
20.12.2011, 12:29 Uhr | Spiegel Online
Deutschlands Solarunternehmen geraten doppelt unter Druck: Chinesische Konzerne überschwemmen die Welt mit Billigware, gleichzeitig schrumpft erstmals seit Jahren der deutsche Markt. Führende Branchenvertreter fürchten ein massenhaftes Firmensterben - und sehen ihre Zukunft nun im Ausland.
Deutschlands Solarfirmen ging es jahrelang gut - jetzt plötzlich steht die Branche vor harten Einschnitten. Eben noch profitierten die Sonnenkönige der Republik von großzügiger Förderung und enormen Wachstumsraten - jetzt spüren sie den Druck der Marktwirtschaft. Wer sich strategisch nicht schnell genug neu aufstellt, dem droht die Pleite. Manche in der Branche fürchten schon ein Massensterben.
"Die deutsche Solarbranche bekommt derzeit von zwei Seiten gleichzeitig Druck", sagt Andreas Hänel, Chef von Phoenix Solar, einem Fachunternehmen für Planung, Bau und Betrieb von Photovoltaik-Großkraftwerken. "Auf der einen Seite ist der deutsche Markt allein von Januar bis September um fast 40 Prozent eingebrochen, auf der anderen Seite sind auch noch die Preise massiv gefallen, was Umsatz und Ertrag weiter unter Druck bringt." Beides begrenzt das Geschäftsfeld der Industrie, beides pfercht Deutschlands Firmen auf immer engerem Raum zusammen. Wie konnte es dazu kommen, und was ist der Ausweg?
Kritiker sagen, die Industrie sei daran selbst schuld. "Die meisten deutschen Solarfirmen haben die brutale Konkurrenz unterschätzt", sagt Wolfgang Hummel von der HTW Berlin. "Sie haben die Produktionskosten nicht schnell genug gesenkt, und sie haben irrtümlich darauf vertraut, dass Kunden bereit sind, für die Marke Made in Germany einen Preisaufschlag zu zahlen." Grund für diese Trägheit sei nicht zuletzt die großzügige Förderung von Solaranlagen gewesen, mit der die Bundesregierung der Branche einst Starthilfe geben wollte - und die in den vergangenen Jahren einen riesigen Boom auslöste. "Die Förderung hat den Druck genommen, die Kosten zu senken", sagt Hummel.
Tatsächlich leidet die Branche stark unter dem Ende des Booms. In den vergangenen Jahren konnten die Firmen die sinkenden Preise für Solaranlagen noch ausgleichen, weil sie ihre Absätze um ein Vielfaches steigerten. 2011 ist das erste Jahr, in dem die Rechnung nicht mehr aufgeht: Die Absätze schrumpfen.
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Im Rekordjahr 2010 wurde in der Bundesrepublik noch die Hälfte der Weltproduktion installiert: Solaranlagen mit einer Leistung von 7500 Megawatt waren es insgesamt; das entsprach ungefähr der Leistung von acht mittelgroßen Atomkraftwerken. Das war weit mehr, als die Regierung für gesund erachtet. Denn die Stromnetze werden dadurch stark belastet - und müssen für einen weiteren Ausbau entsprechend aufgerüstet werden. Zudem kostet die Förderung Verbraucher Milliarden - auch wenn Solarstrom die Strompreise zur Mittagszeit kurzzeitig dämpft.
Die Regierung hat entsprechend gegengesteuert, sie hat die Förderung für Solaranlagen beschnitten, um das Wachstum auf ein verträgliches Maß zu begrenzen. Mit erstem Erfolg: 2011 werden aktuellen Prognosen zufolge Anlagen mit einer Leistung von rund fünf Gigawatt zugebaut, ab 2012 sollen jährlich rund drei Gigawatt hinzukommen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler will den Ausbau gar auf ein Gigawatt pro Jahr begrenzen, doch dieser Vorschlag wird in der Branche und der Koalition als populistischer Vorstoß des FDP-Politikers gewertet, der sich kaum realisieren lassen dürfte.

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"Aus Sicht der Verbraucher und aus technischer Sicht ist es vernünftig, den überhitzten Markt auf drei bis vier Gigawatt abzukühlen", sagt Stephan Hansen, Europa-Chef von First Solar. Auch andere Unternehmen in der Branche sehen das so. Doch bei aller Vernunft schmerzt der Rückgang die Branche. "Der Markt schrumpft dieses Jahr um ein Drittel und wird 2012 voraussichtlich noch halb so groß sein wie 2010", sagt Hansen. "Das zwingt die Branche zu harten Einschnitten."
Zumal sich der Preisverfall bei den Anlagen noch einmal deutlich beschleunigt hat. Rasend schnell haben sich Konkurrenten aus China zu globalen Playern aufgeschwungen und die Welt mit Billigmodulen überschwemmt. Um 30 bis 40 Prozent sind die Preise im laufenden Jahr gefallen - weit schneller, als sich die Produktionskosten drücken lassen.
