29.04.2011, 09:46 Uhr | Tobias Schormann, dpa-tmn / t-online.de/business
Was muss ein Bewerber tun, um ein Vorstellungsgespräch so richtig zu vergeigen und hundertprozentig auszuschließen, dass er den Job bekommt? Ganz einfach: Schlechte Witze reißen, sofort nach dem Gehalt fragen und Sätze sagen wie "Pünktlichkeit ist eine meiner Stärken". Wir zeigen Ihnen, was Jobkandidaten sich tatsächlich im Interview leisten - und was Personaler zu hören bekommen.
Der Horrorbewerber für jeden Personaler kommt nicht einfach nur zu spät. Er erklärt dann auch noch lang und breit, warum die U-Bahn ausgefallen ist. Weil das den potenziellen Arbeitgeber natürlich brennend interessiert. Ein typischer Anfängerfehler bei der Bewerbung - und längst nicht der einzige. Dahinter steckt oft ein Denkfehler: Der Bewerber will unbedingt alles richtig machen, tatsächlich katapultiert er sich aber schnell ins Aus, wenn er den Personaler etwa mit Anekdoten und Ausreden langweilt. Und das ist längst nicht der einzige Fehltritt, den sich Bewerber leisten.
Mit kreativen Gestaltungsideen können Bewerber jede Menge Energie vergeuden. "Schmücken Sie Ihren Lebenslauf mit Zierlinien. Nehmen Sie das dickste Papier und die edle Ledermappe", scherzt Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin. "Damit zeigen Sie, dass Sie etwas Besonderes sind", so der Experte. Tatsächlich wirke so etwas schnell übertrieben: "Der Personaler hat wenig Zeit. Er will harte Fakten. Schnickschnack lenkt nur ab", sagt Winkler.
Ebenfalls nicht einfach: die passenden Small-Talk-Themen zum Einstieg zu finden. Experten raten oft, etwas Naheliegendes anzusprechen - zum Beispiel die Eindrücke von der Firma. "Sparen Sie dabei nicht mit Kritik", rät Winkler Bewerbern, die es sich gleich mit dem Personaler verderben wollen. "Als Erstes beschweren Sie sich, dass sie das Büro nicht gefunden haben, in dem sie sich die Fahrtkosten erstatten lassen können." Danach ist der Kaffee zu kalt. Und zur Krönung sollten die Kandidaten sofort nach dem Gehalt fragen und daran herummäkeln, ergänzt der Karriereberater Hermann Refisch aus Frankfurt.
Humor kommt immer gut an - das ist eine weitere Fehleinschätzung von Jobsuchenden. Nach einem kleinen Witz oder einem lockeren Spruch läuft das Gespräch doch gleich viel entspannter, meinen Sie? Garantiert unbeliebt machen sich Bewerber mit einem Scherz auf Kosten anderer Mitarbeiter wie "Was ist das denn für ein Drache in Ihrem Vorzimmer?", erklärt Winkler. Das toppen sie noch, indem sie sich im Büro des Personalers umsehen und sagen "Sie hatten wohl noch keine Zeit, sich richtig einzurichten?"
Viele glauben zudem, Knigge sei doch von gestern. Darauf warten, dass der Personaler einem anbietet, sich zu setzen? Man will doch Initiative zeigen! Solche Etikette-Verstöße sind ein todsicheres Mittel, um den ersten Eindruck zu versauen, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg in einem Schulungsvideo erläutert. Für Jugendliche verspielen ihre Chancen, indem sie Kaugummi kauen und mit dem Handy herumspielen.
"Ich bin teamfähig und motiviert" - solche Floskeln sind ein Muss für jede schlechte Bewerbung. Das belegen und konkret werden? Ach, ist doch nicht nötig. "So allgemein klingt es ja auch viel schöner", erläutert Winkler den Irrtum, der hinter solchen Formulierungen steckt. Den hat auch sein Fachkollege Refisch oft beobachtet: "Viele machen den Fehler, dass sie mit abstrakten Begriffen um sich werfen", meint der Karriereprofi. Stattdessen sollten Bewerber solche Eigenschaften mit konkreten Beispielen belegen. "Ich schreibe also, in was für einem Team ich gearbeitet habe und welche Probleme dabei gemeinsam gelöst wurden", rät Refisch. Das spreche für sich.
Fachwissen und Leistungen waren gestern. Heute sind "weiche" Fähigkeiten gefragt, also "Soft Skills". Kellnern ist zum Beispiel ein Beleg für Organisationstalent. Und wer kann nicht von sich sagen, dass er kommunikationsfähig ist? "Auch Fremdsprachenkenntnisse lassen sich gar nicht genug aufbauschen", betont Winkler. Vor allem wenn sie für den Job nicht nötig sind, lasse sich der Personaler damit gut irritieren.
"Und es ist natürlich Unsinn zu meinen, dass Taxifahren und Kellnern einen als begnadeten Manager auszeichnet", ergänzt Refisch. Aber auch andere Selbstverständlichkeiten kann man in einer schlechten Bewerbung nicht oft genug betonen. Erfahrung im Umgang mit dem Internet und Office-Programmen, führt Winkler als Negativbeispiel an. Dazu passe auch das Argument, "allergrößtes Interesse" am Job zu haben. Das ist Winkler zufolge "genau das, was Sie von anderen abhebt".
Wer eine Stelle wirklich haben will, muss dem Personaler klarmachen, warum er genau der Richtige für den Job sind. Das Motto für erfolglose Bewerber lautet hingegen: Schleimen, was das Zeug hält. Garantiert daneben liegen sie mit einem Satz wie "Schon als Kind habe ich in einem Bettchen aus Ihrem Möbelhaus geschlafen und davon geträumt, später hier zu arbeiten", erklärt Winkler.
"Bescheidenheit ist eine Zier", auch Bewerber, die das glauben, irren. Tief stapeln ist daher die Devise, um sich in ein schlechtes Licht zu rücken. "Bloß nicht von den eigenen Leistungen reden, das wirkt bloß arrogant", meint Winkler im Scherz. Stattdessen betonten erfolglose Bewerber besser die eigenen Schwächen: "Wir sagen gerne, was gegen uns spricht. Nicht dass der Personaler auf die Idee kommt, wir könnten uns nicht realistisch einschätzen." Im Ernst heißt das: Meist sind Jobkandidaten zu schüchtern - keine gute Voraussetzung für ein gutes Vorstellungsgespräch.
Abwarten und Tee trinken - das ist das beste Mittel, eine Bewerbung oder ein Vorstellungsgespräch in den Sand zu setzen. "Der vornehme Bewerber hält sich zurück und wartet, bis er aufgerufen wird", erklärt Winkler den Trugschluss. Geduld allein bringe aber nicht unbedingt weiter, ein bisschen nerven gehöre auch zum Bewerbergeschäft.
Quelle: T-Online
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