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Starker Franken belastet die Schweiz

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Absturzgefahr in der Schweiz

04.02.2012, 16:23 Uhr | Financial Times Deutschland

Lichtinstallation des Künstlers Gerry Hofstetter im Jungfrau-Massiv (Quelle: Reuters)

Lichtinstallation des Künstlers Gerry Hofstetter im Jungfrau-Massiv (Quelle: Reuters)

In der Alpenrepublik droht eine Spirale aus Rezession und Deflation. Grund ist die Stärke des Franken. Für Deutschland ist die Schweiz ein mahnendes Beispiel.

Die Schweiz steuert auf die Krise zu

Die Sorgen um die Schweizer Konjunktur haben dramatisch zugenommen: Die Wirtschaft steuert auf eine Rezession zu und leidet zudem unter sinkenden Preisen. Die Exporte sanken im Dezember erneut, nachdem sie bereits im November massiv eingebrochen waren - sie fielen um 1,6 Prozent, wie die Zollbehörden mitteilten. Insgesamt legten die Schweizer Exporte 2011 nur um zwei Prozent zu, nach einem Plus von sieben Prozent im Jahr 2010. "Der Franken wirkt sich negativ auf die Konjunktur aus", sagt Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt der WestLB.

Die starke Währung belastet bereits seit Monaten die Schweizer Wirtschaft. Nachdem infolge der Euro-Krise immer mehr Anleger in den vermeintlich sicheren Franken flüchteten und so für dessen Aufwertung sorgten, intervenierte schließlich die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang September - mit einem ungewöhnlichen Schritt: Sie kündigte an, das Wechselkursziel von 1,20 Franken je Euro mit aller Konsequenz durchzusetzen - mit der Bereitschaft, unbeschränkt Devisen zu kaufen.

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Mahnendes Beispiel für Deutschland

"Der Fall Schweiz ist insofern bemerkenswert, als er zeigt, was Deutschland bei Rückkehr zu einer eigenen Währung drohen könnte", sagt Jochen Hartwig, Experte an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Auch eine nationale deutsche Währung würde wohl stark aufwerten und damit die Exportwirtschaft belasten. So wird die Schweiz in der Debatte um den Euro immer mehr zum abschreckenden Beispiel dafür, dass es auch mit einer eigenen Währung nicht einfacher werden würde.

Tatsächlich leidet die Wirtschaft trotz Intervention der Notenbank weiterhin unter der starken Währung. Sowohl das wichtige KOF-Konjunkturbarometer als auch die Einkaufsmanagerumfragen (PMI) zeigten zuletzt einen deutlichen Abwärtstrend. Der KOF-Index steht auf dem niedrigsten Stand seit Mitte 2009. Der am Mittwoch veröffentlichte PMI fiel bereits das fünfte Mal in Folge und liegt nun klar unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten. In Deutschland waren die Stimmungsumfragen dagegen zuletzt mehrfach in Folge gestiegen. "Die Daten deuten darauf, dass die Schweiz nahe einer Rezession ist - oder vielleicht sogar schon mittendrin", sagt Michael Saunders, Volkswirt der Citigroup.

Die weltweit wichtigsten Währungen
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Alpenrepublik von Exporten abhängig

Die Schweizer Wirtschaft hängt ungewöhnlich stark von Exporten ab. Und hier liefen die Geschäfte zum Jahresende zunehmend schlechter. Die Ausfuhren brachen bereits im November um dramatische 6,8 Prozent ein. Zur Franken-Stärke gesellte sich die schwächere Nachfrage infolge der Schuldenkrise. In weiten Teilen Europas wird hart konsolidiert.

So gingen die Exporte in die EU allein im Dezember um 4,2 Prozent zurück. Parallel dazu wurden die Investitionen in der Schweiz zurückgeschraubt. Die grassierende Unsicherheit über den Fortgang der Krise ließ zudem Schweizer Firmen bei ihren Finanzplanungen vorsichtiger werden.

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Der Konsum geht zurück

Auch der Einzelhandel leidet unter der starken Währung. "Weil die Franken-Preise für Touristen zunehmend unattraktiv werden und Schweizer Konsumenten ins nahe gelegene Ausland ausweichen", sagt Fahrinkrug. "Einzelhändler müssen mit Preiskonzessionen reagieren, was ihre Gewinnmargen beeinträchtigt und mittelfristig zu Entlassungen führen dürfte."