Nach Schätzungen des Bundesumweltministeriums verkaufen viele asiatische Billiganbieter ihre Module derzeit sogar unter den Herstellungskosten, um Marktanteile zu gewinnen. Mit Erfolg: So hatten etwa chinesische Hersteller 2004 noch einen Anteil von sieben Prozent am weltweiten Photovoltaik-Umsatz, 2010 waren es bereits 45 Prozent, was 36,3 Milliarden Dollar entsprach. Der Anteil der deutschen Unternehmen ging im selben Zeitraum von 69 auf 21 Prozent zurück. In Deutschland haben chinesische Hersteller inzwischen einen geschätzten Marktanteil von 50 Prozent.
Vielen Firmen droht das nun das Genick zu brechen. Die Umsätze und Gewinne der Firmen brachen zuletzt ein, auch bei den Schwergewichten der Branche. First Solar, einer der global größten US-Konzerne mit Tausenden Mitarbeitern in Deutschland, korrigierte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zuletzt um rund 14 Prozent nach unten. Und Solarworld, der deutsche Branchenprimus, verbuchte im dritten Quartal sogar Verluste und einen Umsatzeinbruch von rund 30 Prozent.
Manager sehen die Branche vor gewaltigen Herausforderungen. "Der Druck am Markt wird weiter steigen", sagt Hansen von First Solar. "Unternehmen brauchen jetzt einen langen Atem und müssen sich strategisch rasch neu aufstellen. Diese Voraussetzungen haben bei weitem nicht alle. Viele werden den Umschwung wohl nicht überleben, auch in der Bundesrepublik nicht." Dass die langjährige Förderung Deutschlands Solarfirmen träge gemacht hat, bestreitet Hansen allerdings. "Kosten lassen sich vor allem durch Massenproduktion senken", sagt er. "Das EEG hat hierfür perfekte Voraussetzungen geschaffen."
Einigen wird allerdings genau das zum Verhängnis. Phoenix Solar etwa sitzt auf vollen Lagern und musste den Wert seiner alten Module deutlich nach unten korrigieren. Der Konzernumsatz hat sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fast halbiert.
Mit Blick auf 2012 ist Konzernchef Hänel aber optimistisch. "Als Systemintegratoren können wir dann neu kalkulieren und uns an die neuen Marktbedingungen anpassen." Die Zukunft der Branche sieht Hänel vor allem in anderen Ländern. "Wir machen inzwischen fast 60 Prozent unserer Umsätze im Ausland", sagt er. "In den kommenden Jahren sind große Projekte in den USA und Asien geplant."
Auch in anderen Bereichen sieht Hänel gute Chancen für deutsche Firmen. "Schon in wenigen Jahren wird die Branche eine völlig andere sein", sagt er. "Solarstrom ist dann deutlich günstiger als Strom aus der Steckdose - was zahlreiche neue Geschäftsfelder eröffnet." Chancen sieht er zum Beispiel bei Solaranlagen mit eingebautem Speicher und im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Energien. Die deutsche Solarbranche wird rasch die Flucht nach vorn antreten müssen. Es ist ihre einzige Chance.
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Quelle: Spiegel Online
Raumenergie schrieb:
am 28. November 2011 um 21:21:56
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Strom kostenlos
Im Grunde ist die Windrad- und Sonnenkollektor- Technik zur Stromerzeugung ein ausgeklügeltes Geldbeschaffungsprogramm für
den Staat und die E-Konzerne, nicht mehr und nicht weniger.
Rechnet man dietatsächliche Inflation noch in die Förderzeit mit rein, ist doch fraglich, ob da überhaupt noch ein Gewinn entstehen kann.
Die sicher mal anfallenden Entsorgungskosten kann man heute wohl eh noch nicht abschätzen.
Mir kommt das Zeug absolut NICHT AUF`S DACH.
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Frank schrieb:
am 28. November 2011 um 20:41:00
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Solarstrom
Der deutsche Steuerzahler subventioniert Chinas Firmen. Für 5 Mrd. € kauften letztes Jahr die Deutschen chin. Module, auch die
Solarparks, die die Kanzlerin einweihte. !!!
Da merkt man wie sie zu uns hält.
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Raumenergie schrieb:
am 28. November 2011 um 20:25:51
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Strom kostenlos
Raumenergie scheint mir ein Träumer und Fantast zu sein. Was nutzen Videos und irgendwelche angebliche Erfindungen die sich
dann gar nicht der Überprüfung stellen
Antwort:Leider werden Postings mit einer URL oder einem Link nicht freigeschaltet, sons könnte ich Dir einen Link vom TÜV Rheinland schicken.
Dann könntest Du die Frage selbst beantworten, ob
der TÜV Rheinland eventuell Hobbyelektriker am Prüfgerät beschäftigt.,
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