
14.05.2010, 12:51 Uhr | Spiegel Online
Der Absturz des Euro ist ein erschreckendes Signal: Die Finanzmärkte bezweifeln, dass Griechenland seine Probleme in den kommenden Jahren lösen kann. Die Europäische Zentralbank fürchtet nun einen Flächenbrand - es geht um nicht weniger als die Existenz der Gemeinschaftswährung.
José Luis Zapatero gilt nicht als Heißsporn. Der spanische Ministerpräsident verliert selten die Fassung. Jetzt jedoch trat er in Brüssel sichtlich genervt vor die Mikrofone. An den Finanzmärkten kursierten Gerüchte, denen zufolge Spanien in Kürze einen Antrag auf Finanzhilfe durch die Euro-Gemeinschaft stellen wolle. "Das ist kompletter Irrsinn", polterte Zapatero.
Doch sein Ausbruch am Dienstag dieser Woche schürte das Misstrauen erst noch. Und so genügte auch die Bestätigung der erstklassigen Bonität Spaniens durch die Rating-Agentur Fitch nicht mehr, um die Investoren zu beruhigen. Die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen auf spanische Staatsanleihen verteuerten sich innerhalb weniger Handelsstunden sprunghaft um 18,5 Prozent.
Ein Gerücht mit unbekannter Quelle, ein nervöses Dementi eines Regierungschefs - es braucht derzeit wenig, um die Finanzmärkte in Aufruhr zu versetzen. An diesem Mittwoch teilte dann die US-Ratingagentur Moody's mit, Portugals Staatsanleihen drohe erneut eine Abwertung der Bonität um ein, zwei Stufen.
Der Eindruck: Immer weniger Investoren scheinen bereit, auch nur einen Cent auf Europas Regierungen und die Gemeinschaftswährung zu setzen. Dabei richtet sich das Misstrauen nicht allein gegen Staaten wie Griechenland, Spanien und Portugal. Das Problem ist mittlerweile viel größer. Der Euro insgesamt gerät unter Druck.
In der Nacht zum Mittwoch fiel sein Kurs erstmals seit April 2009 unter die Marke von 1,30 Dollar - und nähert sich nun einem Wert von 1,28 Dollar. Experten wie Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gehen davon aus, dass am Ende rund 1,20 Dollar auf dem Kurszettel stehen könnten. Die Analysten der Bank of New York Mellon gehen sogar von 1,10 Dollar aus, und manche Fachleute gehen noch weiter. "Bis zum Jahresende könnte ich mir eine Parität zum Dollar vorstellen, da die Märkte ja bekanntlich gern übertreiben", sagte der Präsident des deutschen Exportverbands, Anton Börner, an diesem Mittwoch. Auf gut Deutsch: Ein Euro könnte dann nur noch einen Dollar wert sein.
An und für sich stellt die Abwertung kein Problem dar. Im Gegenteil: Lange Zeit klagte die Wirtschaft über einen zu teuren Euro im Vergleich zur US-Währung. Auch im Verhältnis zum chinesischen Yuan, der an den Dollar gekoppelt ist, fühlten sich die Europäer im Nachteil. "Wenigstens dieser Druck lässt jetzt ein wenig nach", sagt ein Händler.
Doch überbewerten sollte man die Vorteile eines vergünstigten Wechselkurses nicht. "Speziell die deutsche Industrie ist in den weniger preissensiblen Hochtechnologie-Segmenten stark", sagt Belke. "Dementsprechend ist der Vorteil jetzt begrenzt." Dazu komme, dass sich die Unternehmen nach den Erfahrungen mit vergangenen Währungsschwankungen weithin abgesichert und damit das Risiko volatiler Wechselkurse weitgehend eliminiert hätten.
Umgekehrt bringt ein niedriger Eurokurs kaum Nachteile. Für Touristen aus Euro-Ländern werden Auslandsreisen teurer, aber sonst - nicht einmal der in Dollar zu entrichtende Ölpreis stellt nach Ansicht von Experten ein Problem dar: "Die hohe Kaufkraft des Euro hat in der Vergangenheit Spielräume für Preiserhöhungen geschaffen", sagt Belke. Diese seien jetzt wieder geringer geworden.
Das eigentliche Drama des Kursverfalls liegt woanders. "Die Finanzmärkte trauen den Europäern schlicht nicht mehr zu, dass sie die Schuldenkrise in den Griff bekommen", sagt Manfred Jäger, Finanzmarktexperte beim Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft.