Die Wende am lange robusten Schweizer Arbeitsmarkt hat sich bereits vollzogen. Im Dezember stieg die Arbeitslosigkeit bereits den dritten Monat hintereinander." Die kommenden Monate wird der Franken weiterhin belasten", sagt Maxime Botteron, Volkswirt bei der Credit Suisse. Damit wird umso entscheidender, was mit der Nachfrage aus der Euro-Zone passiert.

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Deutschland macht den den Schweizern Hoffnung

Hoffnungsträger ist dabei Deutschland, der bei Weitem größte Handelspartner der Schweiz: "Die deutliche Aufhellung der Stimmungsindikatoren in Deutschland macht etwas Mut", sagt Hartwig. Die Hälfte des Exportzuwachses 2011 ging auf Verkäufe nach Deutschland zurück. Kehrt die große Nachbarwirtschaft schnell zu kräftigerem Wachstum zurück, könnte die Schweiz vielleicht doch noch an einer Rezession vorbei kommen.

In dieser Frage sind sich die Ökonomen noch uneins. Die Citigroup rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent im Schlussquartal 2011 und 0,3 Prozent im ersten Quartal 2012. Damit läge nach gängiger Definition eine Rezession vor. Etwas optimistischer ist Unicredit, die zum Jahresende 2011 lediglich eine Stagnation erwartet.

Drohende Deflation

"Ganz gleich, ob man es am Ende nun Rezession nennt oder nicht, das Wachstum macht Sorgen - und das zu einer Zeit, in der die Preise sinken", sagt Citigroup-Ökonom Saunders. Die Verbraucherpreise fielen im Dezember um 0,7 Prozent. Damit hat die Schweiz nun also auch noch ein weiteres Problem: Deflation. Darunter verstehen Ökonomen anhaltend sinkende Preise auf breiter Front. Unter diesem gefährlichen Phänomen litt Japans Wirtschaft wiederholt seit den 90er-Jahren. "Die deflationäre Entwicklung dürfte sich in den kommenden Monaten sogar noch beschleunigen", sagt Saunders.

Das stellt die Zentralbank vor besondere Herausforderungen. "Angesichts dieser Situation ist es wahrscheinlich, dass die SNB weiter alles tun wird, um den Franken zu stabilisieren", sagt Fahrinkrug. Citigroup-Volkswirt Saunders hält sogar eine erneute Schwächung des Franken durch die SNB für möglich.


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Kommentare (98)

zum Forum

Thema: "Starker Franken belastet die Schweiz"

Meinung schrieb: am 15. Februar 2012 um 23:13:48
(1) (1) Vergleich hingt
wenn man die Schweiz mit Deutschland vergleicht -- so hingt das wieder - das ist wenn man Birnen mit Äpfel vergleicht -
passt nicht -- Rezession wegen starken Franken - glaube ich nicht - auch nicht wenn Deutschland die EU verläst und die D-Mark wieder einführt -- da gibt es nur zeitlich Befristette Probleme -- das wird schon wieder - 2 bis 3 Jahre - diese Zeit könnte man Nutzen für Reformen -- langfristig wäre das die bessere Lösung , als den Griechen Jahrzehnte sinnlos das Geld nach werfen
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Seppel schrieb: am 14. Februar 2012 um 22:00:33
(1) (0) Rezssion in der Schweiz
Wieder einer dieser Auguren. Qualifizierte Arbeitskräfte fehlen der Schweiz, die Verschuldung ist niedrig, das
Vermögen der Schweizer hoch. Was soll dieser Unsinn. Viele Schweizer Unternehmen sind Weltklasse, die Schweiz produziert nicht nur Käse und Uhren. Wir haben in Deutschland nach wie vor eine gute Beschäftigungslage, die Deutschen werden mehr als 2011 in der Schweiz kaufen.
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DOROTHEA schrieb: am 5. Februar 2012 um 22:23:08
(7) (1) Die Schweiz ist ein Auslaufmodell
Sie hat eine gute Industrieproduktion allerdings hat diese nur wenig zum Reichtum bei getragen.Eindeutig
die Schweiz ist der größte Geldverleiher aller Länder der Erde und wenn ein jeder Anleger morgen sein Geld ab holen wollte wäre die Schweiz sofort Pleite und hätte mehr Schulden als Deutschland.Rund eine Billiarde verliehene Gelder sind ganz schön viel für so ein winziges fast bedeutungsloses Land, selbst wir in Deutschland sind nur einZwergenland im heutigen Weltmaßstab.
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