Auslieferungstermin für den Dreamliner entschwindet
25.11.2010, 12:19 Uhr | Financial Times Deutschland
Neue Probleme beim Dreamliner (Foto: dpa)Seit der Notlandung eines 787-Testflugzeugs am 9. November in Texas nach einem 30-Sekunden-Brand in der Stromanlage war Fachleuten klar, dass dies eine weitere Verschiebung für den Zeitplan des neuen Langstreckenmodells bringt. Dem offiziellen Plan zufolge sollte die erste Boeing 787 im Februar 2011 ausgeliefert werden. Nach dem jüngsten Zwischenfall müssen die Jets erst gegen Kurzschlüsse gesichert werden. Den neuen Zeitplan für den Dreamliner gibt es erst in einigen Wochen.
Drei Jahre liegt die Erstauslieferung des ersten großen Passagierflugzeugs mit Rumpf und Flügel aus leichten Kohlefaserkunststoffen nach einer zurückliegenden Pannenserie bereits zurück. Nun hat Boeing erstmals mehr Einblick in die Ursachen und Auswirkungen des jüngsten Zwischenfalls gegeben.
Es seien kleinere Designänderungen an der Stromverteilstation sowie eine Änderung der Software zur Steuerung und zum Schutz der Flugzeug-Stromversorgung notwendig, teilte der US-Flugzeughersteller nun mit. Es werde ein Plan entwickelt und dann der US-Luftfahrtaufsicht vorgelegt, um wieder mit den Flugtests fortzufahren. Wann das ist, teilte Boeing aber nicht mit. Derzeit stehen alle 787-Testflugzeuge am Boden.
Kurzschluss hält Boeing am Boden
Auslöser für den Kurzschluss in der Stromverteilstation sei ein Fremdkörper gewesen, heißt es in der Mitteilung. In US-Medien wurde von einer losen Aluminium-Unterlegscheibe berichtet, die den Kurzschluss ausgelöst haben könnte.
Boeing nennt noch keinen Zeitraum, wie lange die Entwicklung der Designänderungen in der Stromverteilstation und der neuen Software dauert. "Ein überarbeiteter 787-Zeitplan wird voraussichtlich in den nächsten Wochen fertiggestellt", heißt es. Damit wird deutlich, dass Boeing auch die rund zwei Dutzend bereits fertig produzierter 787-Modelle nochmals ändern muss. Nach dem offiziellen letzten Boeing-Zeitplan sollte die Erstauslieferung im Februar 2011 erfolgen. Branchenkenner halten inzwischen eine Verschiebung bis Anfang 2012 für möglich.
Prüfer beim Zwischenfall an Bord
Der jüngste Zwischenfall war für Boeing besonders peinlich, weil ausgerechnet ein Prüfer der US-Luftaufsichtsbehörde FAA im Cockpit saß, als der Brand ausbrach, der die Stromversorgung teilweise lahmlegte und zur Notlandung zwang. Angeblich standen dem Piloten nur noch die allerwichtigsten Instrumente zur Verfügung, um das Flugzeug noch zu landen. Zur Stromversorgung diente dabei ein kleiner Notpropeller, der ausgeklappt werden kann und wie ein Fahrraddynamo funktioniert.
Als jüngst Bilder des 787-Brandherdes im Internet auftauchten, setzte Boeing alles daran, dass diese sofort gelöscht werden. Boeing forderte die Verantwortlichen für die Internetseiten auf, die Aufnahmen zu entfernen, weil sie für Boeing vertrauliche Informationen enthielten. Zu sehen waren verschmorte Kabel, angebrannte Relais sowie geschmolzene Metall- und Kunststoffteile.