Lange Schlagen bei der Ausgabe der ersten DM-Scheine 1948 (Foto: dpa) „Der Widerstand der Arbeitgeber gegen Lohnerhöhungen passt nicht ins System der Sozialen Marktwirtschaft.“ Das hat Ludwig Erhard selbst einmal gesagt. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat nun die deutschen Unternehmer daran erinnert und sie aufgefordert, sich 60 Jahre nach der Einführung der Sozialen Marktwirtschaft an deren Grundregeln zu erinnern. "Dazu gehört eine angemessene Beteiligung der Arbeitnehmer am Aufschwung", sagte Bofinger der "Passauer Neuen Presse".#
Wirtschaftsweiser: Unternehmen zu mehr in der Lage
Diese Regel sei "im vergangenen Jahrzehnt außer Kraft gesetzt worden". Seit drei Jahren erlebe Deutschland einen sehr kräftigen Aufschwung. In dieser Zeit seien die Löhne weniger gestiegen als die Inflation. "Die Unternehmer haben die Situation über Jahre schlecht geredet. Sie wären in der Lage gewesen, sehr viel mehr für ihre Mitarbeiter zu leisten", sagte der Wirtschaftsweise.
"Geiz bei Entlohnung schafft Unzufriedenheit"
Die Wirtschaft sei erfolgreich, die Menschen jedoch hätten immer weniger Geld zur Verfügung, konstatierte Bofinger. Es gebe Ausgliederungen, um Tariflöhne zu umgehen und dazu kämen noch Top-Manager, die sich ungeniert riesige Gehaltssteigerungen genehmigten. "Dieses Nebeneinander von Maßlosigkeit und unglaublichem Geiz bei der Entlohnung von Mitarbeitern schafft Unzufriedenheit", stellt der Professor für Volkswirtschaftslehre fest.
Deutsche halten Modell für ungerecht
Am 20. Juni 1948 Juni trat die Währungsreform in Kraft. 60 Jahre später hält ein Großteil der Deutschen laut einer Bertelsmann-Umfrage die wirtschaftlichen Verhältnisse hierzulande für ungerecht.
DGB sieht Soziale Marktwirtschaft in Legitimationskrise
Ähnliche Kritik äußerte DGB-Chef Michael Sommer. 60 Jahre nach Einführung der D-Mark befindet sich die soziale Marktwirtschaft nach Auffassung der deutschen Gewerkschaften in einer "schweren Legitimationskrise". Das große Versprechen der wirtschaftlichen Nachkriegsordnung sei es gewesen, dass sich Leistung lohne und jeder die gleichen Chancen haben solle - dieses Versprechen aber werde "für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht mehr eingelöst", sagte Sommer der "Berliner Zeitung".
Unterbrecher 70-Tage
"Jagd nach dem kurzfristigen Profit"
Nach seinen Angaben sind die Reallöhne seit Mitte der 90er Jahre kaum gestiegen, zudem arbeite heute jeder Fünfte im Niedriglohnbereich. "Für die Mehrheit der Alleinerziehenden, Langzeitarbeitslosen und Migranten bleibt der soziale Aufstieg eine Illusion", sagte der DGB-Chef, nach dessen Worten langfristige Unternehmensstrategien zudem oftmals der "Jagd nach dem kurzfristigen Profit" zum Opfer fallen.