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Solarenergie: Deutsche Firmen treiben Technologien an

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Die deutsche Solarrevolution

29.05.2009, 14:31 Uhr | Financial Times Deutschland

Er führte Solarworld zum Welterfolg: Gründer und Chef Frank Asbeck (Quelle: dpa) Er führte Solarworld zum Welterfolg: Gründer und Chef Frank Asbeck (Quelle: dpa)Mit Windkraft, Solarthermie und Fotovoltaik treiben deutsche Firmen Technologien voran, die die Wirtschaft des neuen Jahrtausends prägen werden. Vorneweg: Das Bonner Unternehmen Solarworld. #

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192 Fuchsaugen funkeln in der Nacht

Wenn die Nacht hereinbricht über Bonn, lässt Frank Asbeck den neuen Wandteppich im Arbeitsgemach leuchten. 96 Felle toter Rotfüchse mitsamt Köpfen hat er auf eine Leinwand montieren und mit viel Elektronik versehen lassen. Ein Schalterdruck genügt, schon funkelt es aus 192 Fuchsaugen rot, blau, grün und gelb. "Selbst vom Rhein aus kann man das noch sehen", frohlockt der Solarworld-Gründer.

Umbau bei Solarworld ist Chefsache

Asbeck ist in seinem Element. Den Umbau des alten Wasserwerks in den Rheinauen zur Firmenzentrale hat er zur Chefsache gemacht: Asbeck diskutiert mit den Malern über den Innenanstrich, Asbeck persönlich hat den angrenzenden Tierpark mit Hirschen, Gänsen und Enten entworfen, und Asbecks Idee war auch der "Solartracker" auf dem Dach des Hauptgebäudes: ein überlebensgroßer Schirm aus Fotovoltaikzellen, der sich nach der Sonne ausrichtet, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Fürwahr eine würdige Residenz für den "Sonnenkönig", wie die Bonner den lebenslustigen Unternehmer titulieren.

Solarworld: Moderne Erfolgsgeschichte

Es ist keine zwölf Jahre her, da saß dieser Mann noch in einem kleinen Ingenieurbüro in einem Bonner Hinterhof. Jetzt ist der 49-jährige Multimillionär - und Solarworld der drittgrößte Solarkonzern der Welt. Kürzlich wollte Asbeck sogar Opel übernehmen. Solarworld steht für die erstaunlichste Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft seit der Jahrtausendwende: den Aufstieg zur Nation der regenerativen Energien.

Erfindungen von hier, Profit woanders

Ob Software, Bio- oder Nanotech - bei den meisten Technologiesprüngen in den vergangenen Jahrzehnten mischten deutsche Unternehmen nur als Nischenplayer mit. Viele Erfindungen kamen aus Deutschland, das große Geld machten andere.

Deutsche setzen Marken in Umwelttechnologie-Branche

In der Cleantech-Branche ist das anders. Im Geschäft mit sauberer Energie zählen hiesige Konzerne reihenweise zu den Weltmarktführern: Enercon, Repower, Nordex bei der Windkraft, Envitec und Schmack beim Biogas, Q-Cells, Schott Solar und Solarworld bei Fotovoltaik und Sonnenwärme. Einer Studie von Roland Berger Consultants zufolge trugen Umwelttechnologien 2007 etwa acht Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.

"Ich habe den Hype genutzt"

Bis 2020 werde sich dieser Anteil - Wirtschaftskrise hin oder her - auf 14 Prozent erhöhen. Als Asbecks Solarworld-Wunder beginnt, ist der Begriff Cleantech noch unbekannt. Es ist 1999, der Höhepunkt der Internetblase: An der Börse reißen sich die Anleger um alles, was nach Fortschritt klingt. "Ich habe den Hype genutzt", räumt Asbeck ein. Er wirft ein paar Hunderttausend Aktien seines Unternehmens auf den Markt und beschafft sich so fast sieben Millionen Euro Startkapital für die folgende Expansion.

Zu Beginn war fast alles Handarbeit

"Ich hatte keine Ahnung, wie sich die Solarindustrie genau entwickeln würde", sagt Asbeck, "aber die Richtung war klar: Alles lief auf Automatisierung und drastische Kostensenkung bei der Produktion hinaus." Ende der 90er-Jahre ist die Herstellung eines Solarmoduls noch weitgehend Handarbeit - und das Produkt so teuer, dass es sich allenfalls ein paar Hardcore-Grüne auf ihre Dächer schrauben.

Die Stunde der Solar-Lobbyisten

Doch als Asbeck an die Börse geht, zeichnen sich bereits sonnige Zeiten für die Hersteller ab. Rot-Grün hat die Macht in Berlin übernommen, bereitet den Ausstieg aus der Kernkraft vor. Langjährige Solar-Lobbyisten wie SPD-Mann Hermann Scheer oder Hans-Josef Fell von den Grünen sehen ihre Stunde gekommen. Sie erarbeiten das Erneuerbare Energien Gesetz, kurz EEG: Erzeuger von Strom aus regenerativen Quellen sollen ihre Elektrizität in unbegrenzter Höhe ins Netz einspeisen dürfen - zu 99 Pfennig pro Kilowattstunde. Das ist mehr als zehnmal so viel wie der Marktpreis für Industriestrom.

