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Start-up verkauft Versicherungen zu Dumping-Preisen

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Start-up verkauft Versicherungen zu Dumping-Preisen

28.03.2011, 11:08 Uhr | Spiegel Online

Friendsurance Gründer Herfurth, Bucksch, Beuster, Weisbrod, Meyer-Plath (Foto: Friendsurance)

Friendsurance Gründer Herfurth, Bucksch, Beuster, Weisbrod, Meyer-Plath (Foto: Friendsurance)

Die Versicherer haben die Internet-Revolution verpennt, jetzt will ein Start-up die Branche aufmischen. Auf Friendsurance.de bürgen Kunden in einer Schicksalsgemeinschaft für ihre Freunde - und bekommen Policen bis zu 60 Prozent günstiger. Kostensenker Nummer eins: knallharter Darwinismus.

Geschäftsideen werden bisweilen aus der Not geboren - so auch bei Janis Meyer-Plath: Vergangenen Winter parkte er seinen Golf im Berliner Stadtteil Friedrichshain, unweit von einem besetzten Haus. Plötzlich löste sich Schnee vom Dach, Schindeln fielen herunter und zerdepperten die Heckscheibe seines Wagens.

Versicherungen zu Dumping-Preisen

Auf den Kosten der Reparatur blieb Meyer-Plath sitzen. Die Versicherung wollte den Schaden nicht übernehmen, die Punks und Kiffer, die in dem Haus wohnten, ebenfalls nicht. "Da dachte ich mit, wie schlau es gewesen wäre, wenn sich Freunde in solchen Situationen gegenseitig unterstützen würden", sagt Meyer-Plath.

Seine Kumpels überschütteten den Jungunternehmer zwar nur mit warmen Worten statt Cash. Doch die Erkenntnis reichte für einen Business-Plan. Meyer-Plath trommelte Freunde zusammen, unter anderem einen früheren BCG-Unternehmensberater, einen Ex-McKinsey-Mann und einen früheren BaFin-Berater. Gemeinsam gründeten sie das Start-up Friendsurance, eine Online-Plattform, die herkömmliche Versicherungen mit den Vorzügen sozialer Netzwerke kombiniert. Diesen Freitag ist Friendsurance offiziell an den Start gegangen.

Das Geschäftsmodell: Versicherungen zu Dumping-Preisen. Hausratpolicen, die über die Plattform abgeschlossen werden, sollen bis zu 40 Prozent weniger kosten; Haftpflichtpolicen bis zu 50 Prozent; Rechtsschutzversicherungen bis zu 60 Prozent.

Gute Freunde können sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschließen

Die Kampfpreise soll ein neuartiges Bürgschaftsmodell ermöglichen: Gute Freunde oder Familienmitglieder können sich auf dem Portal zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschließen. Je mehr Leute man in seinem Netzwerk hat, desto weniger Prämie zahlt man.

Im Gegenzug wird man selbst zum Mikroversicherer: Mit jedem Freund, den man hinzufügt, geht man einen Mini-Vertrag ein, der beide Seiten als Bürgen im Schadensfall verpflichtet. Zerdeppert ein Mitglied aus dem Netzwerk etwa eine Vase, zahlt jeder in der Freundesgruppe ein wenig Geld, um den Schaden zu begleichen. Angepeilt wird ein Obolus von 5 bis 50 Euro. Der Versicherer wird nur beansprucht, wenn die Hilfe der Freunde nicht reicht.

Versicherer sollen massiv Geld sparen

Für Friendsurance-Kunden soll sich die Aufteilung der Kosten lohnen. Denn die durchschnittliche Schadenshäufigkeit ist bei allen drei Versicherungen vergleichsweise niedrig. Die Ersparnis bei der Gebühr soll die anfallende Selbstbeteiligung deutlich übersteigen.

Auch für die Unternehmen soll das Modell eine Entlastung sein. "Ein Großteil der gemeldeten Schäden liegt unter 100 Euro", sagt Meyer-Plath. "Versicherer, die solche Bagatellen nicht mehr bearbeiten müssen, sparen bis zu 15 Prozent Verwaltungskosten."

"Freunde dagegen betrügt man fast nie"

Die Absicherung über den Freundeskreis soll außerdem die Zahl der Versicherungsbetrüger verringern. "Umfragen zeigen, dass wenige Probleme haben, große Unternehmen auszutricksen", sagt Meyer-Plath. "Freunde dagegen betrügt man fast nie." Dieser Vertrauensbonus soll sich auszahlen: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt, dass durch Versicherungsbetrug jährlich vier bis sechs Milliarden Euro verloren gehen. Das Start-up will die Kosten um bis zu 15 Prozent senken.

Obendrein will Friendsurance Versicherern den Vertriebskanal Internet eröffnen. Diesen nutzt die Branche bislang fast gar nicht. Der Gesamtverband GDV schätzt, dass der Anteil der Versicherungen, die über Telefon und Internet verkauft werden, unter fünf Prozent liegt. "Versicherungen sind einfach zu komplex, um sie über das Internet zu verkaufen", sagt eine Sprecherin. "Kunden wollen Berater, sie wollen im persönlichen Gespräch den für sie geeigneten Tarif bestimmen."

