Sparen für Sarg, Grabstein und Trauerflor nur ohne Police, sind sich Experten einig (Foto: imago)Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, häufen sich die Angebote für Sterbegeldversicherungen. Schon Mittvierziger werden mitunter per Briefsendung aufgefordert, mit einer Police "frühzeitig" vorzusorgen, um sich einen "Abschied in Würde" leisten zu können. Doch Vorsicht: Solche Versicherungen sind teuer, besonders Senioren müssen tief in die Tasche greifen. Experten sehen gar ein "garantiertes Minusgeschäft".
Begräbnisse sind teuer, und die Krankenkassen zahlen seit 2004 kein Sterbegeld mehr. Fast alle Lebensversicherer bieten deshalb Verträge zur Finanzierung der eigenen Beerdigung an. Doch die scheinbare Lösung Sterbegeldversicherung sei lediglich ein gutes Geschäft für die Versicherer selbst und so gut wie nie für die Kundschaft, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Besonders alte Menschen müssten die Sparverträge teuer erkaufen. "Die Police ist überflüssig, eine reine Geldvernichtungsmaschine", kritisiert Rudnik. Auch Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern, winkt ab: "Eine Geldanlage mit garantierter Minusrendite." Ein einziges "Renditegrab", so auch das Urteil von Stiftung Warentest.
Abgespeckte Kapitallebensversicherung
Was bietet die Absicherung? Eine Sterbegeldversicherung ist kein simples Ansparmodell zum späteren Bezahlen von Bestattung, Sarg und Trauerflor, wie es sich viele Interessenten vorstellen. Bei den Policen handelt es sich vielmehr um abgespeckte Versionen einer Kapitallebensversicherung. Eingezahlt werden kann einmalig oder auch regelmäßig, etwa 25 Jahre lang. Die Monatsbeiträge sind vergleichsweise niedrig und liegen bei zehn, zwanzig oder auch vierzig Euro - nicht zuletzt, weil die Versicherungssummen 10.000 Euro häufig nicht übersteigen.
Lohnt nur bei plötzlichem Tod kurz nach Abschluss
Weil der Großteil der eingezahlten Beiträge für den Risikoschutz des Versicherten draufgeht, wird die Police allerdings in so gut wie jedem Fall zum Verlustgeschäft, so die Berechnungen von Verbraucherorganisationen. Die Kunden zahlen über die Jahre deutlich mehr ein, als im Falle des Todes herauskommt - ganz gleich, ob die Police etwa bis zum 85. Lebensjahr läuft oder gar bis zum 100. Geburtstag. Nur dann, wenn ein gesunder Versicherter relativ kurz nach Vertragsabschluss plötzlich durch einen Unfall verstirbt, kann sich der Vertrag für die Hinterbliebenen lohnen, hat der BdV errechnet.
Drei Jahre Wartezeit
Besonders teuer sind die Sterbegeldpolicen in der Regel für Senioren. Denn: Je höher das Eintrittsalter, desto höher kalkulieren die Versicherer logischerweise das Sterblichkeitsrisiko. Hinzu kommt, dass die meisten Gesellschaften die Auszahlung verweigern, wenn der Versicherungsnehmer in den ersten drei Versicherungsjahren stirbt. Die Angehörigen erhalten dann nur das eingezahlte Geld zurück. Bei einigen Verträgen sogar nur die Hälfte davon, warnen die Experten von Stiftung Warentest. Die volle Versicherungssumme gebe es häufig erst ab dem vierten Jahr. Misstrauen sei angebracht, wenn der Vertrag so angepriesen werde, als sei er ohne Gesundheitsprüfung noch im hohen Alter rentabel, sagt Rudnik. In solchen Fällen sorgten Warteklauseln im Kleingedruckten dafür, dass der Kunde beispielsweise in den ersten drei Jahren nur gegen einen Unfalltod versichert sei, nicht aber beispielsweise gegen einen Krebstod. Wer eine Sterbegeldversicherung unterschreibt, kann also nicht immer sicher sein, dass die Erben nicht trotzdem mit Kosten belastet werden.
Kein Geld in unrentable Versicherungen stecken
Wer für Tod und Beerdigung sparen will, sollte das lieber auf eigene Faust tun und Versicherungen meiden, sind sich Verbraucherschützer einig. Statt monatlicher Prämienzahlungen könne Geld regelmäßig direkt aufs eigene Sparkonto gelegt werden - unter Ausnutzung lohnender Zinsangebote. Wer bereits eine Police abgeschlossen habe, solle schnell die Reißleine ziehen und kündigen. Auch wenn dabei immer Verluste entstehen dürften, wie Larisch erklärt.
Details können auch direkt mit Bestatter geregelt werden
Verbraucherzentralen berechnen gegen eine kleine Gebühr, ob sich der Notausstieg lohnt. "Lieber ein Ende mit Schrecken, in eine völlig unrentable Versicherung gehört nicht weiter Geld reingesteckt", ist Rudnik überzeugt. Wer das Bedürfnis hat, schon frühzeitig Begräbnis-Details wie Art der Grabstelle, Trauerfeier, Blumendekoration, Sarg oder Urne zu regeln, braucht dafür keine Versicherung. Solche Details können auch in einem speziellen Vertrag mit einem Bestattungsunternehmen festgelegt werden.