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Deutsche wollen mehr Sozialstaat
25.07.2008, 10:22 Uhr | bv
Wohlstand für alle - der Staat soll's richten (Foto: Archiv)Die Deutschen verlieren zunehmend die Zuversicht in die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Sie rechnen mit einem sinkenden Lebensstandard. Daraus resultiert der verstärkte Ruf nach dem Staat. Das ergibt sich aus einer aktuellen Umfrage des Bankenverbandes zum Wirtschaftsstandort Deutschland 2008.
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Verunsicherung beim Wohlstand
Zwar schätzen die Deutschen die aktuelle Lage und die Wettbewerbsstärke der deutschen Wirtschaft positiv ein, über die Wohlstandsentwicklung im Land herrscht dagegen tiefe Verunsicherung. Die Frage, ob unsere Gesellschaft im Wohlstand lebt, beantworteten aktuell nur noch 55 Prozent mit Ja. Bei der letzten Erhebung 2006 lag der Wert noch bei 65 Prozent, 2000 hatte es einen Höchstwert bei 73 Prozent. Entsprechend antworteten aktuell 40 Prozent mit Nein (2006: 29 Prozent; 2000: 20 Prozent).
Boom kommt in den Köpfen nicht an
Der Bankenverband verweist in diesem Zusammenhang auf den massiven Beschäftigungsaufbau und eine Entlastung bei den Sozialversicherungen, die offensichtlich von den meisten Menschen nicht positiv vermerkt werden. Dass sich die Entwicklung gerade während einer Boomphase verstärkt hat, kommentiert der Bankenverband mit den Worten: "Das zeigt, dass manche Befürchtung von Wohlstandsverlust und sozialem Abstieg gewiss übertrieben ist, aber auch, dass sich die Maßstäbe für die Beurteilung von Wohlstand offenkundig verschoben haben."
Ruf nach dem Staat wird lauter
Bei diesem empfundenen Wohlstandsverlust wenden sich die Deutschen verstärkt dem Staat zu. Er soll den Wohlstandsverlust verhindern bzw. die Menschen vor dessen negativen Folgen bewahren. 2008 fordern 60 Prozent der Befragten mehr staatliche Absicherung. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2006, als der Vergleichswert nur 43 Prozent betrug. Analog sind nur noch 25 Prozent (2006: 41 Prozent) der Ansicht, man brauche "mehr Markt". Keinen Änderungsbedarf sehen konstant etwa acht bis neun Prozent.
Eigenverantwortung nimmt ab
Zu diesem Bild passt, dass erstmals seit Jahren das Gefühl für Eigenverantwortung wieder zurückgeht. 2006 waren 70 Prozent der Meinung, die Sicherung des Wohlstandes sei Aufgabe des Einzelnen. Dieser Wert ist auf 62 Prozent zurückgegangen. Dass die Wohlstandssicherung Aufgabe des Staates ist, glauben jetzt 31 Prozent, 2006 lag der Anteil noch bei 25 Prozent.
Menschen aber größtenteils zufrieden
Dass die Antworten hier teilweise von aktuellen Debatten über Armut und hohe Preise überzeichnet sein könnten, darauf deutet die Frage nach der persönlichen Lebenszufriedenheit hin. 2008 erklärten nämlich 88 Prozent, sie seien mit ihrem Leben zufrieden. Nur zwölf Prozent sind unzufrieden. Dieser Wert unterscheidet sich nur minimal von den Angaben bei früheren Umfragen.
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Quelle: t-online.de