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Sparprogramm: Kaum noch Spielraum für Griechenland

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Sparprogramm: Kaum noch Spielraum für Griechenland

20.02.2012, 10:09 Uhr | dapd, dpa

Bei den Griechen gibt's nicht mehr viel zu holen (Quelle: dapd)

Bei den Griechen gibt's nicht mehr viel zu holen (Quelle: dapd)

Der DIW-Chef sieht bei dem von der Pleite bedrohten Griechenland inzwischen kaum noch Sparpotential. Und Ifo-Präsident Sinn sieht schon eine Transferunion: Hellas wird auch in Zukunft von Rettungsgeldern abhängig sein. Kann Griechenland die Wende noch schaffen?

Das angeschlagene Griechenland darf nach Ansicht des Forschungsdirektors vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Alexander Kritikos, im Kampf gegen die Staatspleite nicht durch das Spardiktat der EU überfordert werden. "Die Sparspirale droht, überdreht zu werden", sagte Kritikos. Er könne sich kaum vorstellen, "dass da noch Spielraum für weitere Sparanstrengungen ist". Allerdings sei die Regierung in Athen bei der Besteuerung von Selbstständigen noch nicht viel weiter gekommen.

"Austritt Griechenlands viel teurer"

"Jeder, der kann, versucht, sich einen zweiten Job zu sichern oder sogar das Land zu verlassen", sagte Kritikos zu den Auswirkungen des Sparprogramms, das die EU den Griechen als Bedingung für eine Rettung des Landes auferlegt hat. Er glaube an eine Zukunft Griechenlands im Euro-Raum, fügte der DIW-Experte hinzu. "Ein Austritt Griechenlands würde sehr viel teurer als der Verbleib", erklärte er. "Das ist nicht allen klar, und das ist das Problem."

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Kritikos bezweifelte die Einstellung, die Rettung Griechenlands allein von Prozentzahlen abhängig zu machen. Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds verlangt vor der Bereitstellung weiterer Hilfen, dass Griechenland seine Gesamtschulden bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung drückt. "Man muss sich Gedanken darüber machen, welche Aussagekraft die Prozentzahlen haben, wenn die Wirtschaft Griechenlands immer weiter sinkt", sagte Kritikos.

Ruf nach einem "Marshall-Plan"

Zur Wiederbelebung der griechischen Wirtschaft und für eine neue Wachstumsstrategie sei es wenig hilfreich, ausschließlich auf die freien Kräfte des Markts zu setzen, erklärte der DIW-Experte. Er plädierte für "eine Art Marshall-Plan" der EU nach dem Vorbild des Wiederaufbauprogramms der USA für Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. "Die Chancen für einen solchen Marshall-Plan sehe ich aber aktuell noch nicht so richtig", räumte Kritikos ein.

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Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Sinn, rechnet unterdessen mit einer dauerhaften Finanzierung Griechenlands mit Geld aus Deutschland. "Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Griechenland habe keine Chance, sich als Mitglied der Währungsunion zu erholen, weil dazu dort die Preise und Löhne fast um die Hälfte sinken müssten. "Das kriegen die Griechen nie im Leben hin, denn sie haben starke Gewerkschaften", sagte Sinn.

Wettbewerbsfähigkeit das Wichtigste

Nach Ansicht von Sinn kommt es darauf an, das Land wieder wettbewerbsfähig zu machen. Der Austritt aus dem Euro wäre die Bedingung dafür. "Weil griechische Produkte schlagartig billiger würden, würde die Nachfrage umgelenkt, weg vom Import und hin zu eigenen Waren. Die Griechen würden ihre Tomaten und ihr Olivenöl dann nicht mehr aus Holland und Italien, sondern von den eigenen Bauern kaufen." Auch durch Touristen käme wieder mehr Geld ins Land.

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Griechenland kann dank weitgehender Zugeständnisse offenbar mit weiteren Milliardenhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich im "Tagesspiegel" zuversichtlich, dass die Eurozone am (morgigen) Montag das zweite Hilfspaket für Griechenland billigen werde. Schäuble bestätigte der Zeitung, dass die Euro-Gruppe ein Sonderkonto einrichten wolle, über das künftig die Hilfszahlungen an Griechenland abgewickelt werden. Dieses Konto werde "Priorität für den Schuldenabbau" sicherstellen. Öffentlich hatte sich Athen zuletzt noch gegen ein derartiges Sperrkonto gewehrt, das einem Eingriff in die Haushaltssouveränität des Landes gleichkommt.


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Quelle: dpa , dapd

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Kommentare (18)

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Thema: "Sparprogramm: Kaum noch Spielraum für Griechenland"

Pleite Geier schrieb: am 20. Februar 2012 um 13:26:11
(6) (0) Thema: "Sparprogramm: Kaum noch Spielraum für Griechenland
Jetzt haben die Politiker, Banken, IWF und EZB die Millionäre Griechenlands,
das griechische Volk endgültig in die Knie gezwungen. Größenwahn der EU in Sachen Rettung haben die Situation verschlimmert. Die Folge wird sein, entweder ein Millitärputsch, oder eine Auswanderungswelle aus Griechenland sofern es den Leuten möglich ist. Dank an die Verantwortlichen für diese beschämende Situation, man sieht ganz deutlich nicht der Mensch zählt sondern das Kapital. Zügelt endlich den Kapitalismus.
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wolle schrieb: am 20. Februar 2012 um 13:03:54
(4) (0) Sparprogramm
Wieso würde ein Verbleib teurer kommen, das ist doch nur Panikmache. Man nimmt den kleinen Bürgern die Kaufkraft und dieses
wird zu einer Verringerung des Bruttosozialprodukt der Griechen bei bleibenden oder mehr Schulden führen. Da geht der Prozentsatz der Schulden schön ab. Mir tuen die kleinen Bürger leid die das Ausbaden müssen. Griechenland sollte besser aus eigenener Kraft mit Hilfe wieder auf die Beine kommen.
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Antonio di Grappa schrieb: am 20. Februar 2012 um 12:53:18
(11) (0) Griechenland
Sämtliche Finanzhilfen dienen lediglich zur Stabilisierung der Banken, beim Volk kommt kein Cent an. Wo bleibt die
Aufbaustrategie für die griechische Wirtschaft? Wann werden die Steuerhinterzieher zur Rechenschaft gezogen? Weshalb hat GR 135000 Soldaten? Wollen sie das Meerwasser gegen die Türkei verteidigen? Gr wird und kann diese Schulden niemals zurückzahlen. Wann werden die verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft gezogen? Gehe mal einen Grappa trinken, ciao.
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