18.02.2010, 12:42 Uhr | Financial Times Deutschland
Ein Quickborner Ortschild. (Quelle: Wikipedia/ Joachim Müllerchen)Meike Wölfel kommt sich vor wie im Märchen "Die Sterntaler". Die Kämmerin der verarmten Stadt Quickborn muss so viel Gutes tun. Zum Beispiel die Schulgebäude sanieren, damit die Söhne und Töchter der schleswig-holsteinischen Kleinstadt auch fleißig lernen können. Doch wie? Die Stadt ist klamm, schuld sind sinkende Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Es fehlen Millionen. Doch weil die Stadt Gutes im Schilde führt, wird sie belohnt. Binnen wenigen Tagen fallen ihr vier Millionen Euro in den Schoß. Die Rettung!
Das Märchen beginnt bei einer Bürgerversammlung. Böse Worte machen die Runde - wie "Finanzierungslücke" oder "Konjunkturkrise". Da hat eine Bürgerin eine Idee: Sie, die Bürger, könnten doch für ein Jahr einspringen und die Millionenlücke schließen. Bürgermeister Thomas Köppl ist begeistert. Auch er habe daran schon gedacht.
Das Quickborner Stadtwappen. (Quelle: Stadt Quickborn)
Alle scheinen zufrieden
Schnell ist das Konzept entwickelt: Mindestens 5000 Euro müssen eingezahlt werden, für ein Jahr, verzinst mit drei Prozent. Das ist für die Stadt billiger als Geld von Banken. Die Bürger wiederum kriegen mehr als bei Banken. Das überzeugt. In wenigen Tagen hat die Stadt die benötigten vier Millionen Euro zusammen. Die Angebote nehmen kein Ende. Sie kommen von überall her - nicht nur aus Quickborn. Alle scheinen zufrieden. Bis auf die Banken.
Banken üben Kritik
Die geizen zwar im Allgemeinen mit Krediten, nicht aber mit Kritik. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) etwa sieht gar die regionale Finanzinfrastruktur gefährdet. Örtlichen Kreditinstituten würden Kundeneinlagen entzogen. Die stünden damit nicht für deren Kreditvergabe an die örtliche Wirtschaft zur Verfügung. Und überhaupt: Das Quickborner Modell sei sehr aufwendig. Der Vorteil durch die geringeren Zinsen könnte durch zusätzliche Verwaltungskosten aufgefressen werden.
Experten nennen das Modell "exotisch"
Verwaltungskosten? Meike Wölfel, die Kämmerin der Stadt, muss schmunzeln. Wozu gebe es denn Computer und Serienbriefe, fragt sie zurück. Die Stadt benötige die Liquidität doch nur kurzfristig. Deshalb habe sie einen ebenso kurzen Vertrag entworfen. Nur ein paar Zeilen: Name, Höhe des Kredits sowie die Zinsen. So einfach ist das in Quickborn. Kapitalmarktexperten halten das Modell zwar für "exotisch". Für die Anleger biete es aber durchaus eine interessante Verzinsung.
Celle hatte ähnliche Idee
Auch im niedersächsischen Celle wollten die Stadtväter zehn Millionen Euro einsammeln - jedoch weniger simpel per Kommunalanleihe. In erster Linie ging es ums Zinsensparen. Darüber sollen sie vergessen haben, die Verwaltungskosten einzuplanen. Während sich in Quickborn vor allem die Schüler, aber auch die Stadtoberhäupter über den Sterntalersegen freuen, grübeln die Celler Kollegen noch mal kräftig über ihre scheinbar clevere Idee.