10.03.2011, 13:18 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Stellenausschreibung: Die Aufgabenstellung macht's aus. (Foto: imago)
Es gibt Berufe, die klingen schon nicht besonders interessant: Putzkraft, Versicherungsvertreter oder Müllmann. Wer dennoch Bewerber locken will, sollte Job und das Umfeld besonders kreativ beschreiben. Das erhöht die Zufriedenheit.
Gerade in stigmatisierten Berufen führt eine spannende Berufsbeschreibung zu deutlich mehr Motivation, sich zu bewerben, zeigt eine Studie der University of Queensland Business School. Und: Betroffene sind besonders kreativ, wenn es darum geht, ihren Arbeitsplatz und ihre Aufgaben zu benennen und zu beschreiben. Bestes Beispiel: die Inkasso-Branche. Madeleine McKechnie von der UQ Business School untersuchte 14 Monate lang die Unternehmenskultur eines großen Inkasso-Büros. Sie fand heraus, dass die Mitarbeiter dort vor allem drei Metaphern anführen, um ihr Tun zu rechtfertigen und um ihre Aufgabe in einem positiveren Licht darzustellen. Vorsichtshalber beschrieben viele Firmenangehörige ihren Job als
Hintergrund sei, dass Inkasso-Unternehmen einerseits gemeinhin als moralisch und sozial verdorben betrachtet würden und dass sich andererseits die Inkasso-Büros und ihre Angestellten selbst dieses schlechten Images bewusst seien, so McKechnie. Um ihre Tätigkeit zu definieren, verhielten sich die Mitarbeiter des untersuchten Inkasso-Büros daher recht findig. Sie lenkten die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung, die ihrer Rolle außerhalb des Berufsfeldes zukommt, um zu vermeiden, als Geldeintreiber gebrandmarkt zu werden.
McKechnie führt an, dass dies sogar bis zur Verleugnung des Berufes ging und zitiert Mitarbeiter: "Was ich tue, ist nicht Inkasso-Arbeit. Inkasso-Arbeit bedeutet Zwangsvollstreckung, in die Häuser von Leuten gehen und Dinge pfänden." Dies sei jedoch nicht ihre Aufgabe. Sie identifizieren sich eher mit einem beruflichen Umfeld, das dem von Beratern, Verkäufern und Detektiven nahekommt.
Die Untersuchung zeigt, dass vor allem die Berufsbeschreibung Detektiv den Mitarbeitern gefällt. Ihre eigentliche Aufgabe sei, Leute ausfindig zu machen, deren finanzielle Situation zu analysieren sowie sie zu bewegen , diese Situation zu verändern oder Verantwortung dafür zu übernehmen. Die "Verkäufer" sahen ihre Aufgabe darin, die Verschuldeten zur Zahlung zu überreden. Die "Berater" dagegen wollten den Verschuldeten helfen, wieder ein normaleres Leben zu führen, indem sie ihre Schulden sinnvoll verwalten. Überrascht zeigte sich die Autorin, dass der gesellschaftliche Faktor eine bei allen drei Identitäten eher eine untergeordnete Rolle spielen: "Ich hatte viel stärker eine Rechtfertigung im Sinne von ‚Wenn mehr Menschen ihre Schulden bezahlt hätten, würden wir heute nicht in einer globalen Finanzkrise stecken' erwartet."
Mc Kechnies Erkenntnisse basieren auf Beobachtungen und Interviews sowie Dokumenten des Unternehmens. Sie zeigen, dass diese Art der Neudefinierung der eigenen Tätigkeit den Befragten hilft, sich mit ihrer Arbeit besser zu fühlen. Die Folge: mehr Karriere-Engagement und ein besserer Ruf für den Berufsstand. McKechnies Schlussfolgerung daraus: Die Möglichkeit, kreativ die eigene berufliche Rolle außerhalb des Berufsumfeldes zu beschreiben und neu zu definieren, kann helfen, sich selbst und anderen den Sinn der eigenen Arbeit verständlich zu machen.
McKechnie hofft, mit ihren Forschungsergebnissen auch Unternehmensleitungen zu mehr Feingespür im Umgang mit Angestellten in stigmatisierten Tätigkeitsbereichen verhelfen. Karriereexperten warnen jedoch, bei der kreativen Berufsbeschreibung über die Stränge zu schlagen - zum Beispiel in Ausschreibungen. Überstrapazierte Schlagwörter seien nicht hilfreich. Besonders Online-Ausschreibungen betonen häufig klischeehaft die Vorteile eines Arbeitsplatzes, um sich von der Masse abzuheben, so eine Studie des Karriereportals LinkedIn. Dies arte zu oft in Floskeln aus, die sich ähnlich auch in Bewerberprofilen fänden. Die am meisten in Europa genutzten sind der Untersuchung zufolge derzeit:
"Phrasen wie 'umfangreiche Erfahrungen' oder 'Erfolgsbilanz' in einem Profil können nichtssagend wirken und sich zum Nachteil entwickeln", so Katie Ledger, Autorin des Rankings und Mitglied eines Expertengremiums, das sich mit Themen wie Recherche, Analyse, Entwicklung von Marken sowie Evaluation von Brands befasst.
Quelle: Financial Times Deutschland
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