Nach 70 Jahren fällt das Monopol der Schornsteinfeger (Quelle: AP)In dieser Heizsaison können Hausbesitzer in Deutschland erstmals seit 1935 einen Schornsteinfeger ihrer Wahl mit dem Kaminkehren beauftragen. Etwa 100 Schlotfeger machen den bisherigen "Platzhirschen" auf den Dächern - den Bezirksschornsteinfegern - neuerdings Konkurrenz. Noch bieten die "Freien" ihre Dienste nicht flächendeckend an. Aber ihr Netz wird zunehmend dichter. Die Vorteile für Verbraucher: Kaminkehren und Feueranlagen prüfen sind 10 bis 30 Prozent billiger zu haben.
Ein weiterer Vorteil: Es wird mehr Service angeboten. Zum Beispiel durch Termine an Samstagen oder am frühen Abend. Dass es jetzt Alternativen zum staatlich verordneten Schornsteinfeger gibt, "wird ganz viele Bürger freuen", meint Christian Michaelis, Energieexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Seit Jahrzehnten gebe es schon Beschwerden über zu hohe Rechnungen oder Bevormundung. "Wir raten dazu, die Lockerung zu nutzen", rät Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher.
EU will mehr Wettbewerb
Möglich wurde das Aus für das über 70 Jahre alte Kehrmonopol auf Druck der Europäischen Union (EU). Bislang herrschten die rund 8500 Bezirksmeister bis zur Rente konkurrenzlos über ihre deutschen Kehrbezirke. Seit vergangenem Dezember ist der abgeschottete Markt aufgebrochen. Es steht nun auch französischen, polnischen oder holländischen Schornsteinfegern frei, die hiesigen Kamine zu säubern. Grundlage für die Lockerung ist die seither gültige neue Handwerksverordnung.
Drei Jahre Schonfrist
Das Problem an der Neuordnung: Bis Ende 2012 können deutsche Schornsteinfeger die Liberalisierung nicht direkt nutzen. In dieser Übergangszeit sollen sich die insgesamt 20.000 Schlotfeger in Deutschland zwar auf mehr Wettbewerb einstellen, sind aber nach wie vor an Bezirke gebunden. Wer jetzt schon den alteingessenen Betrieben Konkurrenz machen will, muss einen Umweg nehmen.
Trickreicher Umweg
Das funktioniert so: über die Anstellung bei einer in Deutschland zugelassenen EU-Firma, etwa mit Sitz im benachbarten Österreich. Genau diese legale Lücke haben die etwa 100 deutschen Schlotfeger entdeckt, die derzeit als unabhängige Dienstleister auf den heimischen Markt kommen. "Wir sind im Wachstum und im Aufbau", sagt ihr Sprecher Kai Behrens. Die Resonanz der Bürger sei "riesig", betont auch Schornsteinfegermeister Wolfgang Frei aus Mengen in Baden-Württemberg. Alle "Freien" seien nach deutschem Standard ausgebildet und qualifiziert.
So findet man einen Freien
Wer seinem Monopol-Kaminkehrer den Rücken kehren will, findet auf der Internetseite der unabhängigen Anbieter unter freie-schornsteinfeger.eu eine mögliche Alternative. Ist die Wahl einmal getroffen, muss noch eine Formalität erledigt werden, nämlich das Einholen eines so genannten Feuerstättenbescheids beim bisherigen Bezirksschonsteinfeger. Der Bescheid ist seit Juni 2009 für jedes Haus vorgeschrieben. Die Kosten für die Ausstellung können je nach Bundesland und Objekt leicht variieren. Besitzer eines Einfamilienhauses in Baden-Württemberg zahlen beispielsweise gut zehn Euro. Mit dem Bescheid kauft der Hausbesitzer sich praktisch "frei". Auf Basis dieser Stammdaten fürs Haus darf der neue Schlotfeger dann ein Angebot machen.
Gebührenordnung fällt 2013
Kräftige Preisabschläge seien leider nicht möglich, weil die Gebühren schon eng genug seien, erläutert Behrens. "Aber 10 Prozent von 50 oder 80 Euro sind ja auch schon was", meint Verbraucherschützer Michaelis. Was die Bürger viel mehr locken könnte, sei die neue Freiheit bei der Auftragsvergabe, eine kundenfreundliche Terminabsprache und vereinfachte Rechnungsstellung. Wenn die Gebührenordnung 2013 wegfällt, könnte der Wettbewerb jedoch richtig in Gang kommen.
Feger-Verband bleibt gelassen
Beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks bleibt man ob der Konkurrenz erst einmal gelassen: "Wer mit seinem zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister zufrieden ist und sich lästige Terminverfolgung und Aufwand mit Formalitäten sparen möchte, lässt einfach weiterhin alle Arbeiten von diesem durchführen", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2008.