06.01.2012, 14:41 Uhr | AFP, dpa-AFX, t-online.de
Die irische Wirtschaft schien das Unmögliche vereinen zu können: harten Sparkurs mit Wirtschaftswachstum. Doch jetzt zeigt sich, dass der Jubel verfrüht war, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Freitags-Ausgabe. Irland, stark von Exporten abhängig, fürchtet mögliche Negativeinflüsse der Euro-Krise. Die Wirtschaft bricht ein, die Arbeitslosigkeit steigt. Angesichts "fragiler Aussichten" braucht das Land frische Hilfsgelder.
Vor wenigen Wochen wurde die irische Wirtschaft noch von vielen Ökonomen und Politikern als erfolgreiches Sparvorbild für die anderen Krisenländer am Rand der Eurozone gefeiert. Nun droht sie erneut abzustürzen. Nur dank ihrer Exporte konnte die kleine, offene Ökonomie im vergangenen Jahr ein wenig wachsen. Diese letzte Stütze dürfte nun wegbrechen, schreibt die "FTD". Wenn wichtige Handelspartner der Insel in die Rezession rutschen, könne die irische Wirtschaft im Gesamtjahr 2012 sogar wieder schrumpfen, meint Peter Dixon, Ökonom bei der Commerzbank in London.
Noch im Herbst priesen viele Beobachter Irland als Paradebeispiel für eine erfolgreiche Konsolidierung. Die Strategie Dublins schien lange aufzugehen: Zwar brach die Binnenwirtschaft wegen der harten Einschnitte weg, doch steigende Ausfuhren kompensierten diesen Einbruch. Noch rechnet die irische Regierung für 2012 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um rund ein Prozent. Doch Experten befürchten, dass die irische Wirtschaft wieder in die Rezession rutscht.
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Angesichts der Krise im Euroraum ist die auf Exporte angewiesene irische Wirtschaft angeschlagen. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres ging das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent im Vergleich zum vorhergehenden Quartal zurück. Brechen weitere Nachfrager nach irischen Produkten weg, dürften die Wachstumsziele kaum zu verwirklichen sein. Denn die irische Binnenwirtschaft lahmt ebenfalls. Die reale heimische Nachfrage dürfte in diesem Jahr unter dem bereits schwachen Jahr 2011 liegen, schreibt die "FTD". Angesichts einer desaströsen Lage am Arbeitsmarkt sei das kein Wunder.
Zwar sind durch Investitionen multinationaler Unternehmen in Irland im vergangenen Jahr rund 13.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Nach Angaben der nationalen Agentur für industrielle Entwicklung (IDA) investierten Konzerne wie Intel, IBM, Coca-Cola, Pfizer, PayPal und Twitter in Irland, wo die Körperschaftssteuer mit 12,5 Prozent ausgesprochen niedrig ist. 700 Millionen Euro seien neu in Irland investiert worden - ein neuer Rekord. Die Produkte multinationaler Unternehmen machen mehr als 70 Prozent der irischen Exporte aus. Doch die Arbeitslosenquote liegt bei hohen 14,3 Prozent.
Um eine schwere Wirtschaftskrise zu überwinden, hatte die irische Regierung im Herbst 2010 ein 85 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket mit EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) vereinbart. Daraufhin konnte das von der Finanzkrise besonders hart getroffene Land im vergangenen Jahr seine Steuereinnahmen wieder etwas steigern. Die Einnahmen für 2011 lagen bei 34 Milliarden Euro und damit um 7,2 Prozent über den Einnahmen des Vorjahres, wie das Finanzministerium in Dublin mitteilte. In den drei Jahren zuvor waren die Steuern kontinuierlich gesunken. Vornehmlich sei dafür ein Anstieg bei der Einkommensteuer um 22 Prozent verantwortlich.
Allerdings liegen die Einnahmen auch um 2,5 Prozent unter dem Ziel, das sich die irische Regierung selbst gesteckt hatte. Das Haushaltsdefizit - ohne die Einmalausgaben für den Bankensektor - liege um 2,75 Milliarden Euro niedriger als noch im Jahr 2010. "Das zeigt, dass wir Fortschritte dabei machen, unsere öffentlichen Finanzen auf einen nachhaltigeren Weg zu bringen", sagte Finanzminister Michael Noonan.