Noch deutlicher wird Mohammed El-Erian, Topmanager von Pimco, einem der größten Anleihe-Spezialisten der Welt: "Die Nothilfen für Griechenland werden zwar die Liquiditätsengpässe beseitigen, die Solvenzprobleme des Landes aber nicht lösen." Erik Nielsen von Goldman Sachs glaubt gar, dass die Hilfsgelder kaum ausreichen, um den angepeilten Zeitraum von drei Jahren zu überbrücken.
Im Sanierungsprogramm der griechischen Regierung klaffen erhebliche Lücken. Für die Jahre 2013 und 2014 sind zwar Einsparungen von rund zehn Milliarden Euro angekündigt. Laut "Financial Times Deutschland" fehlen aber konkrete Vorschläge, wo Athen kürzen will. Auch bei den für 2012 angekündigten Sparmaßnahmen gebe es noch eine Kluft von rund 900 Millionen Euro. Hinzu kommen Zweifel, ob die griechische Bevölkerung dem drakonischen Spardiktat folgen wird - vor allem nach den Demonstrationen an diesem Mittwoch.
Wie dramatisch die Verantwortlichen die Situation beurteilen, zeigt eine bemerkenswerte Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie kündigte an, künftig auch Ramschanleihen als Sicherheiten für Bargeld zu akzeptieren. "Das ist ein eklatanter Bruch der selbst gesetzten Regeln", sagt DIW-Finanzexperte Belke. "Daran werden sich die Marktakteure noch lange erinnern."
Den Zentralbankern sitzt die Angst vor einem Flächenbrand im Nacken, den sie nicht mehr kontrollieren könnten und der die Währungsunion pulverisieren könnte. "Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde in der gegenwärtigen sehr fragilen Lage ein erhebliches Risiko für die Stabilität der Währungsunion und des Finanzsystems darstellen", sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber. Er sehe die Gefahr der Ansteckung für weitere Mitgliedstaaten der Währungsunion und "sich verstärkende Rückkopplungseffekte auf den Kapitalmärkten". "Hier wird im Moment von Spekulanten ein Angriffskrieg gegen die Euro-Zone geführt", sagte Jochen Sanio, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Haushaltsausschuss des Bundestags.
Mittlerweile wird über einen noch weitergehenden Schritt spekuliert: Demnach könnte der EZB-Rat am Donnerstag bei seiner turnusmäßigen Zinssitzung den Ankauf griechischer Staatsanleihen in Erwägung ziehen - ein Schritt, der noch vor wenigen Wochen undenkbar schien. "Wir glauben, die EZB wird ins Endspiel gezwungen werden und falls nötig Griechenland sogar mit einem Schutzwall umgeben, indem sie ein großes Hilfspaket für Spanien schnürt", schreiben die Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse in einer neuen Studie. Die Hüter des Euro hätten schlicht "keine andere Option". Der Grund: In den Depots europäischer Banken befinden sich enorme Mengen an Staatsanleihen Griechenlands und anderer Problemländer.
Sollte es tatsächlich zu diesem Schritt kommen, dann blieben nicht mehr viele Optionen, um den Euro zu retten. Der Ankauf von Staatsanleihen ist eine der letzten Karten, die die EZB überhaupt spielen kann, um Griechenland vor dem Bankrott zu retten. Sollte der Plan nicht aufgehen, sieht es für den Euro schlecht aus.
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Quelle: Spiegel Online
gho schrieb:
am 6. Mai 2010 um 19:14:46
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EURO_Krise
War von Anfang an klar, das das mit dem EURO schief gehen mußte! Man kann nicht so viele verschiedene Wirtschaften, mit so
unterschiedlichem Preis und Lohn Niveau in einen Währungsraum packen. Wer das gegenteil behauptet sollte mall Volkswirtschaftler und Historiker befragen. Das hat schon im Deutschen Kaiserreich nicht ohne Probleme funktioniert. Siehe Wirtschaftkriese nach dem Krieg 1870/71 in Deutschland. Nach dem Boom kam der Absturz.
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Otto schrieb:
am 6. Mai 2010 um 19:09:21
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Euro
Hoffentlich kracht es diesmal richtig. Die Staaten sind pleite, auch Deutschland.
Weg mit der Eu und den Eurokraten. Die koste uns nur
Milliarden und sind zu nichts nütze.
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test1 schrieb:
am 6. Mai 2010 um 19:03:11
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griechenlandhilfe
Einheitswährung hatten die RGW Staten auch mal geplant und festgestellt das eine Einheitswährung zum Bankkrot
führt.
Holt die Chinesen mit in die EU. Die haben doch angäblich sooo... viel Geld um überall etwas zu Investieren oder zu Kaufen
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