Subventionen belasten Verbraucher

Am 25. Februar 2000 verabschiedet der Bundestag mit den Stimmen von SPD, Grünen und PDS das Gesetz. CDU und FDP lehnen es ab wegen der massiven Subventionen, die auf den Strompreis und damit den Verbraucher umgewälzt werden.

Branche boomt

Die Börse bejubelt die Energiewende. Die Kurse der Wind- und Solartitel gehen durch die Decke; die Solarworld-Aktie etwa vervierfacht binnen wenigen Wochen ihren Wert. "Da ging ein richtiger Ruck durch unsere Branche", erzählt Asbeck. Tausende, Zehntausende, Hunderttausende Bauern und Eigenheimbesitzer in der Republik schaffen sich nun ihr Windrad an, ihre Biogasanlage, ihr Solardach. Für die Hersteller ist das EEG ein staatlich garantiertes Konjunkturprogramm. Zeitweise wird jede zweite weltweit produzierte Solarzelle im verregneten Deutschland aufgebaut.

Fertigungshalle von Solarworld (Quelle: dpa) Fertigungshalle von Solarworld (Quelle: dpa)

Großeinkauf quer über den Globus

Asbeck nutzt den grünen Rausch, um Solarworld über Kapitalerhöhungen frisches Geld zu verschaffen und einzukaufen: zuerst die Solarsparte von Bayer, später die von Shell. So beginnt der Aufstieg zum global agierenden Konzern, der alle Glieder der Wertschöpfungskette abdeckt, von der Gewinnung des Rohstoffs Silizium bis zur Massenproduktion des einsatzbereiten Moduls. Mehr als 2500 Solarworld-Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 900 Millionen Euro Umsatz und 260 Millionen Euro Vorsteuergewinn.

Vorbild für die USA

Die gesamte Cleantech-Industrie setzt hierzulande laut Bundesregierung fast 29 Milliarden Euro um und beschäftigt beinah 280.000 Menschen - mehr als die Telekommunikationsbranche und viermal so viel wie der gesamte Kohlebergbau. Selbst Barack Obama nimmt sich Deutschland zum Vorbild . Die Bundesregierung habe "mit kühnen Investitionen gute und gut bezahlte Jobs" geschaffen, sagte der US-Präsident im Januar. "Es gibt keinen Grund, weshalb wir das nicht hier in Amerika machen können."

Boom hat seinen Preis

Staaten wie Spanien, China, Frankreich oder Tschechien haben das EEG bereits kopiert. Doch der Boom hat seinen Preis. Nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) belaufen sich die Vergütungszahlungen seit Einführung des EEG auf mehr als 37 Milliarden Euro. In diesem Jahr kommen auf die Stromkunden nach einer BDEW-Prognose noch einmal Zahlungen von 10,6 Milliarden Euro zu.

Nachfrage bricht ein

Allein 2,8 Milliarden Euro davon entfallen auf Solarstrom, obwohl dieser nicht einmal 1,2 Prozent des Gesamtverbrauchs abdecken wird. Asbeck hält die Subventionen für gerechtfertigt. Spätestens 2013 sei Fotovoltaikstrom vom Dach so günstig wie Haushaltsstrom, prognostiziert er, und damit voll wettbewerbsfähig. In der Gegenwart allerdings kämpft die Cleantech-Branche gegen einen dramatischen Nachfrageeinbruch. Wegen der Finanzkrise kommen die Betreiber großer Wind- und Fotovoltaikanlagen kaum noch an Kredite. Sie müssen millionenschwere Projekte verschieben oder ganz aufgeben. Und so sitzen die Produzenten derzeit auf massiven Überkapazitäten.

Asbeck: Tief dauert maximal zwei Jahre

Asbeck erwartet für die kommenden Monate eine Welle von Insolvenzen in seiner Branche. "Auch einige deutsche Hersteller wird es wohl erwischen." Der Hamburger Solarkonzern Conergy steckt schon seit Monaten in Finanznöten. Und Q-Cells aus Bitterfeld, einst weltgrößter Zellenhersteller, hat gerade Kurzarbeit eingeführt. Solarworld geht es vergleichsweise gut; die Bonner haben Umsatz und Gewinn im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar gesteigert. Der Chef ist überzeugt, dass das Tief höchstens zwei Jahre dauern wird: "Wo soll die ganze Energie für unsere Welt künftig herkommen wenn nicht aus erneuerbaren Quellen?"

"Investition in die Zukunft"

Frank Asbeck will den Erfolg der vergangenen Jahre fortschreiben. Und wie könnte ein Sonnenkönig besser seine Zuversicht unter Beweis stellen als mit Wohltaten? Gerade hat er dem 1. FC Köln 1 Mio. E gespendet - ein persönlicher Beitrag zum Rückkauf von Nationalspieler Lukas Podolski. Für Asbeck passt die Ausgabe durchaus ins unternehmerische Kalkül: "Das ist eine Investition in die Zukunft."

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Quelle: Financial Times Deutschland

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