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Das Jahr der Rekord-Pleiten
27.12.2009, 23:22 Uhr | dpa, AFP, bab
2009 war das Jahr des Pleitegeiers (Quelle: imago)Für die deutsche Wirtschaft lief das Jahr 2009 alles andere als rund. Mit Konjunkturpaketen in Milliardenhöhe musste die Regierung der angeschlagenen Wirtschaft unter die Arme greifen und immer wieder milliardenschwere Löcher bei den Banken stopfen. Im harten Kampf ums Überleben blieben dennoch viele Unternehmen auf der Strecke. Glaubt man den Prognosen der Wirtschaftauskunft Creditreform, wird die Zahl der Firmenpleiten bis zum Jahreswechsel auf 40.000 zunehmen – ein Anstieg von mehr als 20 Prozent. In der Erinnerung bleiben wird 2009 deshalb vor allem auch als das Jahr der Rekord-Pleiten.
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Karstadt kämpft, Quelle ist verloren
Wer hätte sich Anfang des Jahres vorstellen können, dass das Versandhaus Quelle eines Tages untergeht? Doch die Insolvenz des Handelsriesen Arcandor am Ende eines jahrelangen Überlebenskampfes versenkte im Oktober auch die traditionsreiche Versandhandelstochter mit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Es fand sich niemand, der Quelle kaufen wollte. Karstadt, die Warenhaus-Säule des einstigen KarstadtQuelle-Konzerns, schließt 2010 jedes zehnte Haus und kämpft noch um die Zukunft. Auch ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen.
Hertie schließt, Woolworth sucht Käufer
Für den Einzelhandel läuft es insgesamt nicht gut. Oder besser gesagt: für viele Einzelhändler, denn neben Quelle verschwand 2009 auch das Traditionshaus Hertie. Mit der Schließung der letzten 50 Filialen endete im August die über hundertjährige Firmengeschichte des Unternehmens. Bereits vier Monate früher strauchelte Woolworth. Seit dem Insolvenzantrag im April ist die Zukunft für die 11.000 Mitarbeiter ungewiss. Die einstige deutsche Tochter des ebenfalls insolventen britischen Traditionsunternehmens wird inzwischen durch den Finanzinvestor Cerberus kontrolliert. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann sucht weiter nach einem Käufer.
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Ringen um Opel endet mit Überraschung
Neben den Einzelhändlern sorgte vor allem die Fast-Pleite des Autobauers Opel für aufsehen, dessen Zukunft angesichts der Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter General Motors (GM) lange unklar war. Das Ringen um die Rüsselsheimer Autoschmiede hielt Deutschland das ganze Jahr in Atem. Zuerst wurde um Staatshilfen gestritten, dann nach einem Käufer gesucht. Und dann, als der Käufer gefunden und das Geschäft fast schon in trockenen Tüchern war, machte die Konzernspitze in Detroit eine Kehrtwende. Mit dem Beschluss, Opel doch zu behalten, brüskierten die Amerikaner nicht nur die Verhandlungspartner Magna und Sberbank, sondern auch die Bundesregierung.
Rosenthal, Schiesser & Co.
Es sind jedoch nicht nur die Großunternehmen, deren Scheitern 2009 die Berichterstattung bestimmte. Gerade einmal 150 Mitarbeiter beschäftigt der Modellbahnbauer Märklin, dennoch sorgte der im Februar 2009 gestellte Insolvenzantrag für Bestürzung. Die Produktion lief jedoch weiter und inzwischen scheint sogar das Sanierungskonzept zu greifen. Investoren gefunden haben sich auch für Rosenthal und Schiesser. Der oberfränkische Porzellanhersteller wurde vom italienischen Besteckhersteller Sambonet geschluckt, über die Investoren beim Wäschehersteller Schiesser herrscht weiter Rätselraten. Die nötigen finanziellen Mittel sollen unter anderem vom Modedesigner Wolfgang Joop stammen.
Lange Liste
Rettung in Sicht ist auch für die Traditionsmarke Karmann. Anfang April meldete der Cabrio-Spezialist Insolvenz an und lange Zeit war unklar, ob sich ein Käufer findet. Inzwischen hat Volkswagen angekündigt, Karmann zu übernehmen. Weniger gut lief es für den Halbleiterproduzent Qimonda. Seit April läuft das Insolvenzverfahren gegen die Tochter von Infineon. Die Verwertung ist im vollen Gange und die Zukunft der 3800 Beschäftigten sieht düster aus. Und Qimonda ist nur ein Beispiel von vielen, denn die Liste ließe sich noch beliebig weiter fortsetzen. Mit Escada, dem Autozulieferer Edscha und vielen weiteren Beispielen. Doch auch so wird eins deutlich: Die deutsche Wirtschaft wurde hart getroffen und wird ihre Zeit brauchen, um sich wieder zu erholen.
Chronologie - Das Wirtschaftsjahr 2009
dpa, AFP, bab
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