Überraschender Abgang: SAP-Vorstandssprecher Léo ApothekerEuropas größter Software-Hersteller SAP kommt nicht zur Ruhe. Nach mehrfachen Vorstandswechseln in kurzer Folge wird die Chefetage abermals radikal umgebaut: Statt des Vorstandssprechers Léo Apotheker, der am Sonntagabend überraschend das Handtuch warf, wird nun wieder eine Doppelspitze installiert. Wie die SAP AG in einer knappen Pflichtmitteilung bekanntgab, werden die Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe künftig gleichberechtigte Vorstandschefs.
"Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", sagte Aufsichtsratschef Hasso Plattner. In der Mitteilung heißt es, der Aufsichtsrat habe sich mit Vorstandssprecher Léo Apotheker einvernehmlich darauf verständigt, dessen Vertrag als Vorstandsmitglied nicht zu verlängern. Daraufhin habe Apotheker sein Vorstandsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt.
SAP in der Krise
Der Vertriebsexperte Apotheker stand erst seit April 2008 an der SAP-Spitze - zunächst gleichberechtigt neben dem Physiker Henning Kagermann und seit Mai 2009 allein. Die beiden neuen SAP-Chefs gehören dem Vorstand seit Juli 2008 an.
Jahrelang vom Erfolg verwöhnt
Der erneute Umbau an der Konzernspitze erfolgt in einer für SAP schwierigen Phase. Das lange Jahre erfolgsverwöhnte Unternehmen musste im abgelaufenen Geschäftsjahr wegen der weltweiten Finanzkrise und der daraus resultierenden Investitionszurückhaltung der Kunden einen Rückgang beim operativen Gewinn von 3,3 Milliarden auf 2,9 Milliarden Euro verbuchen. Unter dem Strich fiel der Gewinn bei SAP 2009 von 2,2 auf 2,0 Milliarden Euro. Der Umsatz ging um neun Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zurück und die Erlöse aus dem Geschäft mit Software sackten um 28 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro ab.
Arbeitsdirektor geht ebenfalls
Neben Vorstandschef Léo Apotheker verlässt auch Arbeitsdirektor Erwin Gunst das Unternehmen. Der Arbeitsdirektor war seit Mitte 2008 im Vorstand verantwortlich für die Effizienz des operativen Geschäfts und der Prozesse. Ein Nachfolger werde noch vorgestellt, sagte SAP-Gründer Hasso Plattner am Montag bei einer Telefonkonferenz.
"Keine strategischen Differenzen"
Plattner sagte, es habe keine strategischen Differenzen mit dem zurückgetretenen Apotheker gegeben. Auch die Verzögerungen der Mittelstandssoftware "Business by Design" würden ihm nicht vorgehalten. Warum sich SAP von Apotheker getrennt habe, sagte Plattner nicht. Er sagte aber, SAP müsse ein Unternehmen werden, in welchem alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. SAP müsse wieder das Vertrauen seiner kleineren Kunden gewinnen.
2010 soll die Wende bringen
Nach dem Krisenjahr will SAP 2010 in die Erfolgsspur zurückkehren. "Unser Wachstum ist wieder da", hatte Apotheker unlängst gesagt. "2010 wird ein starkes Jahr für die SAP." Nach dem vergangenen Jahr mit starken Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis sowie einem deutlichen Stellenabbau plant SAP in den nächsten Monaten auch wieder Einstellungen im Konzern.
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