17.02.2010, 09:56 Uhr | dpa-AFX, AFP
Steuerhinterziehung: Schweiz warnt Deutschland vor Daten-Kauf (Quelle: dpa)Zwei Jahre nach der Liechtenstein-Affäre droht Steuersündern mit einem Konto in der Schweiz die Aufdeckung. Ein Informant habe den deutschen Behörden Daten von 1500 Anlegern angeboten, berichteten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Der Mann verlangt laut "FAZ" 2,5 Millionen Euro für die CD. Das Thema könnte zu diplomatischen Belastungen zwischen Deutschland und der Schweiz führen. Der Verteidigungsminister der Alpenrepublik, Ueli Maurer, warnte bereits vor einem Vertrauensbruch zwischen beiden Staaten. Zudem könnten die jüngsten Berichte die laufenden Verhandlungen der Schweiz mit Deutschland über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen belasten.
Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer sagte am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos, sein Vertrauen in Deutschland würde erschüttert, wenn sich der deutsche Staat dafür hergeben würde, "für geklaute Daten zu bezahlen". Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU) sagte im Schweizer Fernsehen, er sei "guter Dinge, dass es nicht zu Verwerfungen (mit der Schweiz) kommt". Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte ebenfalls in Davos, die Beziehungen zur Schweiz seien stabil. "Die Freundschaft zwischen der Schweiz und Deutschland hält vieles aus."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) überlegt laut "FAZ" noch, ob er sich auf den Handel einlassen soll. FDP und SPD rieten dazu: Der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing (FDP), sprach sich in der "Welt am Sonntag" für einen Kauf der Daten aus. Schäuble müsse aber prüfen, ob die Daten "rechtlich einwandfrei erworben werden können". Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, sagte der Zeitung, Schäuble sollte die Daten "umgehend" erwerben. "Wenn zu einem Preis von 2,5 Millionen Euro 100 bis 200 Millionen hinterzogener Steuern eingetrieben werden können, sollte die Regierung nicht zögern."
Laut "FAZ" hat die Überprüfung einer ersten Stichprobe aus der Schweiz ergeben, dass in jedem der fünf konkreten Fälle eine Steuernachzahlung von jeweils einer Million Euro fällig wäre. Die Ermittler würden damit rechnen, dass die Unterlagen rund 100 Millionen Euro in die Staatskasse spülen könnten, wenn die Behörden sich auf den Handel einlassen sollten. Den fünf Verdächtigen aus der Stichprobe drohen nach "FAZ"-Angaben zudem Steuerstrafverfahren. "Für die fünf Kontoinhaber, die wir probehalber kontrolliert haben, ist es für eine Selbstanzeige zu spät", zitierte die Zeitung Einschätzungen aus der Finanzverwaltung.
Wie die dpa weiter erfuhr, prüfen derzeit die Finanzbehörden die Rechtslage. Es sei ein Abwägungsprozess, ob der Staat offensichtlich gestohlene Daten ausländischer Bankinstitute aufkaufen solle. Mache man Fehler, seien die Daten später im Verfahren nicht verwertbar, hieß es. Der Korrespondent des Schweizer Fernsehens berichtete am Samstagabend, nach seinen Informationen würde in Berlin über eine Steueramnestie wie in Italien nachgedacht.
Die Steuer-Gewerkschaft hat unterdessen den Ankauf der den Behörden angebotenen CD mit Daten von 1500 Steuersündern mit einem Konto in der Schweiz gefordert. "Das ist keine Hehlerware", sagte der Chef der Steuer-Gewerkschaft, Dieter Ondracek, der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). "Das Informationshonorar in Höhe von 2,5 Millionen Euro halte ich für angemessen in Anbetracht der zu erwartenden Steuernachzahlungen von 100 Millionen Euro."
Es mache keinen Unterschied, ob der Finanzminister für diese Hinweise Geld zahle oder die Staatsanwaltschaft für Hinweise zur Ergreifung eines Straftäters Belohnungen auslobe, sagte Ondracek der Zeitung. Für das spätere Strafverfahren sei unerheblich, wie die Anzeige zustande gekommen sei. "Hier kommt es dann einzig auf die saubere Beweissicherung an."
Gesetzestreue Steuerzahler hätten einen Anspruch darauf, dass der Staat Steuersünder zur Kasse bitte, sagte Ondracek. "Kein Rentner mit 500 Euro im Monat würde verstehen, dass er vom Finanzamt belästigt wird, aber die mit den dicken Konten in der Schweiz ungeschoren.
In der Liechtenstein-Affäre hatte vor zwei Jahren der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zusammen mit den Steuerbehörden grünes Licht für einen spektakulären Deal gegeben. Der Auslandsgeheimdienst BND kaufte einem Ex-Mitarbeiter der Liechtensteiner LGT-Bank gestohlene Daten-DVDs für bis zu fünf Millionen Euro ab. Es folgten Razzien und viele Verfahren.
Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit noch in rund 400 weiteren Liechtenstein-Fällen. Der frühere Topmanager Klaus Zumwinkel - er hatte an der Steuer vorbei im Fürstentum Geld angelegt - war Anfang 2009 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt worden.
Quelle: AFP , dpa-AFX
Bobby schrieb:
am 6. Februar 2010 um 15:42:15
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Steuer-CD
Wenn der Staat diese nicht kauft, ist das doch Beihilfe zur
Steuerhinterziehung. Wenn ich als Mittwisser eines Verbrechen
schweige, mache ich mich der Mittäterschaft schuldig. Auch das Dulden von Straftaten ist ein Verbrechen.
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Benedikt schrieb:
am 6. Februar 2010 um 09:32:14
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Kaufen!
Selbstverständlich dürfen diese Informationen, die zur Aufklärung von Verbrechen führen könnten, gekauft werden. Das Bänker,
die in den allermeisten Fällen, bewußt Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben, ja soger dazu angestiftet haben, nun auf Recht und Ordnung verweisen, ist lächerlich. Schweizer Justitz und Regierung haben diese kriminellen Machenschaften durch Untätigkeit unterstützt. Union und FDP zögern bewußt, um ihrer Klientel Zeit zu verschaffen. Auch eine Form de
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obelixbier schrieb:
am 6. Februar 2010 um 09:28:01
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steuersünder-cd
ich bin der meinung dass man jeden verbrecher mit den mitteln bekämpfen soll,die er selber anwendet!! dass manche so tun
als wären diese verbrecher die opfer und der staat der täter kann ich nicht verstehen.diese fehlenden steuermillionen müssen im zweifel doch von der allgemeinheit zusätzlich aufgebracht werden!
aber was kann man in einem land erwarten,wo der ehrenvorsitzende einer regierungspartei öffentlich als steuerhinterzieher bezeichnet werden darf!!
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