Rohölpreise. Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, verteuern sich bei einem niedrigeren Euro tendenziell die Preise für europäische Abnehmer.
Spritpreise zuletzt nur wenig gesunken
Die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland sind dem ADAC zufolge in den vergangenen Tagen nur leicht gesunken. Ein Liter Super Benzin kostete am Dienstag im bundesweiten Durchschnitt 1,50 und damit etwa vier Cent weniger als zum Rekordpreis Ende Mai. Der Preis für den Liter Diesel sank auf durchschnittlich 1,48 Euro und ist damit wieder günstiger als Super.
ACE-Präsident: "Was die Ölmultis machen, ist schäbig"
Der Präsident des Auto Clubs Europa (ACE), Wolfgang Rose, sagte der "Bild"-Zeitung: "Steigt der Ölpreis, kriegen Autofahrer tags darauf die Quittung beim Tanken ausgestellt - fällt aber der Ölpreis, tut sich erstmals gar nichts. Was die Ölmultis machen, ist schäbig. Sie müssen die Vergünstigung beim Öl unverzüglich an die Tankkunden weitergeben." Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Uwe Beckmeyer, mahnte: "Rauf geht's immer schneller als runter. Die Ölkonzerne müssen die Preise senken und sich endlich solidarisch mit den Autofahrern zeigen."
Öltanks am Rotterdamer Hafen (Foto: dpa)US-Lagerbestände gesunken
Eigentlich hätten die Rohöl-Preise am Mittwoch wieder steigen müssen. Denn in der abgelaufenen Woche sind die Rohöl-Lagerbestände der USA erneut kräftig gesunken. Weniger Vorräte bedeutet höherer Verbrauch, die wiederum eine größere Nachfrage nach sich zieht, was die Preise treibt. Die Vorräte sind nach Zahlen des US- Energieministeriums um 4,8 Millionen Barrel auf 306,8 Millionen Barrel zurückgegangen. Angesichts des bereits deutlichen Rückgangs in der Vorwoche wurde am Markt mit einem Anstieg um 1,3 Millionen Barrel gerechnet. Allerdings legten die Bestände an Benzin und Destillaten (Heizöl, Diesel) stärker als erwartet zu.
Übersicht-
Sind Rohstoff-Spekulanten schuld?
Angesichts der in den vergangenen Monaten kräftig gestiegenen Öl- und Nahrungsmittelpreise nimmt die Europäische Union (EU) erstmals Spekulanten auf den Finanzmärkten ins Visier. "Wir müssen bei diesem Aspekt wachsamer sein und handeln", sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, der luxemburgische Premier und Ressortchef Jean-Claude Juncker, am Dienstag in Luxemburg. Im Kampf gegen die hohen Rohstoffpreise seien bereits mehrere Vorschläge auf dem Tisch. Juncker hatte bereits vor zwei Jahren Sondersteuern auf die Gewinne von Ölkonzernen gefordert und erinnerte nun an diese Idee. Italien tritt neuerdings auch dafür ein.
Nationale Hilfsaktionenfür bestimmte Bevölkerungsgruppen möglich
Die EU-Finanzminister beauftragten die EU-Kommission zu prüfen, inwieweit Spekulanten die Kurse auf den Rohstoffmärkten treiben. Die Minister schlossen nationale Hilfsaktionen zu Gunsten benachteiligter Bevölkerungsgruppen nicht aus. Diese Stützen dürften aber nur kurzfristig gewährt werden, denn es dürfe in Europa nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. Das vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ins Spiel gebrachte Einfrieren der Spritsteuern war bereits am Montag im Kreis der Euro-Ressortchefs auf Ablehnung gestoßen. Unter anderem Deutschland und Spanien sind gegen Steuersenkungen.
Mehr zum Thema:
Preisvergleich - Soviel kostet Benzin und Diesel in ausgewählten Städten
Ahmadinedschad -"Ölpreise werden weiter steigen"
Spektakulärer Fund -Riesen-Ölfeld vor Brasilien entdeckt
Alternativer Kraftstoff -Biosprit II vor dem Durchbruch
Quelle: t-online.de
Spätfolgen der Tsunami-Katastrophe und die Euro-Krise belasten den Export. zum Video