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Stahlkocher fürs Depot

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Stahlaktien - heiß und zähflüssig

31.05.2011, 18:54 Uhr | Financial Times Deutschland

Stahlkocher bei der Arbeit (Foto: dpa) (Quelle: dpa)Stahlkocher bei der Arbeit (Foto: dpa)Stahlaktien waren im bisherigen Jahresverlauf wenig gefragt. Die Kurse dümpelten bestenfalls seitwärts dahin. Bei einigen Papieren wie dem des Marktführers ArcelorMittal ging es seit Januar sogar kräftig bergab. Dabei waren die Zwischenberichte, die die Stahlkocher für das erste Quartal ablieferten, nicht einmal schlecht. So rechnet der Branchenprimus damit, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) im laufenden Quartal 3,0 Milliarden bis 3,5 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) - nach 2,6 Milliarden Dollar im ersten Jahresviertel - erreichen wird. Was den Investoren aber negativ aufstieß, waren die unpräzisen Prognosen.

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Schwankende Erzpreise belasten die Stahlkocher

Vor allem zwei Umstände sind es, die die Planungssicherheit der Stahlhersteller schmälern: einerseits die kürzeren Vertragszyklen vor allem mit den Eisenerzlieferanten sowie andererseits die volatileren Preise auf der Beschaffungs- wie auch auf der Absatzseite. Seitdem die Minenkonzerne BHP, Rio Tinto und Vale, die quasi eine Monopolstellung auf dem Eisenerzmarkt haben, die Laufzeiten der Bezugsverträge von Jahres- auf Quartalsbasis umgestellt und die Preise an den Spotmarkt gekoppelt haben, müssen die Stahlkocher deutlich mehr für Kohle und Eisenerz bezahlen.

Um die Mehrkosten weiterzugeben, sind die Stahlfirmen gezwungen, ihre Preise anzuheben. Dies ist jedoch kein leichtes Unterfangen. "Es ist nach wie vor schwierig", so Robert Greil, Analyst bei Merck, Finck & Co., "die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben. Bei Flachstahl ist der Preisdruck speziell wegen der stärkeren Autokonjunktur geringer als bei Langstahl."

Die Stahlnachfrage stimmt

Immerhin sollte die weiter steigende Nachfrage für stützende Stahlpreise sorgen. So hat die Wirtschaftsvereinigung Stahl die Rohstahlproduktion in Deutschland für 2011 erst unlängst auf 45,5 Millionen Tonnen leicht erhöht. Gegenüber 2010 ein Plus von vier Prozent. Weltweit rechnet die World Steel Association für 2011 mit einem Nachfrageplus von sechs Prozent auf 1,36 Milliarden Tonnen.


Stahlaktien günstig bewertet

Bewertungstechnisch sind die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinne von 2012 mit 10,5 eigentlich nicht zu teuer. Das historische Mittel der prognostizierten Gewinne lag im Schnitt bei etwa 11,5. Einige Titel wie ArcelorMittal und Salzgitter weisen daneben Kurs-Buchwert-Verhältnisse von deutlich unter eins aus, womit die Konzerne an der Börse weniger wert sind als ihr Eigenkapital. Allein dies ist jedoch noch kein Kaufargument. Es wird künftig, so Greil, auf einen Mix aus niedriger Bewertung, Kundenstruktur und intakter Gewinnfantasie ankommen.

Nach Greil hat hier ThyssenKrupp gute Karten. Als Gründe nennt er die hohe Kapazitätsauslastung im Flachstahlbereich und die starke Abhängigkeit von der boomenden Autoindustrie, die bei Thyssen rund zwei Fünftel zum Umsatz beiträgt. Auch Dirk Schlamp, Analyst der DZ Bank, stuft die Titel mit Kaufen ein. Seine Hauptargumente sind das solide Wachstum im jüngsten Quartalsausweis inklusive guter Auftragseingänge sowie der angestoßene Konzernumbau.


Erfolgreiche Konzerne im Zertifikat

Gute Geschäfte mit deutschen Auto- und Maschinenbauern verhalfen auch dem österreichischen Spezialanbieter Voestalpine im dritten Quartal 2010/11 zu einem Gewinnsprung. Das Linzer Unternehmen, das Flach- und Langstahlprodukte für die Auto-, Eisenbahn- und Haushaltsgeräteindustrie herstellt, hat infolgedessen seine Jahresprognose erhöht.

Eher für spekulative Anleger interessant ist der Stahlhersteller Schmolz Bickenbach, der Qualitätsstahl für die Auto-, Maschinen- und Apparateindustrie produziert. Martin Schreiber, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, hat den Titel mit Übergewichten eingestuft. Seiner Meinung nach wird die Zunahme der Aufträge aus der Maschinenbauindustrie zu einer günstigen Verschiebung im Produktmix führen. Zudem sei der Titel mit einem KGV von 7,7 sehr günstig bewertet.

Wer das Risiko des Einzelinvestments streuen will, hat mit einem Stahlbasket der Raiffeisen Centro Bank eine Alternative (ISIN AT0000615315).



Quelle: Financial Times Deutschland

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