Daimler bekommt die Rezession zu spüren (Foto: imago)Der Autokonzern Daimler hat im zweiten Quartal erneut einen Milliarden-Minus eingefahren. Unter dem Strich betrug der Verlust rund 1,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von fast 1,4 Milliarden Euro erzielt worden. Schon im ersten Quartal dieses Jahres hatte Daimler rote Zahlen wegen der weltweiten Rezession geschrieben. Für den Rest des Jahres erwartet der Konzern aber eine "schrittweise Verbesserung der operativen Ergebnissituation." Der Grund sei das eingeleitete Sparprogramm. Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schrumpfte von mehr als zwei Milliarden Euro auf ein Minus von einer Milliarde Euro. Darin enthalten seien Sonderbelastungen in Höhe von gut 600 Millionen Euro für den Umbau des Lkw-Geschäfts in Nordamerika und Asien sowie der endgültigen Trennung von der ehemaligen US-Tochter Chrysler. Der Konzernumsatz ging um ein Viertel auf 19,6 Milliarden Euro zurück.
Optimismus in Stuttgart
Für den weiteren Jahresverlauf hofft der Konzern auf eine schrittweise Verbesserung des operativen Ergebnisses: Die Pkw-Sparte soll im zweiten Halbjahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Daimler leidet neben der schwachen Nachfrage nach den hochpreisigen Pkw-Modellen massiv unter dem Einbruch der Lkw-Märkte. Der Konzern hat bereits ein Sparprogramm mit Arbeitszeitverkürzungen und Lohneinbußen von insgesamt vier Milliarden Euro aufgelegt.
"Wir kämpfen uns zurück"
Vorstandschef Dieter Zetsche äußerte sich vorsichtig optimistisch für die nächsten Monate. Es gebe Anzeichen für eine Trendwende, sagte der Manager. Das Autogeschäft ziehe an und die Sparprogramme zeigten Wirkung. "Wir kämpfen uns zurück." Für das Gesamtjahr kalkuliert der Vorstandschef weiter mit einem deutlichen Umsatz- und Absatzrückgang. Angaben zum erwarteten Ergebnis machte der Manager nicht. Daimler hatte aber bereits angekündigt, die Gewinnziele von 2008 wegen der weltweiten Autokrise nicht zu erreichen.
Die Aktie springt
Das negative Ergebnis kam für die Börse nicht überraschend, die Zahlen waren somit im Kurs offenbar bereits eingepreist. Betriebsratschef Erich Klemm hatte die Lage bei dem Stuttgarter Autobauers kurz vor der Vorlage der Ergebnisse als "sehr angespannt" bezeichnet. Allerdings überzeugte offensichtlich der Ausblick die Skeptiker: Die Aktie zog unmittelbar nach den Zahlen um 6,5 Prozent nach oben und schloss mit einem Tagesgewinn von 4,6 Prozent bei 31,46 Euro.
Erleichterung im Markt
Ein Händler sagte: Nach den besser als erwartet ausgefallen Zahlen reagiere der Markt "zunächst erleichtert". Dennoch stehe es alles in allem um Daimler nicht gut. "Ich erwarte einen Alcoa-Effekt", meinte er. Nachdem der US-Aluminiumkonzern Alcoa am 8. Juli nach Börsenschluss die Berichtssaison mit besser als erwarteten Quartalszahlen eröffnet und die Aktie tags darauf zunächst kräftig zugelegt hatte, geriet sie dann zunehmend unter Druck und schloss sehr schwach. Die Erleichterung des Marktes hatte nicht lange angehalten und die Hoffnung auf eine fortschreitende Erholung der Weltwirtschaft war nach den Zahlen rascher verpufft als gedacht. Ein weiterer Händler hob vor allem positiv hervor, dass Daimler wieder schwarze Zahlen im Pkw-Segment schreiben will und besonders gut in der Mercedes-Sparte abgeschnitten habe. Ein dritter meinte: "Mit Ausnahme des Umsatzes sind die Zahlen besser als erwartet ausgefallen, vor allem der Nettoverlust überrascht positiv."
Keine Überraschung bei den roten Zahlen
Der Autobauer hatte ferner nach einem Milliardenverlust in den ersten drei Monaten auch für das zweite Quartal ein "deutlich negatives Ergebnis" angekündigt. Schließlich leiden die Stuttgarter gleich doppelt unter der aktuellen Nachfrageflaute: Als Anbieter von hochpreisigen Premiumautos profitieren die Schwaben bei den Pkw kaum von staatlichen Kaufanreizen wie der deutschen Abwrackprämie. Gleichzeitig liegt der weltweite Lastwagenmarkt im Zuge der Wirtschaftskrise am Boden. Die Börse war somit auf das Ergebnis weitgehend vorbereitet. Experten waren wie bereits im ersten Quartal von tiefroten Zahlen ausgegangen: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gab es einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro.