20.09.2011, 09:13 Uhr | dpa
Griechenland kämpft weiter gegen den Schuldenberg. (Quelle: Reuters)
Angesichts der drohenden Staatspleite kämpft die griechische Regierung entschlossen um die dringend benötigten Milliarden aus dem Hilfsprogramm von EU und IWF. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos zeigte sich am Montag zu harten Einschnitten bereit. Dazu gehört nach seinen Worten auch die Schließung von unrentablen Unternehmen, die von staatlichen Subventionen abhängen - bis zum Jahresende.
Am Abend begann eine Telefonkonferenz, in der Venizelos die "Troika" aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) bewegen wollte, ihre Arbeit in Athen wieder aufzunehmen. Nach dem Ende der Gespräche, die möglicherweise bis in die Nacht dauern könnten, sei keine Erklärung zu erwarten, hieß seitens des Finanzministeriums. Es könne sogar eine Fortsetzung am Dienstag nötig werden, hieß es.
Ein positiver Bericht der Troika über die Athener Budgetsanierung ist Vorbedingung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche von acht Milliarden Euro aus dem alten Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro. Fließen die Milliarden nicht, droht Griechenland nach offiziellen Angaben in Athen im Oktober die Zahlungsfähigkeit.
Die Delegation hatte die Regierung Anfang September aufgefordert, noch mehr für die Sanierung der Staatsfinanzen zu tun und war überraschend ohne positives Votum aus Athen abgereist. Die Hängepartie belastete am Montag auch den Euro sowie die Aktienmärkte.
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Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho warnte in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" vor erheblichen Folgeschäden für die gesamte EU, sollte Griechenland in den Abgrund schlittern.
Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin wies am Montag erneut jegliche Spekulationen über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zurück. "Das ist keine Arbeitshypothese. Das ist nicht unsere Strategie", sagte er nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP bei einem Treffen mit afrikanischen Amtskollegen in Paris. Ziel sei es, die Ergebnisse vom EU-Gipfel am 21. Juli umzusetzen. Auf der anderen Seite kenne die griechische Regierung ihre Pflichten, Aufgaben und Verantwortlichkeiten gegenüber den Gläubigern.
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Die EU-Kommission dringt gegenüber dem hoch verschuldeten Griechenland auf die vereinbarten Spar-, Reform- und Privatisierungsziele, wie ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn bekräftigte. "Falls es Unzulänglichkeiten geben sollte, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden." Zugleich trat der Sprecher Spekulationen entgegen, wonach die EU von sich aus mehr von Athen verlange: "Wir wollen eine volle Erfüllung der vereinbarten Ziele - nicht mehr, nicht weniger."
Aus Kreisen des Finanzministeriums hieß es, die "Troika" fordere die Einhaltung längst gegebener Zusagen. Darunter sei der Ausgleich des Preises für Heizöl (bislang rund 90 Eurocent) mit dem Treibstoffdiesel (etwa 1,40 Euro). Zudem sollen rund 50.000 Staatsbedienstete sofort und weitere 100.000 bis 2015 entlassen werden. 117 Betriebe, die vom Staatshaushalt unterstützt werden, müssen so bald wie möglich schließen.
Zentrale weitere Maßnahme für die Sanierung der Staatsfinanzen soll die bereits angekündigte Immobilien-Sondersteuer sein. Demnach soll jeder Grieche, der eine Wohnung oder ein Haus besitzt, in diesem und im kommenden Jahr eine Abgabe zwischen 50 Cent und 16 Euro pro Quadratmeter zahlen - je nach Wert der Immobilie. Auch Renten sollen weiter gekürzt werden, hieß es.
Venizelos unterstrich den Ernst der Lage. "Die Zeit drängt. Wir müssen in wenigen Wochen Reformen durchführen, die wir Jahrzehnte lang nicht gemacht haben", sagte er auf einer Konferenz des britischen Wirtschaftsmagazins "Economist", die vom griechischen Fernsehen übertragen wurde. Athen plant ein Bündel von Maßnahmen: Die Staatsausgaben sollen weiter verringert, Steuerhinterziehung soll penibel erfasst werden - allerdings ist die Umsetzung angesichts der Verwaltungsmängel schwierig.
Griechenland steckt tief in der Rezession. "Die Wirtschaft wird dieses Jahr um 5,5 Prozent schrumpfen", berichtete Venizelos. Dies habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Zuvor hatte die Regierung minus 5 bis 5,3 Prozent veranschlagt.
"Wenn sie (die Troika-Vertreter) nicht heute sagen, dass sie nach Athen kommen, dann haben wir ein gewaltiges Problem", sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums.
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Quelle: dpa
Pierre schrieb:
am 20. September 2011 um 11:49:46
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Griechenland
Wie ich schon mehrfach sagte, ein Cut zur rechten Zeit hätte allen Staaten geholfen, aber dafür ist es schon fast zu spät.
Jetzt wird es langsam Zeit für Plan B, also Griechenlands Rückkehr zur Drachme. Wichtig wäre nur, dass es unheimlich schnell geht und das nicht immer alles von unserer politischen Spitze zerredet wird.
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Rosch schrieb:
am 20. September 2011 um 09:21:50
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Schuldenkrise
Im Artikel ist es angeklungen "Wir müssen in wenigen Wochen Reformen durchführen, die wir Jahrzehnte lang nicht gemacht
haben" Das dabei die Bevölkerung die das bezahlen muß, nicht begeistert ist ist verständlich. Die Gewerkschaften und die Opposition die eigentlich wissen müßten wie es um das Land bestellt ist verweigern sich. Es geht offensichtlich nach dem Motto: Reformen ja, aber bitte nicht bei mir. Das das nicht funktioniert dürfte auch jedem klar sein.
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Rafael schrieb:
am 20. September 2011 um 07:34:27
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Griechenland
Das wird ein Fass ohne Boden. Ich habe erhebliche Zweifel das Griechenland es schafft, die Bedingungen zu erfüllen.
Normalerweise nennt man so etwas Konkursverschleppung. Und dieses Hick-Hack wird auf unser aller Rücken ausgetragen. Die Griechen, die Geld haben, haben es doch längst ausser Landes gebracht. Es geht immer weiter abwärts.
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