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Schäppchenjagd nach Griechen-Aktien

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Schnäppchenjagd in Griechenland

22.06.2011, 11:45 Uhr | Financial Times Deutschland

Auch Cola musste in der Krise Federn lassen - Flagge auf Rhodos (Foto: imago) (Quelle: imago)Auch Cola musste in der Krise Federn lassen - Flagge auf Rhodos (Foto: imago) Der Staatsbankrott droht, auf den Straßen protestieren aufgebrachte Griechen gegen die Regierung - für Anleger gibt es derzeit scheinbar keinen Grund, Geld nach Griechenland zu tragen. Nicht nur die Kurse der hellenischen Staatsanleihen sind massiv gefallen. Auch die Aktien der an der Athener Börse gelisteten Unternehmen haben eine spektakuläre Talfahrt hinter sich. Der Athex Composite Index, der die Entwicklung der 43 größten Einzelwerte widerspiegelt, ist seit seinem Hoch im Spätherbst 2007 um 75 Prozent auf 1257 Zähler gefallen.

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Antizyklisch investieren in Hellas

Derart desaströse Kurseinbrüche bilden für gewöhnlich den Stoff, aus dem die Renditeträume antizyklischer Investoren gemacht sind: Aktien billig einsammeln, wenn alle anderen verkaufen - und dann mit langem Atem warten, bis die Kurse wieder steigen. Einige Experten sehen diese Stunde an der griechischen Börse nun gekommen. "Für spekulative Investoren ist ein Einstieg in hellenische Aktien jetzt vertretbar", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Gelänge es, ein weiteres Rettungspaket für Hellas zu schnüren, dürften die Börsennotierungen griechischer Unternehmen kräftig zulegen. Scheitert der Versuch, wären Käufer griechischer Aktien genauso schlimm dran wie Anleger, die auf andere Börsen gesetzt haben, meint Hellmeyer. "In diesem Fall würden die globalen Kapitalmärkte in eine größere Krise gestürzt als nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers."

Griechische Banken im Visier

Das höchste Gewinnpotenzial - und zugleich das größte Risiko - bieten Aktien griechischer Banken. Tania Gold und Joseph Champion, Analysten von Unicredit Research, haben erst jüngst ihre Verkaufsempfehlungen für Alpha Bank, Piraeus Bank und National Bank of Greece bekräftigt. Zwar sind die Börsenkurse bereits um mehr als 60 Prozent gefallen.

Doch die Papiere drohen bei einem Staatsbankrott völlig wertlos zu werden. Die Institute müssten dann ihre milliardenschweren Investments in heimische Bonds abschreiben und könnten selbst zum Insolvenzfall werden. Ein Szenario, an das die Deutsche-Bank-Analysten Dimitris Giannoulis und Carlos Berastain Gonzalez nicht glauben. "Wir erwarten, dass EU und Internationaler Währungsfonds Griechenland zur Seite stehen werden." Die meisten griechischen Banken hat das Duo deshalb mit "Halten" eingestuft.

Index-Schwergewicht Coca-Cola

Anleger, denen solche Topp-oder-hopp-Wetten zu riskant sind, finden in Griechenland auch Aktien von Unternehmen, deren Ertragslage nur bedingt an die Konjunkturentwicklung in Hellas gekoppelt ist. Dazu zählt die Coca-Cola Hellenic Bottling Company, der weltweit größte Abfüller des US-Softdrinkkonzerns. Das Unternehmen ist mit einer Marktkapitalisierung von 6,4 Milliarden Euro der schwerste Wert an der Athener Börse. Es vertreibt seine Brausen in 28 Ländern Ost- und Südeuropas, Afrikas und des Nahen Ostens mit insgesamt rund 500 Millionen Einwohnern. Der Nettoumsatz stieg im ersten Quartal dieses Jahres um drei Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Nachdem die Aktie seit Februar um 18,8 Prozent gefallen ist, hat Citigroup das Papier jetzt mit "Kaufen" eingestuft.

Chancen für OTE

Hellenic Telecommunications Organization (OTE), der größte Telekommunikationsanbieter Griechenlands, hat zwar unter der Misere im eigenen Land zu leiden, allerdings ist der Fernmeldedienstleister auch in Bulgarien und Rumänien aktiv. Das veranlasste die Deutsche Telekom, seit 2008 von der griechischen Regierung 30 Prozent der Anteile an OTE für fast vier Milliarden Euro zu erwerben. Jetzt bekommt der deutsche Branchenprimus weitere zehn Prozent für lediglich 400 Millionen Euro, weil Athen dringend Geld braucht, um seinen Haushalt zu sanieren. Für Roger Appleyard, Analyst von RBC Capital Markets, ein Schnäppchenpreis: "Langfristig bietet die OTE-Aktie Chancen, weil das Unternehmen am stärksten vom wachsenden Breitbandmarkt in Südeuropa profitieren wird."

Hohe Rendite mit Sportwetten

Selbst in der Krise verzeichnen einige allein auf den griechischen Markt fokussierte Firmen solide Erträge. Der Sportwettenanbieter OPAP erzielte 2010 bei einem Umsatz von 5,1 Milliarden Euro einen Gewinn von 576 Millionen Euro. Trotz der guten Zahlen fiel die Aktie seit März um 30 Prozent, weil die griechische Regierung ihren 34-prozentigen Anteil an der Gesellschaft veräußern will. Offen ist, ob das Unternehmen beim Ausstieg des Staates auch seine bisherige Monopolstellung verlieren würde. Eine Reihe von Analysten raten dennoch zum Kauf - allein schon wegen der Dividendenrendite. Die beträgt auf dem gegenwärtigen Kursniveau 12,3 Prozent. Das heißt, selbst wenn OPAP irgendwann einmal die Hälfte des Gewinns einbüßen sollte und die Dividende entsprechend kappen müsste, würde die Ausschüttungsrendite immer noch attraktive sechs Prozent betragen.



Quelle: Financial Times Deutschland , t-online.de

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