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Arabisches Familiendrama macht Banken vorsichtig
26.10.2009, 12:08 Uhr | Financial Times Deutschland
Saudische Hauptstadt Riad - Imperien in Geldnot (Quelle: Reuters)Zahlungsausfälle von Familienunternehmen galten am Golf als Ding der Unmöglichkeit. Jetzt ist es doch passiert - und die Institute drosseln die Kreditvergabe. Gleichzeitig versuchen sie, ihre Schulden bei den beiden Konglomeraten Saad Group und Ahmad Hamad Algosaibi and Brothers (AHAB) einzutreiben - ein schwieriges Unterfangen.
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Banken schränken Kreditvergabe ein
Nach dem Zahlungsausfall der beiden saudi-arabischen Familienunternehmen Saad Group und Ahmad Hamad Algosaibi and Brothers (AHAB) verschärfen die Institute am Golf gegenüber Familienunternehmen die Offenlegungspflichten und schränken die Kreditvergabe ein. "Jetzt verlangt jeder mehr Information, mehr Transparenz - es ist nicht mehr so, wie es war", sagt Henry Azzam, Chef der Deutschen Bank für den Nahen Osten und Nordafrika. Es werde dauern, bis die Familienunternehmen der Region die Informationen liefern, und "währenddessen warten Banken ab, bis sie mehr Transparenz sehen".
Radikaler Wandel am Golf
Das Vorgehen der Banken in den Golfstaaten verändert sich damit radikal. Bislang gaben sie den Firmen mit Blick auf die hohen Familienvermögen gern Geld - obwohl die Unternehmen äußerst verschwiegen sind. Nur wenige gehen an die Börse oder lassen ihre Bonität von Ratingagenturen bewerten. Zahlungsausfälle gab es praktisch nicht - zu wichtig sind in der Region der Ruf einer Familie und das Bestreben, das Gesicht zu wahren.
Familien schulden Banken Milliarden
Das Drama um Saad und AHAB hat das verändert. Die beiden Familienunternehmen schulden schätzungsweise über 100 internationalen und heimischen Banken 15 bis 20 Milliarden Dollar. Einige Institute versuchen bereits, über den Rechtsweg an ihr Geld zu kommen. Die Mashraqbank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) etwa verklagte AHAB vergangene Woche. Das Institut will 395 Millionen Dollar von dem Konglomerat zurückhaben.
Banken unter Druck
Für die Banken der Golfstaaten geht es um ein bedeutendes Engagement. Laut einem Bericht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) von Ende Juli beläuft sich das Engagement bei 10 der 30 von ihr bewerteten Institute aus der Golfregion gegenüber den beiden Konglomeraten auf über zehn Prozent des sogenannten Adjusted Total Equity (ATE). Das ATE umfasst Aktienkapital, einbehaltene Gewinne, hybride Instrumente und Genussscheine. Bei drei Banken sind es mehr als 20 Prozent des ATE. Die anderen Institute sind teils deutlich weniger betroffen, zwei sind bei den Unternehmen gar nicht engagiert. Die Risiken seien zwar beherrschbar, urteilt S&P. Sie trügen aber "zu negativem Druck auf die Ratings" bei.
Bank-Manager sind besorgt
Ein Manager einer in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ansässigen Bank, die bei beiden Unternehmen engagiert ist, sagte, er sei "sehr, sehr besorgt", was die Chancen auf die Rückzahlung der Schulden angehe. Seitdem zieht sich sein Haus aus Geschäften in dem Land zurück. "Ich kann es gegenüber meinem Verwaltungsrat nicht mehr rechtfertigen, auch nur noch einen Dirham in Saudi-Arabien zu verlieren." Dirham ist die Währung der VAE. "Wir können nicht einfach alles kündigen und Zahlungen verlangen, aber wo es möglich ist, tun wir es, ohne sie in die Pleite zu zwingen", sagte der Manager.
Betrugsvorwürfe gegen saudischen Milliardär
Die Bemühungen der Banken, ihr Geld zurückzubekommen, werden durch Streitigkeiten zwischen Saad und AHAB enorm verkompliziert. Die Familie al-Gosaibi wirft dem Besitzer der Saad-Group, dem Milliardär Maan al-Sanea vor, sie um zehn Milliarden Dollar betrogen zu haben. Er bestreitet das. Ein von der Staatsführung eingesetzter Ausschuss drängt AHAB laut Insidern, sich mit den Banken des Landes auf Rückzahlungen zu einigen. Das Unternehmen argumentiert jedoch, die Summe, die es den Banken mutmaßlich schuldet - geschätzte 9,2 Milliarden Dollar - sei Geld, um die es betrogen worden sei.
Firmen eng miteinander verflochten
Der in Kuwait geborene al-Sanea hatte in die Familie al-Gosaibi eingeheiratet. Sein Unternehmen ist an zahlreichen Firmen weltweit beteiligt, unter anderem an dem britischen Hausbauer Berkeley - und eng mit AHAB verflochten. Die al-Gosaibis begannen in der Landwirtschaft sowie Perlenzucht und verdienen ihr Geld inzwischen im Finanzgewerbe, mit Immobilien, Schiffen und dem Abfüllen von Pepsi.
Zurückhaltung trifft Mittelständler
Azzam von der Deutschen Bank schätzt, dass große, transparente saudi-arabische Unternehmen sowie Firmen mit Verbindungen zum Staat - der Ölkonzern Aramco etwa - die neue Zurückhaltung der Banken wahrscheinlich nicht zu spüren bekommen werden. Für kleine und mittelständische Firmen könne es jedoch eng werden. Sie leiden ohnehin darunter, dass die Vergabebedingungen im Zuge der Krise restriktiver geworden sind. Das hat bereits ernste Auswirkungen: Laut Ökonomen bleiben die mittel- bis langfristigen Aussichten für Saudi-Arabien zwar positiv. Die restriktivere Kreditvergabe habe aber dazu geführt, dass sich das Land langsamer von der Krise erhole.
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Quelle: Financial Times Deutschland