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Schiffsbanken verlieren Geduld

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Schiffsbanken verlieren die Geduld

05.09.2011, 15:16 Uhr | Financial Times Deutschland

Deutsche Schifffahrtsindustrie vor Problemen (Quelle: imago)

Deutsche Schifffahrtsindustrie vor Problemen (Quelle: imago)

Deutsche Banken erhöhen den Druck auf ihre angeschlagenen Schifffahrtskunden. Die Institute sind immer weniger bereit, Kunden mit Tilgungsstundungen unter die Arme zu greifen.

Damit ist es wahrscheinlich, dass es zu einer steigenden Zahl von Zwangsversteigerungen und erzwungenen Verkäufen von Schiffen kommen wird. "Wir schließen nicht aus, dass Marktteilnehmer stärker als bislang zur Verwertung von Schiffen schreiten werden", sagte Holger Janssen, Leiter der Schiffsfinanzierung bei der deutschen Unicredit, der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Banken ziehen Reißleine

Banken haben aktuell in einigen Fällen bereits die Reißleine gezogen. Der jüngste Fall ist der Tanker "Hellespont Trust", der dem Dachfonds Shipping Select 28 des Hamburger Fondshauses HCI Capital gehört. Das finanzierende Konsortium unter Führung der Commerzbank lehnt weitere Tilgungsstundungen ab und verlangt, dass der Fonds für das Schiff die Tilgung des Kredits wieder aufnimmt und ausgesetzte Zahlungen nachholt.

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"Das kann der Fonds nicht erfüllen", sagte eine HCI-Sprecherin. Jetzt muss das Schiff verkauft werden, um eine Insolvenz zu vermeiden. Aufseiten der Banken hieß es, der Fonds habe schon vor zwei Jahren umfangreich gestützt werden müssen. Der aktuelle Wert des Schiffes liege weit unter dem valutierten Darlehen.

Stundungen werden schwieriger

Banken hatten in den vergangenen Jahren viele Schiffe mit Stundungen über Wasser halten müssen. Oft verlangten sie dafür Nachschüsse der Anleger. "Die Bereitschaft, Tilgungen zu stunden, kann auch für künftige Restrukturierungen nur ein möglicher Baustein sein, der neben den Beiträgen der Gesellschafter und weiterer Beteiligter ein in sich schlüssiges Konzept voraussetzt", sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Schiffsbank, Stefan Otto.

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Ein weiterer Grund für die Nervosität der Banken Bislang sei die Zahl der Zwangsversteigerungen noch nicht angestiegen, sagte Otto weiter. Ob dies so bleibe, liege auch an den Anlegern. "Die Entwicklung der Schifffahrtsmärkte und das Verhalten der Marktteilnehmer und Gesellschafter dürfte diese Situation künftig beeinflussen."

Verkauf wird Versteigerung vorgezogen

Die Commerzbank  und ihre Tochter Deutsche Schiffsbank haben in den letzten Wochen bereits die Versteigerung einer Reihe von Schiffen erwirkt. Darunter sind der Tanker "Marnavi Splendor" und die Containerschiffe "John Mitchell" und "Lilly Mitchell" - alle drei gehören Schiffsfonds. Allerdings bevorzugen die Banken nach wie vor einen geräuschlosen Verkauf von Problemschiffen. Im vergangenen Jahr wurde bereits eine Reihe von Schiffen stillschweigend an andere Reeder übertragen, wenn die Bank das Vertrauen in den ursprünglichen Kreditnehmer verloren hatte.

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Ein weiterer Grund für die Nervosität der Banken: Nach drei Jahren Tilgungsstundung müssen sie den Kredit als notleidend (Non-Performing Loan) einstufen. Dafür benötigen sie mehr Eigenkapital. Für eine Reihe von Schiffen werden die drei Jahre bald erreicht. "Wir suchen nach Lösungen unter stärkerer Einbindung der Anleger", sagte Carsten Wiebers, Leiter Schiffsfinanzierung KfW Ipex. Deutsche Banken sind weltweit führend in der Schiffsfinanzierung- eine Folge des jahrelang boomenden Marktes für Schiffsfonds. Seit der Krise kehren Privatanleger den Fonds jedoch den Rücken. Das wirkt sich auf die Position der Institute aus. "Deutsche Banken werden im Schiffsfinanzierungsgeschäft erheblich an Einfluss verlieren", sagt Wiebers. Asiatische, vor allem chinesische, Banken werden davon profitieren, glaubt er.


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Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (4)

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Thema: "Schiffsbanken verlieren Geduld"

Nachdenker schrieb: am 8. Oktober 2011 um 11:44:26
(1) (0) Schiffsfonds Teil 2
Durch die niedrigen Frachtgebühren fahren die Schiffe letztendlich reale Verluste ein. Die Anteilseigner müssen nun die
Verluste real tragen und können gegenüber dem Finanzamt nicht mehr nur steuersparende Buchungsverluste abrechnen. Wie üblich wollen weder die Privatanleger noch die Banken bezahlen, sondern nur Gewinne kassieren oder Steuern sparen. Jeder der Anleger wußte bescheid + kannte das Risiko. Also sollen die jetzt selber zahlen.
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Tonio schrieb: am 5. September 2011 um 23:00:24
(5) (0) Schiffe
Vor 35 Jahren hieß es schon, an den Schiffen wird Geld verdient, nicht mit den Schiffen. So wird es heute nicht besser sein.
Verstehe nur nicht, warum deutsche Schiffe unter fremder Flagge finanziert werden ? Die Banken machen sich mitschuldig beim Lohn und Frachtdumping.In Deutschland ist alles geregelt und muß geprüft sein, kostet Geld. Geht man lieber in eine Bananenrepublik, ohne SUK usw, vor allem ohne Lohntarife & billige Steuern.Der Staat unterstützt dann noch diese Banken, geil was ?
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Bernd schrieb: am 5. September 2011 um 16:23:26
(1) (0) Schiffsbanken
Ganz besonders deutsche Reeder bauen Schiffe obwohl kaum Eigenkapital vorhanden ist und tragen so zum Verfall der Frachtraten
bei. An Wartung, Besatzung, Verpflegung und Sicherheit wird dann gespart um die Geldgeber und Anteileigner nicht zu enttäuschen !
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