
29.06.2010, 15:03 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Refinanzierungssituation der Banken ist wegen der Schuldenkrise angespannt. Das ist jedoch nicht alles: Am Donnerstag müssen sie den Jahrestender der EZB zurückzahlen. Die Zentralbank versucht zu beruhigen, doch Zweifel bleiben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, die Sorgen von Investoren und Banken um das Ablaufen eines 442 Milliarden Euro schweren Liquiditätsprogramms zu zerstreuen. "Wir werden dafür sorgen, dass es keine Probleme gibt und alles gut läuft", sagte Christian Noyer, Gouverneur der französischen Notenbank und EZB-Ratsmitglied, dem Radiosender Europe 1. "Die EZB und das Euro-System werden tun, was nötig ist, um sicherzustellen, dass die Liquidität da ist." Er räumte ein, obwohl französische Banken keine Schwierigkeiten bekommen sollten, könnten einige andere "leiden".
Am Donnerstag endet ein Ein-Jahres-Tender, den die EZB im vergangenen Sommer aufgelegt hatte, um für ausreichend Liquidität im System zu sorgen und die Kreditvergabe zu stützen. Viele Banken hängen allerdings mittlerweile von diesem Programm ab, da sie sich am Geldmarkt gar nicht oder nur noch zu sehr teuren Sätzen refinanzieren können. Dazu zählen vor allem Institute aus Ländern, die von der Schuldenkrise in Europa betroffen sind: Griechenland, Spanien oder Portugal.
Obwohl die EZB über kurzfristige Programme weiter Liquidität zur Verfügung stellen will, wächst am Markt die Furcht vor Verwerfungen. Die spanischen Banken bedrängen die Notenbank daher, weiter langfristige Kredite zur Verfügung zu stellen.
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"Die Politik der EZB ist, dass sie keine Laufzeiten von mehr als drei Monaten anbieten will. Aber sie muss sich anpassen", sagte ein hochrangiger Manager einer spanischen Bank der "Financial Times". "Wir streiten jeden Tag mit ihnen darüber", sagte ein anderer Banker mit Blick auf die EZB. "Das ist absurd."
Die Zentralbank steckt in einem Dilemma: Einerseits will sie die enorme Liquidität abschöpfen, die sie während der Krise in das Finanzsystem gepumpt hat, bevor es in den Wirtschaftskreislauf gelangt und die Teuerung anheizt. Andererseits ist die wirtschaftliche Erholung fragil, an den Märkten ist die Nervosität angesichts der Schuldenkrise wieder gewachsen.
Um die Banken weiter mit Geld zu versorgen, hat die Notenbank für Donnerstag zwei Geschäfte angesetzt: Die Institute können sich dann für sechs Tage beziehungsweise drei Monate mit Liquidität eindecken, zum Zinssatz von einem Prozent. Damit liegt der Zinssatz genauso hoch wie für den ablaufenden Ein-Jahres-Tender.
Für die Banken wäre ein Drei-Monats-Geschäft zu diesem Satz zwar vergleichsweise teuer, da sie sich am Interbankenmarkt für die selbe Zeitspanne für knapp 0,68 Prozent leihen können. Experten erwarten dennoch eine hohe Nachfrage. "Eine Reihe von Banken haben Schwierigkeiten, überhaupt Geld zu bekommen, und werden sehr an diesem Weg interessiert sein", schreiben Kreditstrategen von Société Générale.
Derzeit sei immer noch viel Überschussliquidität im System. Sie gehen davon aus, dass zum Ende des Ein-Jahres-Tenders 242 der 442 Milliarden Euro refinanziert werden, womit die Überschussliquidität immer noch bei rund 120 Milliarden Euro liegen würde.
Am Markt ist die Nervosität dennoch groß. Der Eonia-Zins am Interbankenmarkt - ein für die Refinanzierung der Banken wichtiger Satz - ist auf fast 0,48 Prozent gestiegen. Sollte dieser Satz weiter steigen, werde die EZB wahrscheinlich wieder längerfristige Geschäfte mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten auflegen müssen, so die Société-Générale-Strategen. Sie glauben auch, dass die EZB nicht wie geplant zum Ende des dritten Quartals die Vollzuteilung beenden kann, sondern dass sie die Wünsche der Banken darüber hinaus voll erfüllen wird. Angesichts der Probleme der Banken sei zu bezweifeln, dass der EZB der Exit gelingen werde.
Quelle: Financial Times Deutschland
kanitverstan schrieb:
am 13. Juli 2010 um 22:52:43
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EZB
Alle stecken doch unter einem Hut. Was zurzeit abläuft, ist das Hinauszögern der unvermeidlichen Konsequenz der Finanzierungen auf
Pump. Die Frage vist nur, wofür sich die Herrschaften entscheiden: machen die Banken eine Inflation oder machen die Politiker wieder mal Krieg? Wachstum ist nur bei einem Start von nul möglich. Bis dahin werden wir noch viel Geld verlieren. Danach werden wir alles verlieren.
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Coban schrieb:
am 30. Juni 2010 um 02:04:26
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EZB
Die Banken leihen sich von der EZB für gerade nicht mal1% Geld um weiter zu zocken.Ist das Geld verzockt,müssen wir Deppen die
Steuerzahler einspringen.Aber an den Bankkunden wird dieser verbilligte Zinssatz nicht weitergegeben.Reine Abzocke.Wo bitteschön ist das Kartellamt? Achso der Name sagt schon alles das Kartell.
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lifecycle schrieb:
am 29. Juni 2010 um 19:26:25
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Banken zocken weiter
Warum vergibt die EZB freihändig Gelder an die Banken, wenn diese damit nur weiter zocken anstatt den Unternehmen mit
Krediten Wachstumschancen zu eröffnen. Die großen Kfz.-Hersteller, Versicherungen und jetzt auch Siemens gründen selbst Banken, um ihr Geschäft vorzufinanzieren (Leasing, Anlagenbau). Entweder die EZB verleiht das Geld gleich an die Unternehmen oder vergibt nur zweckgebundene Mittel zur Weiterleitung an die Realwirtschaft. Kein öffentliches Geld mehr für Spekulanten-Banken!
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