Meyer-Plath und seine Mitgründer sehen das anders. Sie versprechen der Branche, die Vertriebskosten um bis zu 25 Prozent zu senken. Mittelfristig wollen sie ein Service-Portal aufbauen, auf dem Verbraucher die Angebote zahlreicher Versicherer vergleichen können.

Darwinismus als Kostensenker

Wirklich viele Unternehmen hat das Start-up allerdings noch nicht von den Vorzügen des Internets überzeugen können. Auf dem Tisch vor Tim Kunde steht eine dieser Klingeln, mit denen man im Hotel den Rezeptionisten ruft. Sie wird immer dann betätigt, wenn er einen Versicherer als Partner gewinnt. Bislang hat es erst vier Mal geschellt. Die KS Auxilia, die Ammerländer Versicherung, die Haftpflichtkasse Darmstadt und die Bayerische Beamten Versicherungen sind zum Start dabei.

"Die IT- und die Versicherungsbranche arbeiten in zwei Geschwindigkeiten", sagt Kunde. "In der Assekuranz arbeiten die Menschen sehr genau: Da kann man sich schon mal zwei Jahre mit der fachgemäßen Versicherung von Wespennestern auf Einfamilienhausgrundstücken befassen. In der Internet-Branche kann man in dieser Zeit ein komplettes Start-up hochziehen." Dennoch will Friendsurance bis Jahresende kräftig wachsen. "Wir sind auch mit den Großen der Branche im Gespräch", sagt Kunde.

Doch dazu müssen nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Nutzer erst von Friendsurance überzeugt werden. In einer Art Isolationskammer, zwischen Pappkartons und Schalldämmern aus Schaumstoff, testet Kunde sein Konzept zurzeit schon mal an Studenten. Er will herausfinden, inwieweit Nutzer der Plattform vertrauen - und sich gegenseitig. Fühlen sie sich ausgenutzt, wenn sie im Ernstfall zahlen müssen? "Unsere Versuche zeigen, dass genau das Gegenteil der Fall ist", sagt Kunde. "Die meisten haben eher Hemmungen, ihren Freunden im Schadensfall zur Last zu fallen."

Kostensenker Nummer eins ist der Darwinismus

Und das zu recht: Denn wer zu viele Vasen zerdeppert oder ständig vor Gericht klagt, dem dürften andere Nutzer im Netzwerk rasch die Freund- und Bürgschaft kündigen. "Besonders fahrlässige Gestalten dürften es schwer haben, in unserem Netzwerk Freunde zu finden", sagt Kunde.

Kostensenker Nummer eins ist also der Darwinismus. Die Umsichtigen halten zusammen, die Tollpatsche und Streithammel werden ausgegrenzt. Wie sozial das ist - darüber lässt sich trefflich streiten. Auf alle Fälle dürften manche Freundschaften bei Friendsurance auf ganz neue Belastungsproben gestellt werden.


Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (19)

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Thema: "Start-up verkauft Versicherungen zu Dumping-Preisen"

BÖRNIE schrieb: am 4. Juni 2011 um 10:25:33
(0) (0) QUATSCH DAS !
Die werden Geld einsammeln, und das nicht wenig, dafür beim ersten größeren Schaden einen eleganten Konkurs hinlegen. Von
wegen 40 Freunde sollt ihr sein, beim ersten Dachstuhlbarand mit 60 Tausend Euro Schaden? Das können nur die Großen stemmen mit Millionen im Kreuz -- die Verischerer sind nämlich auch ver- sichert, zum Beispiel bei der Münchner Rückversicherung (MUNIC-RE)
mehr Kommentar melden

Jone$ schrieb: am 30. März 2011 um 19:49:01
(0) (0) Friendsurance
Bei manchen Kommentaren hier frage ich mich, ob die Leute da dem Konzept von Friendsurance gegenüber misstrauisch sind –
oder ihrem eigenen Freundeskreis??? Ist doch ein gutes Konzept: weniger Geld an die Versicherungen, keine Maklergebühr, gelebte Solidarität im Freundeskreis! Also, ich seh das Problem nicht und find, was die Leute von Friendsurance machen, klasse!
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steuermob schrieb: am 30. März 2011 um 12:27:31
(0) (0) Friendsurance
Idee einfach, gut, aber nicht neu. Der Teufel steckt im Detail. Die "Freunde" werden sich über Anspruchsberechtigungen,
Schadensbegründungen, Schadenhöhen und Zahlungsmoral aufwändig auseindersetzen müssen. Das treibt die Kosten, belastet die "Freundschaft" und bindet Manpower. Würde Geld verdient, käme die Gier: Wer bekommt es? Ggf etwas billiger, aber besser und fairer als die Etablierten? Trotzdem:Viel Erfolg auf dem Weg zu den Zielen.
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