Indes: Der IWF hatte Europas Entscheidungsträger noch vor Weihnachten dazu aufgefordert, um das finanziell angeschlagene Irland einen Schutzschild zu errichten. Die Aussichten für das Land seien weiter “fragil” - vor allem wegen der Ausweitung der europäischen Staatsschuldenkrise. Diese könne das Wachstum in Irland hemmen, die Kosten für die Rückkehr an den Anleihemarkt erhöhen und es dem Land zudem erschweren, Vermögenswerte zu verkaufen.
Irland hatte nach einer tiefgreifenden Immobilien- und Bankenkrise im Herbst 2010 als erstes Land der Eurozone den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds in Anspruch nehmen müssen. Dublin hatte 67,5 Milliarden Euro an Garantien erhalten. Seitdem hat der 4,5-Millionen-Einwohner-Staat alle Vorgaben der internationalen Geldgeber erfüllt.
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Am Donnerstag konnte der Euro-Rettungsschirm EFSF bei seiner ersten Platzierung einer dreijährigen Anleihe problemlos Milliarden für die Schuldensünder Irland und Portugal einsammeln. Die Summe der Gebote lag mit 4,5 Milliarden Euro deutlich über dem angestrebten Emissionsvolumen von 3,0 Milliarden Euro. Der EFSF leitet das Geld an Irland und Portugal weiter. Den beiden hoch verschuldeten Eurostaaten wird auf diese Weise vergleichsweise günstig frisches Geld verschafft, da sie sich selbst an den Märkten nur noch teuer refinanzieren können. Im Jahr 2012 brauchen die beiden Staaten insgesamt 24 Milliarden Euro.
Irland nutzt das Kapital vor allem, um etwaige Verluste im Zuge einer weiteren Abschwächung der einst so wachstumsstarken irischen Wirtschaft zu verkraften. Damit einher geht eine Radikalkur für den über Jahre aufgeblähten Banken-Sektor, dem das Platzen einer Immobilienblase das Genick brach. Die Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.
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Quelle: AFP , dpa-AFX , t-online.de
Peter Kock schrieb:
am 9. Januar 2012 um 10:45:32
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EU-Schuldenkrise
Die " POLITIKER " haben nur nicht begriffen das das ewige Stopfen von Löchern - ohne wirklich zu sparen - nichts
bringt und das Problem nur zeitverzögert wieder da ist ! Aber wenn z.B. der Finanzminister NRW öffentlich erklärt das die "Schuldenbremse die Selbstentmündigung der Politiker ist " hat man doch die Antwort warum das so ist wie es ist. Noch Fragen ?
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Kritik schrieb:
am 9. Januar 2012 um 08:09:15
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Musterknabe Irland Probleme
Man hat uns die "Beruhigungspille" gegeben, dass es Irland schafft -mit dem Ziel- weitere
Unterstützungen für Pleitestaaten zu rechtfertigen.
Jetzt sehen wir, dass die Unterstützungsaktionen weitergehen - wie lange noch? Die Verschuldungen steigen in allen Staaten trotz bester wirtschaftlicher Voraussetzungen. Diese Politik-Clique macht das gesunde Kerneuropa platt.
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liber schrieb:
am 7. Januar 2012 um 02:59:47
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jetzt auch noch irland
Warum muss Irrrrrgendwer eigentlich immer eine neue Sau durchs Dorf jagen.
Haben unsere " Oberen "noch nicht
gemerkt, dass dann jedesmal der € nohc weiter in den Keller fährt - oder wollen die auf diese Weise, dass der € verschwindet und wir dadurch eine Währungsreform haben. Irgendwie muss das Geld ja kleinzukriegen sein. Offensichtlich gibt es zu viel - nur haben es leider die falschen.
Vielleicht könnten die Iren bei den Griechen die fälligen Steuern eintreiben,
wäre mal eine
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